Schönebeck l Der „Klub für Terrier“ ist eine der Sparten des Hundesportvereins Neu Schönebeck. Für die etwa 20 Hundehalter um Vereinsvorsitzenden Stephan Wesche war das zurückliegende Wochenende anstrengend: Zum ersten Mal hatten sie den Bundesausscheid der Airedale-Terrier ausgerichtet. Etwa 150 Halter dieser aus England stammenden und mit bis zu 30 Kilogramm größten Terrierrasse waren aus der gesamten Bundesrepublik nach Schönebeck gekommen, um den Wettkampf zu beobachten und sich in gemütlicher Runde zu treffen. Die zwölf angetretenen Teilnehmer hatten Prüfungen nach der IPO, der internationalen Gebrauchshundeprüfung zu bestehen. Geprüft wurde nach der höchsten Stufe, IPO 3, für die sich die Hunde bereits in vorherigen Prüfungen qualifiziert hatten. Im Wettkampf wurde Wert auf Vielseitigkeit gelegt: die Hunde mussten sowohl Fährten suchen, sich dem Halter unterordnen als auch im Schutzdienst Angreifer suchen und festsetzen können. Dabei müssen sie in erster Linie ein gehorsamer Begleiter ihres Besitzers sein.

Menschen finden und Hanteln schleppen

Die Fährtensuche führte über Ackerflächen hinter dem Schönebecker Industriepark West. Dort mussten die Hunde einer etwa eine Stunde alten menschlichen Spur folgen und dabei mehrere Gegenstände suchen. Der Bundesvorsitzende des Klubs für Terrier, Thomas Schuler, der aus der Nähe von Mainz nach Schönebeck kam, dankte der Agrargenossenschaft Biere, Landwirt Klapper aus Welsleben und den Jagdpächtern für die Erlaubnis, das Gelände nutzen zu dürfen. „Das ist heute nicht selbstverständlich“, sagte er. „Hier in Schönebeck war das kein Problem. Aber in Bundesländern mit kleinen Landwirtschaftsflächen ist es für uns schwer, von allen die Genehmigung zu bekommen.“

Unangeleint durch Menschengruppen

Im zweiten Teil des Wettkampfes mussten die Hunde zeigen, wie gut sie ihrem Besitzer folgen, zum Beispiel mit ihm unangeleint durch Menschengruppen gehen, ohne ihm von der Seite zu weichen oder sich ablenken zu lassen. Aber auch auf Befehl Hindernisse zu überwinden oder bis zu zwei Kilogramm schwere Hanteln aus Holz zu apportieren gehörte zu den Aufgaben.

Bilder

Der dritte Teil, der Schutzdienst, war wohl der spektakulärste Teil der Prüfung und stellte auch die höchsten Anforderungen an Können, Kraft und Gehorsamkeit der Hunde. Nach einem festgelegten Reglement mussten die Hunde einen mit fester Arbeitskleidung und gepolstertem Schutzärmel ausgestatteten Schutzdiensthelfer hinter einem Versteck aufspüren, ihn verbellen (ohne ihn anzugreifen), an der Flucht und am Angriff auf seinen Besitzer hindern. Selbst von Schlägen mit einer (gepolsterten) Rute durften sie sich nicht beeindrucken lassen.

Freundliche Hunde lassen nicht locker

Auch wenn die Bilder vom Wettkampf etwas martialisch wirken, so war dabei doch zu spüren, dass es keinesfalls um das Training des Kampfes an sich ging. Ganz im Gegenteil könnte man es aus menschlicher Sicht sogar eher als Deeskalation betrachten, wenn die Hunde den Eindringling zunächst „nur“ durch Bellen beeindrucken und festsetzen. Wenn der „Schurke“ dann aber fliehen will oder gar angreift – dann ist den Hunden der Arm als Angriffsziel antrainiert. Den sie dann auch wirklich nicht losließen, selbst wenn sie vom Schutzdiensthelfer am Arm herumgeschleudert wurden. Bei all dem Adrenalinschub, der bei Hund und Mensch dabei ist, stellte es schon eine große Herausforderung für das Training dar, dass die Hunde auf Kommando hin vom Angreifer sofort wieder abließen.

Thomas Schuler bezeichnete die Airedale-Terrier als freundliche, gut verträgliche Familienhunde – die als nicht haarende Rasse auch im Haus gehalten werden können. Dass sie als Terrier dennoch ihren eigenen Willen haben, war aber auch zu hören. „Die sind immer für einen Scherz gut“, hieß es. Das führte am Nachmittag auch schon mal zu Punktabzug, wenn der Hund etwa die Suchreihenfolge nicht einhielt, sondern gleich zum Versteck des Eindringlings rannte.

Im vergangenen Jahr stellten die Schönebecker Hundesportler mit Uwe Timme (73), mit Zarek von Ericson“, den ältesten und mit Winni Wesche (9), mit „Nathan der Weise vom Götschetal“, auch die jüngste Teilnehmerin des Bundesausscheides. Winni Wesche, Schülerin der Plötzkyer Grundschule, war diesmal aber nicht als Teilnehmerin dabei. Ihr damaliger Hund nahm aus Altersgründen nicht mehr teil. Selbstverständlich war sie aber mit „Franz von Bismarckstein“, dem neuen Hund der Familie Wesche, auf dem Hundesportplatz um zu helfen und zuzuschauen. Auf die Frage, ob denn der schon recht große Hund auch auf sie hören würde, sagte sie lachend: „Eigentlich spurt der immer.“