Schönebeck l Die Weihnachtszeit gilt als gute Zeit für den Einzelhandel. Allerdings läuft das Weihnachtsgeschäft längst nicht mehr so, wie es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Das betrifft natürlich auch Geschäfte in Schönebeck.

So ist beispielsweise bei der „Buchhandlung am Rathaus“ ein Rückgang der Kundschaft deutlich zu spüren. „In den letzten fünf Jahren merken wir hier schon eine eindeutige Tendenz. Es kommen immer weniger Kunden in den Laden. Letztes Jahr hatten wir rund 150 Kunden weniger. Dieses Jahr sind es bisher 200 weniger“, sagt Geschäftsführerin Claudia Sopart.

Ergebnis nicht befriedigend

Selbst jetzt, wo das Geschäft noch einmal anziehen müsste, ist nicht viel los in der Buchhandlung. „Das Hauptproblem ist die Konkurrenz durch Online-Shops. Die Leute kaufen mehr und mehr im Internet und diese großen Anbieter werben natürlich auch massiv mit ihrem Angebot. Solche Möglichkeiten haben wir gar nicht“, sagt Sopart. Zwar wirbt die Buchhandlung ebenfalls für ihr Geschäft, zum Beispiel mit Flyern, doch das Ergebnis sei nicht befriedigend. „Es fruch- tet nichts. Eine richtige Lösung, um wieder mehr Kundschaft in den Laden zu bekommen, haben wir bislang nicht gefunden“, sagt Claudia So- part.

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Die Buchhändlerin bedauert diese Entwicklung, kann aber auch über positive Aspekte ihrer Arbeit berichten: „Die Leute die in unserem Laden einkaufen sind zum Großteil Stammkunden, die unser Angebot schätzen und uns auch positives Feedback geben.“ Darüber hinaus könne sich das Geschäft durch die Beratung vom Onlinehandel abheben. „Wir alle lesen natürlich viel und informieren uns über Literatur. Insofern können wir unseren Kunden bei Fragen meist weiterhelfen“, so Sopart.

Dramatische Situation

Einen anderen Grund für die Geschäftsflaute sieht die Buchhändlerin in der Stadt selbst. „Die Geschäfte der Stadt sind ziemlich versprengt. Das ist leider nicht sehr attraktiv für einen Einkaufsbummel“, sagt die Geschäftsführerin. Claudia Sopart sagt, dass sie nicht nur jammern möchte, doch die Situation sei nun mal dramatisch für Einzelhändler. „Man vermisst uns erst, wenn es uns nicht mehr gibt“, sagt die Buchhändlerin.

Und schon bald dürften einige Schönebecker einen anderen Laden in der Stadt vermissen. Denn Kathrin Schulz, Geschäftsführerin von „Chocolata“ in der Salzer Straße, gibt zum Ende des Jahres das Geschäft auf. „Es macht keinen Sinn mehr. Wenn ich hier den ganzen Tag stehe und nur vier Kunden in den Laden kommen, dann ist das deprimierend“, sagt Schulz.

Unterschriftensammlung

Dabei kann sie sich auch noch an andere Zeiten erinnern. „Als das Geschäft 2011 vor dem Aus stand, gab es sogar eine Unterschriftensammlung für den Fortbestand und ich habe den Laden dann übernommen.“

Jetzt kommen nur noch wenige Kunden in den mit Schokolade, Nougat, Wein, Kaffee und anderen Leckereien bestückten Laden. Einige Regale stehen komplett leer. Selbst jetzt, in der Vorweihnachtszeit, sei das Interesse an höherwertigen Naschwerk gering, sagt Schulz. Das Ausbleiben der Kundschaft hat laut der Geschäftsführerin zwei Ursachen: „Die Leute sind zu bequem. Die kaufen Schokolade und solche Sachen lieber im Supermarkt“, sagt Schulz.

Und ähnlich wie Buchhändlerin Sopart sieht sie die Innenstadt als Problem. „Die Innenstadt ist einfach kein attraktives Ziel. Wenn sich nichts ändert, dann kommt hier irgendwann keiner mehr her“, sagt Kathrin Schulz.

Wichtig für Attraktivität

Dass die Attraktivität einer Stadt eine wichtige Rolle für den Einzelhandel spielt bestätigt auch Knut Bernsen, Geschäftsführer des Handelsverbandes Sachsen-Anhalt. Demnach ginge es den Kunden vor allem um das „Einkaufserlebnis“ und dabei komme es eben auch auf die städtische Umwelt an.

Keinen Grund zum Klagen hat laut eigener Aussage Ulrich Neubauer, der mit seiner Frau Bettina das Geschäft „Elektro Haus Neubauer“ betreibt. „Das Weihnachtsgeschäft läuft bei uns eigentlich von Jahr zu Jahr besser. Ich denke, das liegt daran, dass wir immer bekannter werden und viele Kunden dann öfter zu uns kommen“, sagt Ulrich Neubauer.

Weihnachtliches Sortiment

Zudem hat sich das Ehepaar auf das Weihnachtgeschäft spezialisiert. Ein Großteil des Sortiments setzt sich aus weihnachtlichen Artikeln wie Lichterketten, Zubehör für Räucherstäbchen und Faltsternen zusammen. Die Konsequenz dieser Spezialisierung ist allerdings, dass das Paar in der Weihnachts- und Winterzeit so viel einnehmen muss, dass sie damit auch maue Monate überbrücken können.

Darüber hinaus weiß Neubauer aber auch, dass die Konkurrenz vor allem im Internet präsent ist. „Der Onlinehandel schläft nie“, sagt Ulrich Neubauer. Um Schrittzuhalten hat das Ehepaar ebenfalls am eigenen Internetauftritt gefeilt und neben einer Website auch einen Facebook-Account für das Geschäft eingerichtet. Letztendlich sind sie aber genauso darauf angewiesen, dass Leute in den Laden kommen, wie alle anderen Einzelhändler der Stadt auch. „Die Stadt lebt und stirbt mit den Menschen. Wenn die Leute nicht in den Geschäften vor Ort einkaufen, dann werden die sich auch nicht ewig halten können“, sagt Neubauer.