Impfung

Corona: Dem Salzlandkreis fehlt Impfstoff, Sachsen-Anhalt bekommt mehr Impfdosen

Von Paul Schulz
Das Land Sachsen-Anhalt erhält mehr Impfstoff. Im Salzlandkreis müssen Impdstationen allerdings den Betrieb drosseln, weil Ampullen fehlen.
Das Land Sachsen-Anhalt erhält mehr Impfstoff. Im Salzlandkreis müssen Impdstationen allerdings den Betrieb drosseln, weil Ampullen fehlen. Patrick Pleul/dpa

Schönebeck/Staßfurt

„Die Devise lautet: Impfen, Impfen, Impfen“, hob Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) beim Impfgipfel Mitte März hervor. Im Salzlandkreis könnte kaltschnäuzig mit „Womit denn?“ geantwortet werden. Denn statt mehr Impfstoff zu bekommen, wie vom Bundesgesundheitsministerium angekündigt, hat sich die gelieferte Menge reduziert, wie der Landkreis am vergangenen Donnerstag mitteilte (Volksstimme berichtete). Aufgrund der aktuell in Aussicht gestellten Impfstoffmengen können Anfang Mai zu großen Teilen wohl nur noch Zweitimpfungen durchgeführt werden, so die Mitteilung des Salzandkreises.

Das stößt auch Volksstimme-Leser Wolfgang du Moulin aus Schönebeck sauer auf. In einem Brief an Landrat Markus Bauer (SPD), der auch der Volksstimme übermittelt wurde, wirft Moulin die Frage auf: „Warum erhalten wir im Mai weniger Impfstoffe als angekündigt für die Erstimpfungen?“ In Zeiten der Notbremse sei eine Reduzierung des Impfstoffs nicht nachvollziehbar, so der Schönebecker.

Impfstoff-Menge soll steigen

Dabei erhalten die Länder für den Betrieb der aufgebauten Impfzentren und der mobilen Impfteams im April wöchentlich kontinuierlich 2,25 Millionen Impfdosen vom Bund, teilt Sebastian Gülde aus der Pressestelle des Bundesgesundheitsministeriums auf Nachfrage mit. „Diese Menge soll nach und nach gesteigert werden“, so Gülde.

Und offenbar wird die zur Verfügung gestellte Menge auch gesteigert. Aus den öffentlich einsehbaren Lieferprognosen der Impfstoffhersteller geht hervor, dass Sachsen-Anhalt im April (KW 14 bis KW 17) insgesamt 236.400 Impfdosen erhalten hat. Darunter 187.200 Dosen von Biontech, 32.400 Dosen von Moderna, 9600 Dosen Astrazeneca und 7200 Dosen von dem Hersteller Johnson und Johnson.

Liefermenge im Mai

Im Mai steigt die Gesamtmenge laut der Lieferprognose auf 259.350 Dosen an. Allein in der ersten Maiwoche (KW 18) erhält Sachsen-Anhalt 46.800 Biontech-, 15.600 Moderna- und 4800 Johnson und Johnsons-Impfdosen. In Summe sind das 67.200 Impfdosen für die 18. Kalenderwoche. Zum Vergleich: Ende April, die 17. Kalenderwoche, erhielt Sachsen-Anhalt nur 50.550 Dosen.

Sebastian Gülde bestätigt auf Volksstimme-Nachfrage, dass die angegebenen Liefermengen sich auf dem aktuellen Stand befinden. „Sollten sich Änderungen bei den Lieferzusagen seitens der Hersteller ergeben, werden diese umgehend in den Listen aktualisiert“, so Gülde. Sachsen-Anhalt erhält also laut Bundesgesundheitsministerium mehr Impfstoff.

Keine Kürzungen

Die Verteilung dieser Dosen innerhalb des Landes – also an die einzelnen Kreise und kreisfreien Städte – regelt Sachsen-Anhalt anhand des Bevölkerungsschlüssels. Romy Richter, Pressereferentin im Landesgesundheitsministeriums, hebt hervor: „Es gab keine Kürzung bei der Vergabe der Impfstoffe.“ Sogar das Gegenteil sei der Fall. Im April habe der Salzlandkreis noch 20.670 Impfdosen erhalten. Für den Mai sind laut Romy Richter etwas über 22.000 Dosen eingeplant.

Doch wie lässt sich dann erklären, dass hiesige Impfstationen auf die Bremse treten müssen und Landrat Markus Bauer von einem „herben Rückschlag“ für die Impfkampagne spricht? Da kann das Landesgesundheitsministerium auch nur Vermutungen anstellen. „Es kann sein, dass es bei den Lieferungen zu Differenzen kam. Dass Impfstoff, der eigentlich für den Mai gedacht war, schon im April geliefert wurde“, so Romy Richter. Wie es dazu gekommen sein soll, konnte die Pressereferentin jedoch nicht beantworten. Die Differenz zwischen „viel Impfstoff“ im April und „weniger Impfstoff“ im Mai könnte es theoretisch aber erklären.

Begrenzte Erstimpfungen

Der Kreis teilt indes mit, dass im Mai aufgrund der in Aussicht gestellten Impfdosen von Biontech und Moderna nur in sehr begrenztem Umfang Termine für Erstimpfungen im Impfzentrum in Staßfurt angeboten werden können. Ein Großteil des Impfstoffs soll in den Impfstationen in Bernburg und Schönebeck den Anspruchsberechtigten der Altersklasse Ü70 verabreicht werden.