Schönebeck l Haben die Schönebecker ein Problem mit den Verkehrsregeln? Innerhalb ihres einjährigen Blitzer-Experimentes hat die Stadt Schönebeck mehr als 16.000 Übertretungen der Höchstgeschwindigkeit durch Pkw- und Lkw-Fahrer festgestellt. Und das an nur 76 Messtagen. Macht mehr als 210 Vergehen am Tag. Dieses Ergebnis eines einjährigen Verkehrssicherheitsprojektes der Stadt präsentierte René Nickel, Sachgebietsleiter im Ordnungsamt, am Montag im Hauptausschuss des Stadtrates.

„Zu Beginn der Messungen lag die Verstoßquote noch bei 50 Prozent. Der Wert konnte allerdings im Laufe des Jahres halbiert werden“, sagte Sachgebietsleiter Nickel. Im Klartext: Zu Beginn ist die Hälfte aller Autofahrer zu schnell gefahren. Nach einem Jahr sind es noch ein Viertel. Das Ordnungsamt wertet das einjährige Projekt daher auch als Erfolg. „Ziel der Geschwindigkeitskontrollen ist es, das Tempo zu reduzieren und die Sicherheit in Schönebeck zu erhöhen“, sagte Nickel.

Teilweise gravierend

Die Geschwindigkeitsübertretungen in Schönebeck waren dabei teilweise gravierend. Mehr als 1000 Autofahrer wurden innerorts mit Tempo 70 und mehr gemessen. Vier Raser wurden sogar mit einer Geschwindigkeit von mehr als 100 Kilometern in der Stunde in der Stadt erwischt. Die Strafe für solche Höchstgeschwindigkeiten: 280 Euro, zwei Punkte in Flensburg und ein zweimonatiges Fahrverbot.

Bilder

Etwas mehr als die Hälfte aller Vergehen, nämlich 8801 Fälle, bewegten sich bei Geschwindigkeiten bis zu zehn Kilometern in der Stunde über dem erlaubten Tempo 50, was ein Bußgeld von 15 Euro nach sich zieht.

Zusätzlich wurden 816 Lastwagen mit überhöhten Geschwindigkeiten gemessen, davon waren 474 Fahrzeuge bis zu zehn Kilometer in der Stunde zu schnell. Spitzenreiter waren zwei Brummifahrer, die mit mehr als 90 Sachen durch Schönebeck gerast sind.

Einige Tage langsamer

Wiederholte Messungen haben Angaben von René Nickel nach gezeigt, dass die Autofahrer nach einer Kontrolle noch einige Tage langsamer fahren. „Für die Verkehrssicherheit ist es wichtig, den Kontrolldruck auf die Autofahrer aufrecht zu erhalten“, so René Nickel. Andernfalls würden die Autofahrer wieder schneller fahren. Die Stadt hat daher nun einen Vertrag über weitere vier Jahre abgeschlossen, um auch in Zukunft Blitzer auszuleihen. „Wir mieten die Technik, um mit unterschiedlichen Geräten Erfahrungen zu sammeln“, sagte René Nickel. Das Personal für die Blitzer muss vom Ordnungsamt gestellt werden und kann nicht extern angeheuert werden.

Denn im Gegensatz zu anderen Bundesländern darf diese hoheitliche Aufgabe in Sachsen-Anhalt nicht ausgelagert werden. Ein Ankauf von Messtechnik oder der Bau von fest installierten Blitzern sei zum jetzigen Zeitpunkt in Schönebeck nicht geplant.

Auch wenn die Schönebeck er Stadtverwaltung betont, dass das Ziel der Messungen einzig die Erhöhung der Verkehrssicherheit ist, wurden dennoch in einem Jahr knapp 300.000 Euro eingenommen.

Kosten der Anmietung

Die Kosten für die Anmietung der Technik und Ausbildung der Mitarbeiter belaufen sich auf 170.000 Euro. Bleibt unterm Strich eine Differenz von 130.000 Euro. „Wir wollen kostendeckend arbeiten“, sagte René Nickel. Wie sich die Einnahmen durch die Kontrollen in Zukunft entwickeln, könne jedoch nicht vorausgesagt werden. Denn im besten Fall soll sich die Zahl der Verstöße schließlich reduzieren.

Die Stadt Schönebeck ist neben der Polizei für die Überwachung des fließenden Verkehrs zuständig. Sie hat daher von Juni 2018 bis Mai 2019 im Rahmen eines Verkehrssicherheitsprojektes an 76 Tage die Geschwindigkeit kontrolliert. Gemessen wurde dabei an 40 verschiedenen Standorten, unter anderem vor Schulen, Kitas, Pflegeheimen, auf dem Markt oder an Unfallschwerpunkten. Eingesetzt wurden die beiden Messgeräte Poliscan Speed mobil und ESO 3.0, die an den Messtagen von einem Unternehmen ausgeliehen wurden.

Angesichts der zahlreichen Verstöße begrüßten die Stadträte im Hauptausschuss die Fortführung der Kontrollen.