Pömmelte l Ein rot-weißes Flatterband untersagt ziemlich eindeutig das Betreten des Ringheiligtums. Im Schaukasten daneben wird dieses Verbot noch einmal mit den Worten untersetzt, dass die „Nutzung der Anlage und des Aussichtsturms untersagt“ sei.

Einer Handvoll Fahrradfahrer, die nacheinander kommen, will dieses Verbot nicht in den Kopf. „Wir sind doch auf dieser weiträumigen Anlage nun wirklich nicht dicht beieinander. Ist das nicht übertrieben“, schüttelt ein Mann aus Schönebeck den Kopf. Andere Besucher sind nicht so diszipliniert und umgehen die Absperrung.

Warum ist das Ringheiligtum geschlossen?

Warum also geschlossen? Diese Anfrage leiteten wir an die Pressestelle des Salzlandkreises weiter. Marko Jeschor weist darauf hin, dass sich das Ringheiligtum satzungsgemäß in Trägerschaft des Salzlandkreises befindet und den Charakter eines Freilichtmuseums besitzt. „In den Verordnungen über Maßnahmen zur Eindämmung der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus SARS-CoV-2 in Sachsen-Anhalt ist die Öffnung von Museen und Gedenkstätten untersagt. Die allgemeinen Maßnahmen des Infektionsschutzes wie Händehygiene, Abstandgebote oder Husten-und Schnupfenhygiene können auf Grund der freien Zugänglichkeit des Ringheiligtums durch den Salzlandkreis derzeit nicht uneingeschränkt gewährleistet werden“, heißt es in der Antwort-Mail. Es könne außerdem nicht ausgeschlossen oder kontrolliert werden, dass die Tagesbesucher auch das Angebot nutzen, den Turm zu besteigen. Spätestens dort sei es nicht mehr möglich, den notwendigen Abstand zu wahren. „Mit der derzeitigen Schließung für die Öffentlichkeit kommt der Salzlandkreis seiner Pflicht nach, diese Verordnungen umzusetzen“, unterstreicht Marko Jeschor.

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Epoche Himmelsscheibe

Derweil haben Anfang April weitere Grabungen am Rand des rund 4000 Jahre alten Ringheiligtums begonnen. Die Archäologen aus Halle hoffen, bis September die komplette Siedlung auszugraben. Die Fachleute gehen davon aus, dass in dem frühbronzezeitlichen Areal die Menschen aus der Zeit der über 3600 Jahre alten Himmelsscheibe von Nebra lebten. Die größte mitteldeutsche Siedlung aus dieser Epoche erstreckt sich deutlich über einen halben Kilometer und umfasst mehr als 37 Häuser.

Aktuell soll auf rund 29 000 Quadratmetern gegraben werden. Hinzu kommen Untersuchungen einer frühbronzezeitlichen Siedlung, die knapp einen Kilometer neben dem Ringheiligtum in Richtung Schönebeck liegt. Luftbildaufnahmen zeigen dort eine 6000 Jahre alte Grabenanlage aus der sogenannten Baalberge-Kultur (vor 6200 bis 5100 Jahren), benannt nach dem Ort Baalberge (Ortsteil von Bernburg), wo diese Kultur 1901 erstmals entdeckt wurde

Kommen Studenten aus England?

Für Juli war geplant, dass Studenten der Universität Southampton (England) mitgraben. Das sei angesichts der Corona-Pandemie allerdings ungewiss, hieß es.