Barby l Bei dieser Auskunft legte auch Landesarchäologe Harald Meller seine Stirn bedenklich in Falten. Das Herrenhaus des einstigen Barbyer Rittergutes war infolge Instandhaltung und Nutzung gut durch die DDR-Zeit gekommen, in der andere denkmalgeschützte Gebäude verfielen. Doch seit den 1990er Jahren verkommt es immer dramatischer. Die Reha-Klinik, auf deren Gelände das barocke Haus wie eine Insel steht, hat keinen Nutzungsbedarf. Verschiedene Vorstöße der Kommune, den Verfall zu stoppen, liefen in den vergangenen 25 Jahren ins Leere. Der „Brocken Herrenhaus“ ist finanziell einfach zu groß.

Meller, der bekannte „Retter“ der Himmelsscheibe von Nebra, besuchte auf Einladung von Gunnar Schellenberger zusammen mit Johannes Kahrs, dem Haushaltsexperten des Bundes, Kulturstätten des Salzlandkreises. Zuvor hatten die Barbyer Matthias Hilbig und Gernot von Dietze um einen Termin gebeten. Letzterer ist Nachkomme jener Familie, die Gut und Haus rund 150 Jahre besaßen.

Gutachten für Kostenschätzung

„Wenn wir den Landkreis davon überzeugen könnten, einen Antrag für das Denkmalschutzprogramm des Bundes zu stellen ...“, wandte sich Schellenberger an Landrat Markus Bauer, der ebenfalls vor Ort war. „Was würde denn eine Grundsanierung kosten“, wollte Johannes Kahrs wissen. „Als untere Grenze 2,5 Millionen“, schätzte Hilbig ein, der als Architekt tätig ist. „Damit machst du gar nix – da bist du mit sechs bis sieben Millionen dabei“, warf Meller ein. Hilbig räumte das ein. Für eine seriöse Kostenschätzung müsse man ein Gutachten erstellen. „Zum letzten Mal war ich hier 2009 drin“, gestand der Barbyer, der vor Jahren die benachbarte „photogallery mühle“ mit Ausstellungen zum kulturellen Leben erweckt hatte.

Bilder

Wie Haushaltsexperte Johannes Kahrs sagte, werde bis Ostern 2020 das Denkmalschutzprogramm beim Bund beschlossen. (Schellenberger und er sind in der Mitteldeutschen Stiftung für Schlösser und Gärten tätig, die zur Unterstützung von Betriebskosten in Sachsen-Anhalt und Thüringen erhebliche Mittel zur Verfügung stellen.)

Ideen zu Nutzungskonzept

Matthias Hilbig erarbeitete mittlerweile eine vom Landkreis angeforderte Grobkostenschätzung, die Voraussetzung für eine Förderung ist. Hierbei wäre eine Sanierung in weiter Ferne - es ginge lediglich um Sicherungsmaßmahmen an dem Haus. Die Voraussetzung: Bund und Land teilten sich die Mittel. Fundament ist zudem ein Nutzungskonzept. Hilbig ließ dazu bereits einige Ideen verlauten.

Das Gebäude schräg gegenüber dem Schloss wurde 1670 für den Leiter des herzoglichen Marstalls gebaut. 1801 erwarb es der kgl. sächsische Kammer-Kommissionsrat Johann Gottfried Dietze (1764-1830).