Schönebeck/Staßfurt l Post von der Kreishandwerkerschaft Elbe Börde bekommen haben dieser Tage nicht nur Landräte, Bürgermeister und Oberbürgermeister in der Region, sondern auch der Landtag von Sachsen-Anhalt und der Deutsche Bundestages.

Grund dafür: Die angespannte Lage für Handwerksbetriebe durch die Corona-Krise. Denn viele Betriebe des Handwerks dürfen teilweise gar nicht mehr öffnen, sind nur noch eingeschränkt geöffnet oder dürfen zwar arbeiten, bekommen aber einfach keine Aufträge mehr. Viele Betriebe haben mittlerweile Kurzarbeit angemeldet. Doch das reicht nicht, finden die Mitglieder der Kreishandwerkerschaft Elbe Börde um deren Kreishandwerksmeister Konrad Zahn. Sie fordert von der Politik fordern: „Investitionen statt Kurzarbeit!“

Die Kreishandwerkerschaft vertritt rund 1000 Mitgliedsbetriebe in über 50 Innungen im Salzland, in Magdeburg, der Börde und im Jerichower Land.

In den Handwerken des Bau- und Ausbaubereiches rechnet aktuell jedes zweite Unternehmen mit Umsatzausfällen in den nächsten sechs Wochen von über 50 Prozent. „Für das Maßnahmenpaket von Bund und Ländern in der Corona-Krise sind wir dankbar. Kredite, Stundungen und Zuschüsse können bei kurzfristigen Liquiditätsproblemen und vorübergehendem Umsatzausfall den Betrieben tatsächlich helfen“, heißt es in dem Schreiben.

Der tatsächliche Liquiditätsbedarf liege aber bei geschätzten 5,6 Milliarden Euro. „Die Rezession wird nachhaltig sein und die Existenz der Betriebe stärker bedrohen als die Kontaktsperre“, erklärt die Kreishandwerkerschaft Elbe Börde.

Eine Lösung des Problems haben Kreishandwerksmeister Konrad Zahn und seine Mitglieder auch. Zwar werde die Investitionsbereitschaft in Industrie, Handel, Gastronomie und Privatwirtschaft durch die Krise auf längere Zeit sinken. Doch: „Jetzt sind die öffentlichen Einrichtungen, wie Schulen, Sportstätten, Bundeswehr, die Verkehrsinfrastruktur usw. die letzte Stütze unserer Branchen. Gleichzeitig besteht hier ein erheblicher Investitionsstau.“ Würde dieser beherzt aufgelöst, „schaffen wir eine Win-Win-Situation für das Handwerk und die gesamte Bevölkerung“, heißt es in dem Schreiben. Denn: Die Unternehmen des Handwerks würden keine Kredite und kein Kurzarbeitergeld benötigen.

Appell

Der Appell: „Wir benötigen Aufträge!“ Und so könnte der Staat nach Auffassung der Kreishandwerkerschaft Elbe Börde auf manches Hilfspaket verzichten und würde als Gegenleistung eine sanierte Schule, eine generalüberholte Turnhalle - sprich eine Verbesserung der Infrastruktur des Landes bekommen.

„Kritische Infrastrukturen, auch die Krankenhäuser würden langfristig ertüchtigt. Wir würden als Gesellschaft gestärkt aus der Krise hervorgehen“, erläutert Konrad Zahn in dem Schreiben an die Politik und appelliert: „Sorgen Sie jetzt schnell für Arbeit! Machen Sie mit uns bei allen verantwortlichen Stellen Druck auf die sofortige Ausweitung der öffentlichen Investitionen. Beschleunigen Sie anstehende Baumaßnahmen und beauftragen Sie diese jetzt. Reduzieren Sie Genehmigungsverfahren wie zum Beispiel die Sondernutzungserlaubnis für Gerüstbau.“ Außerdem legt die Kreishandwerkerschaft der Politik nahe, öffentliche Ausschreibungen zu vermeiden, schlägt stattdessen beschränkte Ausschreibungen oder freie Vergaben vor, um regionale Handwerksbetriebe zu unterstützen.

Zusammengefasst fordern die hiesigen Handwerker weniger Bürokratie und wünschen sich Investitionen in nachhaltige Leistung durch Aufträge an das Handwerk, statt solche in Kurzarbeiter- oder Insolvenzgeld. „Das investierte Geld ist nicht verloren, sondern fließt zweifach zurück: In Form von Steuern und in Form einer modernisierten Infrastruktur“, ist Kreishandwerksmeister Konrad Zahn überzeugt.