Breitenhagener Pächter muss seit gestern die Gierfähre manuell in die Strömung stellen

Dauer(durch)brenner Fährwindenmotor

Von Thomas Linßner 04.01.2012, 05:21

Auf der Breitenhagener Gierfähre traten gestern technische Probleme auf. Einer der beiden 700-Watt-Windenmotore ging kaputt. Der Fährmann muss jetzt mit der Hand kurbeln. Er übt Kritik am Verpächter, der Einheitsgemeinde.

Breitenhagen l "Jetzt ist er kaputt, ich habe es ja kommen sehen und davor gewarnt. Aber keiner wollte auf mich hören." Am Telefon klingt Karl-Heinz Orlowskis Stimme so erregt und laut, als würde bei ihm gleich die Schnappatmung einsetzen.

Der Grund: Einer der beiden Windenmotore ist kaputt, mit dessen Hilfe die Fähre "in die Strömung" gestellt wird. Jetzt muss der 50-Jährige wie vor 40 Jahren die Winde manuell bedienen. "Das ist nicht nur ziemlich anstrengend, sondern bei diesem straffen Wasser auf die Dauer kaum zu schaffen", schätzt Orlowski ein. Außerdem müsse er zwischen der anziehenden und ablassenden Fährwinde "hin und her hechten", dazwischen Kassieren, was dem Regelbetrieb nicht gerade gut tue.

Nach seinen Worten sei das Problem der zu schwachen Winde seit längerer Zeit bekannt. Auch die Vorgänger hätten sich damit herum geplagt. "In einem Protokoll wurde der Mangel im Oktober fest geschrieben. Ich frage mich, warum man sich da nicht einen Ersatzmotor hin legte, wenn man weiß, dass der so oft kaputt geht", schimpft Orlowski.

Amtsleiterin Karin Knopf und Ordnungsamtssachbearbeiter Dieter Kohle machten sich gestern Vormittag sofort auf den Weg nach Breitenhagen. Sie bestätigten den Protokolleintrag, räumten auch ein, "dass Kurbeln auf die Dauer kein Zustand ist". Karin Knopf: "Das Ordnungsamt setzt jetzt alles daran, um einen neuen Motor zu besorgen, damit es nicht zu längerem Ausfall kommt." Wenn der dennoch eintritt, müsse der Fährmann Stillstandzeiten wie diese akzeptieren. So sei es im Pachtvertrag vorgesehen. "Ich bin doch nicht wahnsinnig und bleibe am Ufer", grollt Orlowski. "Ich kämpfe um jeden einzelnen Kunden."

Laut Karin Knopf habe man sich entschlossen, einen neuen Motor zu kaufen, was aber dauern könne. Kostenpunkt mit Getriebe: rund 1500 Euro.

Aber warum legte man sich keinen in "Reserve" hin, wenn das Problem seit Jahren bekannt ist? "Können wir in unserer jetzigen Haushaltslage nicht", sagt die Amtsleiterin. Nach ihrer Auskunft sei bei ihr das Problem erst im Oktober 2011 bekannt geworden.

Elektromaschinenbau-Meister Bernhard Thieme bestätigt die Dauermisere: "Es handelt sich um einen Gleichstrommotor, der eigentlich für Fähren eine zu geringe Leistung hat. Er ist für Schiffswinden konzipiert, die Rettungsboote herab lassen." Alle halbe Jahr müsse er deswegen repariert werden, weil der Kollektor sich abnutze. Aber nur auf ostelbischer Seite, weil da die Strömungsverhältnisse stärker sind.

Laut Thieme schlug man sich auf der Akener Fähre lange Zeit mit vergleichbarem Problem herum. "Man hat es mit stärkeren Motoren gelöst", so der Fachmann.

Der Sachverhalt "Fährwinden-Dauerreparatur" erinnert an einen ähnlichen Fall, als die Stadt Barby vor einigen Jahren unverhältnismäßig viel Geld in die x-fachen Reparaturen eines Rasentraktors versenkte. Der Wert der Neuanschaffung lag am Ende unter der Reparatursumme.