Biere l „Da muss man was machen. Das geht so nicht.“ Als die Volksstimme am gestrigen Montag den Landtagsabgeordneten Gunnar Schellenberger besucht, führt er gerade ein Telefongespräch. Es geht um den Schulweg, den einige Schüler aus Groß Rosenburg tagtäglich bewältigen müssen. Offenbar sind sie weit über eine Stunde unterwegs. Für den Christdemokraten ein Unding. Bereits einen Tag nach der Landtagswahl ist Schellenberger wieder mittendrin in der Wahlkreisarbeit. Und die Antwort aus der Kreisverwaltung, dass sich für die Schüler „leider“ nichts ändern ließe, lässt der 56-Jährige nicht gelten.

Seinen Wahlkreis hat Gunnar Schellenberger wieder einmal gewonnen. Zwei Parteifreunde im Salzlandkreis scheiterten und zogen gegen die AfD-Kandidaten den Kürzeren. Ja, es sei anstrengend gewesen, blickt Schellenberger auf den Wahlkampf zurück. Aber auch bereichernd. Da gab es Begegnungen an seinen Wahlkampfständen mit Menschen, die sich allgemein unzufrieden mit der Politik äußerten und ohne sich auf Gespräche einzulassen abwandten. Andere diskutierten, waren gegenüber Argumenten aufgeschlossen. Wieder andere ließen sich nicht nur beschenken mit Kugelschreibern, sondern gaben selbst etwas. Eine Frau in Calbe schenkte ihm einen Glückskäfer aus Schokolade. Schellenberger hat ihn aufgehoben, aber am Montag dann doch einmal hinein gebissen und dann das Papier wieder fein säuberlich um die Schokolade gewickelt.

Spannend, ja aufwühlend sei der Wahltag gewesen. Die ersten Hochrechnungen sahen ihn vorn. „Als Mathematiker habe ich allen, die mir frühzeitig gratulieren wollten, gesagt: Erst wenn alles ausgezählt ist, steht das Ergebnis fest“, berichtet der Landtagsabgeordnete. Und dann stand es fest. Und dann? „Dann habe ich mich bei allen bedankt, die mir geholfen haben.“ Ein kleines Fest will er noch ausrichten für alle Unterstützer, demnächst, in den kommenden Wochen.

"Erleichtert und zufrieden"

„Am Tag danach fühle ich mich vor allem erleichtert und zufrieden“, sagt der in Biere mit Ehefrau Andrea Schellenberger lebende Politiker. Der Morgen begann für ihn genauso, wie jeder andere Tag auch: Gemeinsames Frühstück mit seiner besseren Hälfte. „Und dann mit dem Hund eine halbe Stunde raus gehen. Das macht mir den Kopf frei“, verrät Schellenberger ein offenes Geheimnis.

Als die Volksstimme ihn besucht, ist das kleine Ritual schon beendet und Schellenberger bereits wieder im Alltagsmodus. Auf die vergangene Legislatur zurückblickend, findet er, dass er vieles angepackt habe. Einiges sei abgeschlossen, anderes noch in Arbeit.

Was sieht der 56-Jährige künftig als Schwerpunkte? Zuerst nennt er den Hochwasserschutz. Bis 2020 sollen die Anlagen in Sachsen-Anhalt tipptopp sein, hergerichtet nach dem neuesten Stand der wissenschaftlichen Standards. Das kostet richtig viel Geld, aber: „Das ist auch extrem wichtig“, denkt Schellenberger an die stets latente Gefahr einer neuen Elbe- oder Saale-Flut.

Dann kommt er auf die Kultur- und Tourismusentwicklung zu sprechen. Dazu gehöre die Realisierung eines Radweges von Barby bis Pömmelte. Gemeinsam mit der Bundestagsabgeordneten Heike Brehmer (CDU) hatte Schellenberger gegenüber der Barbyer Verwaltung von der Möglichkeit gesprochen, Bundesmittel als Fördergelder einzuwerben. Demnächst würden erste Gespräche geführt, um die Sache ins Fahrwasser zu bekommen. „Dieser Radweg kommt nicht nächste Woche. Da müssen wir dranbleiben, um in den Genuss der Fördermittel zu kommen.“

"Alle Kontakte nutzen"

Apropos Tourismus: Eines der „Schellenberger-Kinder“ ist die Nachbildung der Kreisgrabenanlage bei Pömmelte. Dieses Ringheiligtum soll, nachdem jetzt noch ein Aussichtsturm entsteht, am 21. Juni festlich eingeweiht werden. Danach freilich stehe eine nicht minder große Aufgabe an: die Vermarktung der historisch bedeutenden Anlage. „Hier werde ich alle Kontakte nutzen, die ich habe“, verspricht der studierte Lehrer und setzt unter anderem auf den Förderverein des Salzlandmuseums vor Ort, aber auch auf die Kulturstiftung Sachsen-Anhalt.

Ein Projekt, das der Vorsitzende des Schul- und Kulturausschusses des Landes jüngst angeschoben hat, ist die künstlerische Gestaltung von Kreisverkehren in Schönebeck. Eine Skulptur am Heinitzhof steht bereits. Weitere sollen folgen. Die Bürger sind über die Volksstimme aufgerufen, Vorschläge und Ideen zu äußern. Der Elbuferförderverein sei mit im Boot, verweist Schellenberger auf eine ganz frische Interessensbekundung. Die Vereinsmitglieder haben für sich den Kreisverkehr in Grünewalde auserkoren.

Dann ist da noch das Projekt „IT macht Schule“, hinter dem die Landkreisverwaltung aber auch Schellenberger stecken. Das Ziel lautet: Medienkompetenz für Schüler realisieren. Das ist viel mehr, als reine Internetnutzung, das ist Wissenszuwachs über moderne Medien, also Lernsoftware, das bedeutet: für jeden Schüler im Salzlandkreis einen W-Lan-Anschluss und ein I-Pad.

Die Arbeit der Jugendfeuerwehren betrachtet Schellenberger als gesellschaftlich wichtig und in der Praxis als vielerorts sehr engagiert. „Hier möchte ich unterstützen, so gut ich kann.“

Fünf-Jahres-Plan

„Mit dem Kreis- und unserem Ortsverein der CDU möchte ich wieder mehr an die Menschen herankommen. Das muss wieder lebendiger werden. Dass das nötig ist, zeigt das aktuelle Wahlergebnis.“

Alles in allem könne durchaus von einem „Fünf-Jahres-Plan“ gesprochen werden, umschreibt der promovierte Naturwissenschaftler seine Ziele. Was für ihn Politik ist, will die Volksstimme wissen. „Eine Sache, bei der nicht alles gelingt, wo auch Kompromisse nötig sind - aber keine faulen.“ Demokratie, betont der Vater von zwei erwachsenen Töchtern, lebe nun einmal vom Mitmachen. „Meckern kann jeder. Aber mitmachen kann eigentlich auch jeder.“