Pömmelte l In den Jahreshauptversammlungen der Freiwilligen Feuerwehr Pömmelte gibt es ein Thema, das in schöner Regelmäßigkeit nachgefragt wird: Wann verschwinden die vielen Sandsäcke am Graben hinter dem Burgwall? Im kommenden Januar jährt sich dieses „Bauwerk“ mittlerweile zum zehnten Mal.

Zur Vorgeschichte: Damit die Pömmelter „Vorstadt“ 2011 nicht in den Drängewasserfluten versinken sollte, bauten Feuer- und Wasserwehr einen rund 400 Meter langen Wall aus 14.000 Sandsäcken. Das Besondere war damals: Sie wurden mit zwei Kähnen verteilt.

„Der Boden ist so aufgeweicht, dass wir die Sandsäcke in zwei Boote geladen haben“, sagte Ortswehrleiter Mario Mutschall vor neun Jahren. Je Fuhre wurden 40 Säcke zum Bestimmungsort geschippert. Das geschah am nordöstlichen Ortsrand, wo der Landgraben die Wassermassen aus Richtung Barby „brachte“, die in Glinde nicht in die Elbe fließen konnten, weil deren Pegel höher stand.

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Zehn Zentimeter wurden verhindert

„Wir haben es mal ausnivelliert: In der Vorstadt würde das Wasser jetzt zehn Zentimeter höher stehen“, freute sich Mario Mutschall über den Erfolg der Aktion. Wobei nicht nur der Sandsackverbau, sondern auch Pumpen des Landesbetriebes für Hochwasserschutz (LHW) einen Anteil hatten. Die LHW-Fachberater schätzten die Sinnhaftigkeit der ungewöhnlichen Maßnahme damals positiv ein. Ein Notstromdiesel erzeugte Spannung für die Tauchpumpen, die das Wasser aus dem verbauten Bereich zurück in den Graben förderten. Wobei man ein Auge darauf hatte, dass der Niveauunterschied zwischen vor und hinter dem Sandsackdamm nicht unverhältnismäßig wurde. „Der Druck könnte zu groß werden und die Säcke ins Rutschen kommen“, gab Mutschall zu Bedenken.

Dieses Kabinettstückchen in Sachen Hochwasserschutz liegt nun neun Jahre zurück. So eine Drängewasserkatastrophe wie 2011, bei der besonders Gnadau und Wespen „von hinten“ absoffen, hat es bisher nicht wieder gegeben. Gegenwärtig ist genau das Gegenteil der Fall, da der Langzeit-Grundwasserspiegel soweit im Keller ist, wie er es vermutlich noch nie war.

Also was soll der einige hundert Meter lange Sandsackwall?

Einheitsgemeinde-Bauamtsleiter Holger Goldschmidt kennt die Situation. „Ich war auf der Jahreshauptversammlung Anfang dieses Jahres. Am Rande wurde darüber gesprochen, aber nicht geklagt. Ein Abräumen war daher kein Thema“, erinnert er sich. Im Gegenteil: So lange der Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW) seine Hochwasserschutzkonzeption für den Bereich Pömmelte und Glinde in Form von Verwallungen an den Ortslagen und der Schweine-Stallanlage noch nicht umgesetzt habe, sollten die Verbaumaßnahmen noch verbleiben. „2015 war geplant, 2020 mit der Umsetzung der Maßnahmen zu beginnen. Doch wie so oft verzögern sich die zeitlichen Abläufe“, sagt Goldschmidt. Als Begründung nennt er „Kapazitätsgründe“.

Die Sandsack-Verwallungen sollen im Zuge der Baumaßnahmen des LHW durch den kleinen, neuen Deich ersetzt werden. „Ja, die Stadt wäre zuständig für das Beräumen der Säcke. Aber so lange die neue DIN-gerechte Verwallung vom LHW nicht errichtet ist, ließe sich unseren Bürgern gegenüber deren Beseitigung nicht erklären“, meint Holger Goldschmidt.

Die Baukosten hatte der LHW vor fünf Jahren mit gut einer Million Euro eingeschätzt. Diese Summe dürfte sich bis heute jedoch erhöht haben.