Glöthe l Franziska Klette ist Vollblut-Imkerin. Sechs Bienenvölker mit mehr als 50.000 Bienen hat die Glötherin unter ihren Fittichen. Bei ihr landet der Honig ihrer schwarz-braunen Bienenflotte aber in Zukunft nicht nur im Glas beziehunsgweise auf dem Brötchen, sondern zum Beispiel auch auf der Haut ihrer Kunden. Denn die 29-Jährige hat sich zur Apitherapeutin fortbilden lassen.

Das unbekannte Wort ist schnell erklärt: „‚Api‘ heißt die Biene auf lateinisch“, so die gebürtige Thalerin im Gespräch. Die Apitherapie beschäftigt sich grob gesagt mit der medizinischen Verwendung von allen Bienenprodukten, wobei der Honig nur eines ist. Die Behandlungsform hat ihren Ursprung bereits in der Steinzeit, derzeit ist die Apitherapie noch in Osteuropa und Russland vertreten. Dort würde auch anders mit dem Thema umgegangen, so die Glötherin im Hinblick auf den übersichtlichen Forschungsstand im Bundesgebiet. Das gelte zum Beispiel auch für den Literaturbestand. Hierzulande gibt es zwar mittlerweile einen Deutschen-Apitherapie-Bund (DAB), aber die Zahl der aktiven Mitglieder ist überschaubar. So ist es dann auch nicht verwunderlich, dass Franziska Klette nach eigenen Angaben die einzige Apitherapeutin in Sachsen-Anhalt ist.

Um als Apitherapeutin selbstständig zu sein, hat sie vor kurzem einen Fernlehrgang des Verbandes besucht. Dieser Kurs dauert zwölf Monate und setzt sich aus fachspezifischen Themenstellungen zusammen. Am Ende steht ein Diplom mit Abschlussarbeit.

Große Resonanz und Neugier

Damit kann sie als Beraterin tätig sein, Fachvorträge zum Thema halten, Bienenprodukte verkaufen, Workshops veranstalten und eben Honigmassagen anbieten – allerdings nur als Wellnessmaßnahme, denn behandeln darf sie ohne einen entsprechenden Heilpraktiker-Lehrgang nicht. Der dauert nochmal mindestens zwei Jahre, erklärt die Apitherapeutin.

Bis dahin berät die gelernte Bauzeichnerin rund um das Thema Bienenprodukte – dabei geht es zum Beispiel um die Verwendung von Gelee Royale, Propolis oder zum Beispiel Bienenstockluft. Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig und manchmal überraschend. So findet sich das Gelee Royale aufgrund seiner Nährstoffhaltigkeit (Nahrung der Bienenkönigin) in diversen Cremes und Tabletten wieder, oder Propolis (Bienenharz), in Alkohol gelöst, soll bei der Krebsbehandlung helfen. Möglich, aber nicht im Repertoire der Glötherin, ist auch eine Behandlung mit Bienenstockluft, der eine wohltuende Wirkung nachgesagt wird. Daneben sei auch die Behandlung mit Bienengift möglich – so interessant Franziska Klette diese Therapie auch findet, so vorsichtig ist sie damit. Und auch wenn sie zum Beispiel Cremes nicht selber herstellen kann, die Apitherapeutin setzt bei der Honigmassage natürlich auf ihre eigenen Produkte.

Schnell wird klar: „soll“, „kann“, „nachgesagt“ – die Apitherapie ist eine alternative Behandlungsform. Verkaufen darf die Imkerin die Erzeugnissen ihrer Bienen und ein Sortiment an Cremes und Salben. Und wie kam sie dazu? Das Interesse dafür geht bei ihr auf persönliche Erfahrungen zurück, zum Beispiel auf die Akkupunktur. Sie schwört darauf und „sucht oft gezielt nach Alternativen“, wie sie verrät.

Die Resonanz auf ihre Tätigkeit sei groß. „Das Wissen darüber ist gering, die Neugierde dafür umso größer“, erklärt Franziska Klette. Mehr Informationen gibt es auf ihrer eigenen Internetseite.