Denkmal

Burg Klein Rosenburg: Die Kosten könnten explodieren

Bei Voruntersuchungen zur Sanierung des Turms der Burg Klein Rosenburg hat sich herausgestellt, dass die Anlage zu einer der bedeutendsten Deutschlands zählt. Die Kosten könnten erheblich steigen.

Von Thomas Schäfer
Die Burganlage Klein Rosenburg ist eine der bedeutendsten Hochburganlagen Deutschlands. Die Sanierung des Turms wird vom Stadtrat vorangetrieben.
Die Burganlage Klein Rosenburg ist eine der bedeutendsten Hochburganlagen Deutschlands. Die Sanierung des Turms wird vom Stadtrat vorangetrieben. Foto: Thomas Schäfer

Barby/Klein Rosenburg - „Ich bin doch überrascht, über welche Beträge wir uns hier verhaken und schon eine Viertelstunde über diesen Geldbetrag reden. Andere Dinge werden durchgewunken - 800 000 Euro KiföG-Beträge, 1 Million für Straßenbeleuchtung - darüber wird gar nicht diskutiert. Aber bei 38 000 Euro Eigenmitteln, um eine 90-prozentige Förderung zu bekommen, da verhaken wir uns komischerweise. Ich würde mich freuen, dass, wenn relevantere Themen oder größere Beträge auf der Tagesordnung stehen, wir darüber stärker debattieren würden und nicht alles durchwinken“, äußerte Dirk Trappe, Fraktionsvorsitzender WG E-S-W, am Donnerstag bei der Stadtratssitzung sein Unverständnis.

Was war passiert? Unter Punkt 14 stand der Torturm der Burganlage Klein Rosenburg auf der Tagesordnung. Er ist dringend sanierungsbedürftig. Dafür sind Baukosten von 200 000 Euro eingeschätzt worden. Dank des Leader-Programms des Landes Sachsen-Anhalt werden 90 Prozent der Baukosten gefördert. Somit müsste Barby lediglich zehn Prozent Eigenmittel aufbringen, was 20 000 Euro entspricht.

Durch einen Beschluss des Stadtrates in seiner Sitzung am 10. Juni wurde entschieden, diese 20 000 Euro Eigenmittel bereitzustellen. Am vergangenen Donnerstag ging es nun lediglich darum, zu beschließen, woher dieses Geld kommt. Dazu kann man das Mittel der Umwidmung nutzen. Dazu heißt es in der Beschlussvorlage: „Um noch in diesem Jahr mit der dringenden Sanierungsmaßnahme beginnen zu können, sollen die Eigenmittel bereits im Haushalt 2021 abgebildet werden. Das ist nunmehr möglich, weil für die Straßenbeleuchtung zwischen Groß und Klein Rosenburg die erforderlichen Mittel über den Landkreis bereitgestellt werden.“

Sprich: Eingeplantes Geld für die Straßenbeleuchtung ist übrig - da der Landkreis die Finanzierung übernimmt - und kann nun für den Torturm genutzt werden. Also alles gut? Nicht ganz. Die Crux liegt im Detail der Berechnungen für die 90-prozentige Förderung.

Zehn Prozent Eigenanteil von 20 000 Euro sind im Dschungel von Fördermittelanträgen nicht 20 000 Euro. Klingt komisch, ist aber so. Denn jetzt wird es etwas kompliziert: Für die Berechnung der Fördersumme sind nur zehn Prozent der Baunebenkosten, zum Beispiel Planungshonorare, zuwendungsfähig. Die Sanierung des Turms soll 200 000 Euro kosten, davon liegen die reinen Baukosten bei 143 151,06 Euro. Der Rest sind Baunebenkosten. Von den reinen Baukosten können aber lediglich zehn Prozent als Baunebenkosten geltend gemacht werden, sprich 14 315,11 Euro. Damit ergeben sich Gesamtkosten zur Berechnung der Fördersumme von 157 446,16 Euro. Davon werden 90 Prozent gefördert, was 141 719,54 Euro entspricht. Daraus ergibt sich dann unter dem Strich ein Eigenanteil von 58 230,21 Euro. Das sind letztlich 29,115 Prozent Eigenanteil, die Barby aufbringen muss - was natürlich nicht den 20 000 Euro entspricht, wie man eigentlich annehmen würde.

Darüber informierte Bauamtsleiter Holger Goldschmidt auf der Stadtratssitzung am vergangenen Donnerstag - nicht ganz so detailliert, aber die Fahrtrichtung wurde den Räten gewahr. Es entwickelte sich eine längere, aber konstruktive Diskussion unter den Räten.

„Wir sollten noch mal darüber nachdenken, ob wir das tatsächlich machen“, gab Frank Fabian, Fraktionsvorsitzender CDU/FDP, zu bedenken. „Die knapp 60 000 Euro könnte man auch für etwas anderes verwenden. Bei den Schulen herrscht ja auch ein Sanierungsstau. Ich kriege da so langsam Bauchschmerzen. Prinzipiell finde ich die Sanierung des Turmes gut, aber es ist nicht absehbar, wohin die Reise geht.“

Worauf er anspielte, waren weitere Informationen von Holger Goldschmidt, die Sanierung betreffend. „Bei den denkmalschutzrechtlichen und fachspezifischen Voruntersuchungen hat sich herausgestellt, dass die Burganlage eine der bedeutendsten Hochburganlagen Deutschlands ist und die zweitälteste“, so Goldschmidt. Damit einhergehend ist die Anlage in den Fokus der Denkmalschutzbehörden gerückt. „Die entsprechenden Behörden haben uns Hinweise gegeben, die in finanzieller Sicht wehtun.“

Goldschmidt stellte für eine - nunmehr entsprechend der Bedeutung der Anlage - angemessene Sanierung die Summe von 650 000 Euro in den Raum. „Mit den 200 000 Euro werden wir auf lange Sicht nicht hinkommen, wenn es um den Erhalt der Burganlage geht. Sie sind erstmal für die Notsicherung des Torturms notwendig.“

Dr. Jörn Weinert (CDU) konnte die Bedenken zu den steigenden Kosten nachvollziehen, gab aber zu bedenken, dass die Außenwirkung erheblich ist. „Es würde aufgrund der Bedeutung der Anlage kein gutes Signal abgeben, wenn wir dort jetzt nicht weitermachen.“

Nach weiteren Wortmeldungen über das Für und Wider wurde der Beschluss vom Stadtrat, die 20 000 Euro für die Sanierung des Turms in die Hand zu nehmen, einstimmig angenommen. Woher die noch fehlenden 38 000 Euro kommen sollen, soll im Stadtrat im September erörtert werden.