Glinde l Der schwere Einbruch in ein 20 Jahre altes Einfamilienhaus in Glinde (Salzlandkreis) am Wochenende bewegte auch gestern die Gemüter im Raum Barby. Hierbei verwüsteten jugendliche Täter die komplette Einrichtung über Stunden. Erst am Morgen hatte ein Nachbar den riesigen Spektakel mitbekommen und die Polizei informiert. Die Besitzer waren verreist.

Polizeisprecher Marco Kopitz bestätigte, dass drei Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren festgenommen und den Betreuern im benachbarten „Sportpark“ übergeben wurden, wo der Schönebecker Verein „Nestwärme“ eine Jugendhilfeeinrichtung betreibt. In Glinde spricht man von fünf Tätern, zwei sollen vor dem Eintreffen der Polizei geflüchtet sein. Diese Differenz sei noch Gegenstand der Ermittlungen, so der Beamte. Dieses Vorgehen wird von Nestwärme-Geschäftsführer Remo Kannegießer kritisiert. Seiner Meinung nach hätte man die Täter einem Blutalkohol- und Drogentest unterziehen müssen. Laut Kopitz hätte das Ergebnis sowieso nicht strafmildernd gewirkt. Einen der Jugendlichen konnte die Polizei nur mit Hilfe von Handschellen „fixieren“. Der junge Mann sei sehr aggressiv gewesen. „Wir erleben es beim Drogenkonsum oft, dass die Täter kaum noch ein Schmerzempfinden haben.“

In der Kritik steht die Jugendhilfeeinrichtung „Nestwärme“, die ein Camp für schwererziehbare Kinder und Jugendliche betreibt. Sie gehen tagsüber zur Schule, haben danach aber Freizeit. Im „Sportpark“ wohnen etwa 20 Kinder und Jugendliche im Alter zwischen 12 und 18 Jahren. Die „Nestwärme“ hatte die „Akademie Lothar Kannenberg“ übernommen, nachdem diese in Insolvenz gegangen war. Deren Ziel: straffällig gewordene Kinder und junge Männer zu resozialisieren.

Wurde in den Fall die Aufsichtspflicht vernachlässigt? Welche Konsequenz hätte das für die „Nestwärme“? Das Landratsamt als Aufsichtsbehörde hält sich zurück. „Wir wollen alles dafür tun, um den Vorfall aus unserer Sicht aufzuklären und aufzuarbeiten“, heißt es auf Volksstimme-Anfrage.

Der verursachte Schaden liegt nach ersten Schätzungen bei „weit über 50.000 Euro“.