Bad Salzelmen l „Die hat meine Mutter – sie ist aus Ostpreußen geflüchtet – schon von ihrer Mutter“, erklärt Dietrich Daul, während Goldschmiedemeister Peter Seidel das gute Stück genauestens unter die Lupe nimmt. Eine kleine, feine Armbanduhr. „Der Zustand ist nicht mehr besonders schön“, räumt der Fachmann aus Schönebeck ein. Dietrich Daul nickt, der Bierer weiß darum. Seidel sieht in der Uhr im Miniaturformat – im Vergleich zu den heutigen Exemplaren gesehen – kleine Diamanten eingefasst, „sie sind aber nicht voll ausgeschliffen, haben somit keinen Wert an sich“. Er holt einen Schieferstein hervor und streicht damit vorsichtig über eine kleine Stelle der Uhrhülle.

Auf diese Art könne er eine ganz feine Probe nehmen, ohne das Metall wirklich und sichtbar zu schädigen. Mit verdünntem Königswasser prüft er, welchen Edelmetallanteil die Legierung hat. „Es ist Platin drin, aber kein hochwertiges wie es heute üblich, wahrscheinlich nur 50 Prozent“, sagt der Goldschmiedemeister. „Vom Design her schätze ich 1920er, 1930er Jahre. Sie ist durchnummeriert. Das spricht für einen guten Hersteller.“ Dietrich Daul hört aufmerksam zu.

Leider keine Rarität?

Ihm und seiner Frau sei eigentlich klar gewesen, dass dies keine Rarität sei, aber der ideelle Wert sei für ihn hoch. Ein Stück seiner Mutter, ja seiner Großmutter halt. Das pflegt und hegt man.

Die zierliche Uhr wirkt eher wie ein Armreif, wie ein reines Schmuckelement. Die Zeit auf dem schmalen, winzigen Ziffernblatt zu erkennen, fällt schwer. „Damals war das technischer Ansporn“, sagt Peter Seidel. Die Hersteller wollten zeigen, wie klein sie doch die Uhren bauen können. So gesehen sei das schon toll, was da gebaut worden ist. Die Grenze sei erreicht worden, als die Zeit einfach nicht mehr abzulesen war. „Zwischen den Weltkriegen ist ganz extrem gewesen“, weiß der Experte. Und zu Dietrich Daul sagt er: „Diese Uhr Ihrer Mutter beziehungsweise Großmutter war keine billige, im Gegenteil, sie war richtig teuer für die damalige Zeit.“ Wie viel sie wohl gekostet habe, könne er nicht sagen. Die Wertigkeit des Geldes sei ja damals auch eine ganz andere gewesen.

Bilder

Peter Seidel gibt Dietrich Daul wieder seine Uhr zurück. Er packt sie sorgfältig ein. Das Familienstück bleibt wohlbehütet in seinem Besitz. Und er und seine Frau machen sich auf dem Heimweg. Beide radeln zurück nach Biere. „Ein interessanter Ausflug bei schönem Wetter“, sagt Daul.

Alt Münze von 1978

Dem Goldschmiedemeister sitzt Reinhard Banse gegenüber. Der Schönebecker ist als Kenner von Orden und Münzen bekannt und geschätzt. Eine Frau will seine Meinung zu einigen DDR-Münzen wissen, die sie von ihrer Mutter geerbt hat. „Schauen Sie sich mal die 10-Mark-Münze ,Gemeinsamer Weltraumflug von UdSSR und DDR‘ von 1978 an. Als ich im Internet danach geschaut habe, bin ich stutzig geworden“, erzählt sie. Stutzig habe sie der angegebene hohe Wert gemacht. Reinhard Banse winkt ab: „Seien Sie bei diesen Werten im Internet immer sehr vorsichtig. Denen traue ich nicht.“ Auch zu ihren anderen Münzen muss er sagen: „Diese gibt es in Riesenmengen.“

Während die eine ihre Münzsammlung nach getaner Schätzung wieder einpackt, kommt die nächste mit Sack und Pack im Salzlandmuseum an. Isolde Leps ist extra aus Gerlebogk (Stadt Könnern) angereist. Mit einer Münz- und einer Uhrensammlung – Erbstücke von ihrem Vater. „Ich bin das erste Mal hier“, sagt sie noch etwas vorsichtig. Sie habe davon gelesen und sich gedacht, ein Sonntagsausflug würde sich da gut anbieten. „Ich habe keine Ahnung davon“, meint sie und hebt die beiden kleinen Koffer mit den Stücken hoch. „Ich möchte einfach wissen, ob Raritäten dabei sind oder ob es sich nur um Sammlerstücke handelt, die für meinen Vater einen Wert hatten.“

Gestern nachgefragt, gerät die Gerlebogkerin ins Schwärmen. „Die Beratung ist sehr gut gewesen, ehrlich und nüchtern. So, wie ich es gewollt habe.“ Die großen Raritäten seien nicht dabei gewesen, aber sie habe am Sonntag ein paar Münzen und auch eine Uhr da gelassen. „Ich bin mit ein paar ,Euronen‘ mehr und ein paar Sammlerschätzen weniger heim gefahren“, erzählt sie am Telefon. Von dem Angebot, alte Gegenstände einschätzen zu lassen, ist sie immer noch angetan. „Wenn ich davon eher gewusst hätte ... Die Fachleute waren so freundlich. Ich werde die Beratung wieder in Anspruch nehmen“, weiß sie schon jetzt. Denn da gebe es noch einige Zinnstücke.