Calbe l Nicht Kupfer, sondern Glas ist die Zukunft, wenn es um die schnelle Datenübertragung geht. Die alten Kupferkabel werden in einigen Jahren ausgedient haben. Anstatt elektrischer Impulse werden die Bits und Bytes per Lichtwelle übertragen. Die Geschwindigkeit ist enorm, denn nichts bewegt sich schneller als Licht. Zudem lassen sich viele Informationen gleichzeitig über ein Glasfaserkabel übertragen. Dabei ist die einzelne Faser dünner als ein menschliches Haar.

Im Jahr 2020 buddeln sich die Bagger aus Bördeland in Richtung Calbe vor. In den kommenden Monaten werden die Hauptstraßen mit den gläsernen Kabeln erschlossen.

Finanzierung durch Staat

Zum Ende des Jahres 2020 sollen die Bürger dann die Möglichkeit haben, mit echten Breitbandanschlüssen im Internet zu surfen. Der Landkreis hat hierzu das Magdeburger Unternehmen MDDSL beauftragt. Überall dort, wo die Marktteilnehmer nicht aus eigenen Stücken die Infrastruktur ausbauen, weil es sich für sie nicht rechnet, springt der Staat ein und finanziert den Ausbau über die öffentliche Hand. Mehr als 2,2 Millionen Euro zahlt der Landkreis an das Unternehmen, um die Haushalte anzuschließen. Dabei geht es nicht nur um die Kernstadt, sondern auch um die Ortsteile.

Ein großes Hindernis ist dabei die Saale. Zunächst hatte das Unternehmen angenommen, ein Kabel einfach an der Saalebrücke befestigen zu können, um den Fluss zu überwinden. So einfach gehe dies aber nicht, räumte Geschäftsführer Andreas Riedel ein. Die bürokratischen Hürden seien einfach zu hoch. Das Unternehmen suche daher einen anderen Weg. Favorisiert wurde die Durchörterung der Saale. Ist das Kabel erst einmal unter dem Fluss verlegt, sollen die Ortsteile wie Schwarz, Tippelskirchen, Gottesgnaden und Trabitz angeschlossen werden. Auch hier werden die Bürger dann im Breitbandnetz surfen dürfen.

Bohrung statt Tiefbau

Dabei muss nicht mehr wie früher die Landschaft aufgerissen werden, um die Kabel zu verlegen. Das Unternehmen setzt Bohrmaschinen ein, die sich durch den Untergrund bohren. Nur noch sogenannte Kopflöcher sind dabei notwendig. Die Verlegetechnik gilt als wenig aufwändig und erspart teure Tiefbauarbeiten, wenn Fußwege erst aufgerissen und anschließend wieder gepflastert werden müssen.

Im Frühjahr sollen die Bohrmaschinen in den Saalestadt das Straßenbild prägen, kündigte der Chef des Unternehmens an. Bereits jetzt können sich die betroffenen Bürger entscheiden, was sie demnächst für einen Anschluss haben wollen. Während dies in Mietwohnungen der Eigentümer klären muss, haben die Eigenheimbesitzer in der Regel eine Wahl, hieß es. Findet sich eine große Anzahl der Hausbesitzer, sei das Unternehmen auch bereit die Glasfaser bis in das Gebäude zu legen.

Hohe Geschwindigkeiten

In Zukunft, davon zeigte sich Andreas Riedel überzeugt, werde die Glasfaser bis in die Häuser führen. Nur über das Glas seien zukünftig Übertragungsgeschwindigkeiten möglich, die mit Kupfer nicht erreichbar seien. Notwendig seien diese großen Übertragungsraten vor allem, weil die Bildtechnik beim Fernsehen in den kommenden Generationen immer mehr Daten verlange. Die Displays könnten immer mehr Punkte abbilden. Das bedeute aber mehr Daten. Wer die Technik in Zukunft nutzen wolle, sollte heute bereits auf Glasfaser setzen, rät er.

Spätestens zum Ende des Jahres 2020 soll das Netz in der Stadt und den Ortsteilen einsatzbereit sein. Überall dort, wo das bereits vorhandene Kupfernetz der Telefonanbieter nicht ausreicht, um die Daten zu übertragen, werden die Haushalte nur noch mit Glasfaser versorgt.

1100 Haushalte profitieren

Rund 1100 Haushalte in der Saalestadt gibt es, die in diesem Jahr an das Breitbandnetz angeschlossen werden sollen. Für die Bürger ergeben sich dann völlig neue Möglichkeiten.

Parallel dazu will die Stadt an einigen Punkten ein öffentliches Funknetz aufbauen und zur Verfügung stellen. Angedacht ist es vor dem Rathaus sowie in der Hegersporthalle oder im Freibad. Die Menschen sollen hier kostenlos das Breitbandnetz nutzen können. Das Land fördert den Aufbau der Technik. Vor allem in Hinblick auf die geplante touristische Erschließung der Innenstadt mit dem Saaleradweg will die Stadt hier mit einem neuen Service punkten.