Landgericht

Crystal, Kokain, Cannabis: Schönebecker im Landgericht Magdeburg wegen Drogenhandel angeklagt

Tausende Euro Bargeld und mehr als 500 Gramm Crystal im Besitz – aber der Schönebecker streitet ab, mit dem Rauschgift zu handeln. Er sei dazu gezwungen worden, einen Drogentransport abzuwickeln.

Von Paul Schulz 18.05.2021, 00:00
Obwohl er ein halbes Kilo der Droge Crystal im Auto hatte, streitet ein Schönebecker im Magdeburger Landgericht ab, mit Rauschgift zu handeln.
Obwohl er ein halbes Kilo der Droge Crystal im Auto hatte, streitet ein Schönebecker im Magdeburger Landgericht ab, mit Rauschgift zu handeln. Uli Deck/dpa

Schönebeck/Magdeburg - Der 31-jährige Schönebecker Mario Wolf (Name geändert) wird in Handschellen zur Anklagebank geführt. Er muss sich im Landgericht Magdeburg verantworten – die Staatsanwaltschaft wirt ihm Drogenhandel vor. Konkret habe man während einer Polizeikontrolle am 13. Januar in Bernburg im Auto des Angeklagten rund 500 Gramm der Droge Crystal, sowie rund 22.000 Euro Bargeld und einen griffbereit liegenden Baseballschläger entdeckt und sichergestellt. Bei der anschließend durchgeführten Wohnungsdurchsuchung stießen die Beamten auf weitere Betäubungsmittel: Über 200 Gramm Cannabis sowie rund 50 Gramm Kokain befanden sich in der Wohnung von Mario Wolf, so die Staatsanwaltschaft. Eine Feinwaage und zahlreiche Zip-Beutelchen fanden die Beamten ebenfalls vor.

Mario Wolf, einmal 2011 wegen Drogenhandel und einmal 2016 wegen Drogenbesitz verurteilt, beteuert hingegen, dass er kein Drogendealer sei. Die Drogen und das Geld würden nämlich gar nicht ihm gehören, er habe sie nur transportiert – und das auch nur, weil man ihn massiv unter Druck gesetzt habe.

Geldprobleme nach Jobverlust

Die Wurzel des Problems seien Geldprobleme gewesen, so Mario Wolf. Vor allem weil er infolge der Corona-Pandemie seinen Job verloren habe. Er leiht sich 2000 Euro von einem ihm flüchtig Bekannten und soll das Geld in monatlichen Raten von 150 Euro zurückzahlen. Als er in Zahlungsverzug gerät, suchen ihn zwei Männer in seiner Wohnung auf. „Da ich nicht zahlen konnte, sagten sie, dass das jetzt anders gehandhabt wird – das mit der Ratenzahlung habe sich erledigt. Ich solle für sie Drogentransporte nach Bernburg und Calbe erledigen. Dabei wurde es auch lauter und ich wurde von einem am Hals gepackt“, gibt Mario Wolf an. Lehne er ab, würde man ihn und seine Freundin kurz und klein schlagen, habe man ihm gedroht. Er sei eingeschüchtert gewesen und habe zugesagt. Kurze Zeit später erhält er zwei Pakete - der Inhalt: Crystal, Kokain und Bargeld. Das in seiner Wohnung gefundene Cannabis gehöre jedoch ihm und sei für den Eigenkonsum gedacht, räumt Mario Wolf ein.

„Dass man Ihnen über 22.000 Euro anvertraut, kann ich nur schwer nachvollziehen“, äußert Richterin Claudia Methling Zweifel an der Geschichte. Auf die Nachfrage, was er mit den ganzen Zip-Beuteln vor habe, gibt der 31-Jährige an, dass diese seinem ehemaligen Mitbewohner gehören. Dieser ist derzeit in Haft und aufgrund von Drogengeschäften den Behörden bereits bekannt. „Aber Sie haben nicht zufällig das Geschäft Ihres Mitbewohner übernommen?“, fragt Richterin Methling. Mario Wolf verneint.

Drogen bei Polizeikontrolle entdeckt

Die Richterin ruft einen 21-jährigen Polizeianwärter in den Zeugenstand. Er und eine 31-jährige Polizistin haben Mario Wolf am 13. Januar kontrolliert und das Rauschgift entdeckt. „Wir sind in Bernburg Streife gefahren und haben dann den Wagen mit Schönebecker Kennzeichen gesehen. Da zu dem Zeitpunkt die coronabedingte 15-Kilometer-Regel in Kraft war, haben wir uns entschlossen den Wagen zu kontrollieren“, berichtet der Polizeianwärter. Ein durchgeführter Drogentest sei positiv ausgefallen. Dann entdecken die Beamten ein in ein Shirt eingewickeltes Glas in der Mittelkonsole der Rücksitzbank. Der Inhalt sei augenscheinlich Crystal gewesen. Als die Polizisten das Glas hervorholt, habe der Angeklagte versucht, es ihr aus der Hand zu schlagen und sei dann weggelaufen. Als die Beamten ihn wieder stellen, habe er die Taktik geändert. „Er sagte, dass er 20.000 Euro dabei habe. Die könnten wir unter uns aufteilen, wenn wir es so drehen, dass es nur noch Eigenbedarf ist“, sagt der Polizeianwärter.

Ganz ähnlich fällt die Aussage der Polizistin aus. „Von dem Geld wussten wir noch gar nichts, aber er hat uns angeboten, es aufzuteilen, wenn wir eine Hand aus dem Glas rausnehmen, sodass es nur noch Eigenbedarf ist“, sagt die 31-Jährige. Und sie schickt hinterher, dass es auch dann noch immer viel zu viel Rauschgift wäre, um als „Eigenbedarf“ zu gelten.

Angeklagter streitet ab

Mario Wolf gibt hingegen an, dass die Beamten ihn falsch verstanden hätten. „Ich wollte niemanden bestechen oder so. Ich habe nur gesagt: „Nehmt das Geld und die Drogen, das gehört nicht mir.“ Generell streitet er weiterhin vehement ab, dass er mit Drogen Handel betreibe.

Im weiteren Verlauf des Verfahrens soll jedoch noch ein Zeuge gehört werden, der gegenüber der Polizei angegeben hat, Drogen von Mario Wolf gekauft zu haben. Die Verhandlung wird am 31. Mai fortgesetzt.