Breitband-Ausbau

Bunte Fraktion will schnelles Internet für Schönebeck - Stadtwerke stark bei Breitbandausbau

Die „Bunte Fraktion“ will schneller surfen. Für die kommende Sitzungsrolle schwingen sie sich zwar nicht ins kühle Nass, bringen aber einen Antrag für schnelle Internetleitungen in Schönebeck ein. Es geht um Fördermittel.

Von Andre Schneider
Schnelles Internet soll nach Schönebeck kommen - über das Wie streiten die Fraktionen
Schnelles Internet soll nach Schönebeck kommen - über das Wie streiten die Fraktionen Foto: dpa

Schönebeck - Thoralf Winkler ist sauer. Dem Fraktionsvorsitzenden der „Bunten Fraktion“ geht das alles zu langsam. Gemeint sind die Internetgeschwindigkeiten in Schönebeck. Ein Vorstoß der Stadtwerke geht ihm nicht weit genug. Das soll sich ändern.

Rückblick: Schönebecks Stadtwerke hatten Ende Mai ganz groß aufgefahren. In einem Pressetermin verkündeten sie gemeinsam mit Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) und vielen weiteren Partnern, wie sie Schönebeck in die digitale Zukunft führen wollen (Volksstimme berichtete). Gemeinsam mit dem Magdeburger Unternehmen MDCC Magdeburg-City-Com wollen die Stadtwerke für Glasfaserleitungen für bis zu 1000 Megabits sorgen – flächendeckend. Ziel sei es, so vermeldeten die Stadtwerke in einer Pressemitteilung „Schönebeck innerhalb kurzer Zeit mit einem zukunftsfähigen Glasfasernetz zu erschließen“.

10 Millionen Euro

Stadtwerke und Partner wollen sich den Ausbau, der bis 2023 abgeschlossen sein soll, stolze 10 Millionen Euro kosten lassen. Die Stadtwerke Schönebeck haben dabei nach eigenen Angaben die Hoheit über das neu verlegte Glasfasernetz und treiben dessen flächendeckenden Ausbau voran, während MDCC als Betreiber die Dienste in Privathaushalte und in Gewerbeeinrichtungen bringt. Die beiden Unternehmen haben nun zwei Schönebecker Wohnungsbaugenossenschaften mit ins Boot geholt. Allerdings wollen sie nicht auf Fördermittel zurückgreifen. Und auch etwas anderes bereitet den heimischen Politikern Sorgenfalten, wie sie in ihrem Antrag begründen.

„Grundsätzlich“, sagt Thoralf Winkler (Grüne) „begrüßen wir das Vorhaben der Stadtwerke“. Allerdings zeigte er sich vom Vorgehen durchaus überrascht, wie er im Telefongespräch mit der Volksstimme erklärte. „Das ist eine wichtige Entscheidung für Schönebeck und wir als Stadträte wurden dabei ziemlich außen vor gelassen.“

Nicht alle Haushalte angeschlossen?

Er und seine Fraktionskollegen stellten einige Recherchen an. Laut statistischem Bundesamt zählt Schönebeck etwa 19?500 Haushalte. Nach den Plänen der Stadtwerke sollen allerdings nicht alle ans Glasfasernetz angeschlossen werden. Wie die Volksstimme berichtete, wurde bei dem groß angelegten Pressetermin lediglich von 12?000 Haushalten gesprochen.

„Es ärgert mich, wenn Unternehmen sich bei der Erschließung einfach die Rosinen rauspicken wollen“, sagt Winkler. Er befürchtet vor allem in Schönebecks Außengebieten „weiße Flecken“ in der digitalen Landkarte – das sei nicht hinnehmbar.

Fraktion fordert Fördergelder

Zurzeit, so Stadtwerke-Pressesprecherin Julia Teige auf Volksstimme-Nachfrage, finden Bauarbeiten im ersten Bauabschnitt statt, die nach Plan verlaufen, „Darauffolgend werden wir dann die Gebiete außerhalb der Bauabschnitte im Stadtgebiet und alle anderen Schönebecker Stadtteile sukzessive mit Glasfaser ausbauen, so dass wir in wenigen Jahren ganz Schönebeck weitestgehend an das schnelle Glasfasernetz angeschlossen haben werden“, sagt Teige.

Aber die Fraktion will ebenso wenig auf mögliche Fördergelder verzichten. Denn die sind vom Bund für den Breitbandausbau durchaus in Aussicht gestellt. „Darauf zu verzichten halte ich für schädlich“, so Winkler. Die Förderrichtlinien des Bundes fordern zudem explizit, dass auch Häuser, die ansonsten schwer erreichbar sind, mit Glasfaser ausgestattet werden sollen. „Ein Standortfaktor“, wie Winkler betont.

Zwar habe das Tochterunternehmen der Stadt die 10 Millionen „auf der hohen Kante“, doch wenn sie einmal weg sind, sind sie eben futsch. „Ohne den Ausbau mit Fördergeldern schlecht reden zu wollen, wären wir immer Bittsteller gewesen. So haben wir alles selbst in der Hand“, erklärt Oberbürgermeister Bert Knoblauch noch im Mai und argumentierte damit für den Vorstoß der Stadtwerke. Anfragen von Privaten und Unternehmen gäbe es bereits.