Schönebeck/Staßfurt l Ampeln sind im Straßenverkehr unerlässlich. Und jedem Verkehrsteilnehmer ist die Bedeutung der Farben Rot, Gelb und Grün klar. Die Leuchtsignale lassen – nachvollziehbarer Weise – keinen Spielraum für Interpretationen. Bei den sogenannten Corona-Ampeln ist das etwas anders. Einheitlich sind diese nämlich nicht.

So ist laut der neuen Online-Übersicht zur Corona-Pandemie des Salzlandkreises (Covid-19 Dashboard) noch alles im „grünen Bereich“. Bei einem derzeitigen Wert von 29,19 neuen Corona-Fällen in den vergangenen sieben Tagen (Stand: 25. Oktober, 15 Uhr) steht die Ampel im Salzlandkreis noch auf grün, erst ab 35 Fällen wird die nächste Stufe erreicht.

Andere Signale

Die Corona-Ampel des Landessozialministeriums gibt da andere Signale. Bei einem Wert von 29,19 „leuchtet“ diese bereits in Gelb und springt schon fast auf Rot um. Wie kommt das?

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Grund dafür ist, dass sich der Salzlandkreis und das Sozialministerium an verschiedenen Vorgaben orientieren. Marianne Bothe aus der Pressestelle des Landkreises teilt dazu mit: „Unser Dashboard bildet die Ampelphasen ab, wie sie auf Bundesebene eingerichtet sind.“ Das Ministerium hingegen orientiert sich am „Konzept des Landes Sachsen-Anhalt zur Ausweitung der Testungen auf SARS-CoV-2“, das seit Mai gültig ist, informiert Ministeriumssprecherin Ute Albersmann.

Unterschiedliche Grenzwerte

Die Krux: Bund und Land haben unterschiedliche Grenz- beziehungsweise Schwellenwerte für die Ampeln. Der Fachmann spricht bei diesen Werten übrigens vom Inzidenzwert. Und da der Kreis die Bundes-Variante der Ampel übernommen hat, deckt sich das nicht mit den Signalen der Ampel des Sozialministeriums.

Wie sich der Inzidenzwert ergibt, auf den sich die Ampeln beziehen, erklärt Kreissprecher Marko Jeschor. Demnach wird die Anzahl der neuen Covid-Fälle der letzten sieben Tage durch die Anzahl der Einwohner des Salzlandkreises geteilt. Das Ergebnis wird mit dem Wert 100.000 multipliziert und heraus kommt der Inzidenzwert. „Jede Region hat unterschiedliche Einwohnerzahlen. Wenn das Ergebnis nicht normiert wird, in diesem Fall mit 100.000, dann kann man keine Vergleiche mit anderen Regionen ziehen“, erläutert Jeschor.

Werte im Vergleich

Beim Salzlandkreis zeigt die Ampel bis zum Inzidenzwert von 35 Grün. Von 36 bis 49 ist die gelbe Phase und ab einem Wert von 50 springt die Ampel auf Rot – die höchste Warnstufe. Die Ampelphasen des Sozialministeriums sind: Von fünf bis neun auf Grün- Von zehn bis 29 auf Gelb und ab 30 auf Rot. Nach dieser Regelung werden also gegebenenfalls schneller drastischere Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen.

Überdies unterscheiden sich die beiden Ampelvarianten auch noch in ihrem Zweck. Die Ampel des Landkreises legt fest, aber welchen Wert schärfere Maßnahmen zur Eindämmung erforderlich sind. Die Ampel des Ministeriums legt fest, ab welchen Werten die Tests ausgeweitet werden müssen.

Konzept wird überarbeitet

Zudem erklärt Ute Albersmann: „Durch die niedrigeren Werte sind wir in der Lage schneller auf die Entwicklungen reagieren zu können. Und das bedeutet nicht, dass wir früher ‚dicht machen‘, sondern dass dann enger mit den Kreisen zusammengearbeitet wird, um die Lage zu kontrollieren.“ Darüber hinaus teilt die Ministeriumssprecherin mit, dass an dem Konzept derzeit gearbeitet wird – unter anderem sollen die Schnelltests mit einbezogen werden. Ob sich an den Grenzwerten für die Ampel etwas ändert, steht nicht fest.

Beim Städte- und Gemeindebund Sachsen-Anhalt (SGSA) spricht man sich überdies für eine landesweit einheitliche Darstellung der Infektionslage durch die Gesundheitsbehörden des Landes und der Kommunen aus. Dies sei aus Sicht der Bürgerschaft und der Wirtschaft erstrebenswert, teilt Heiko Liebenehm, Erster Beigeordneter, auf Anfrage mit. „Das gilt neben der reinen Darstellung durch Zahlen auch für die ‚Ampel‘ zur Illustration der aktuellen Risikolage“, so Liebenehm.

Übergeordnetes Ziel

Letztlich muss festgehalten werden, dass sich die Ampeln zwar in ihrer Art unterscheiden, aber dennoch das gleiche Ziel verfolgen: Infektionsketten durchbrechen und eine weitere Ausbreitung des Corona-Virus möglichst verhindern.