Kontrolle

Einsehen? Immer noch Fehlanzeige

Die Stadt Schönebeck kontrolliert seit zwei Monaten eigenverantwortlich ohne die Polizei die Geschwindigkeit im Stadtgebiet.

Von Olaf Koch

Schönebeck l Einsicht sieht anders aus. Als ein Autofahrer eines dunklen Kleinwagens merkt, dass er gerade auf dem Marktplatz der Stadt Schönebeck geblitzt wurde, parkt er kurzerhand sein Auto unweit des Messwagens und stürmt zu den Mitarbeitern der Stadt. Ziemlich unfreundlich macht er seinem Ärger Luft und provoziert. Dass er aber in diesem Moment etwas falsch gemacht, sieht der Mann nicht ein.

„Das passiert immer wieder mal“, bemerkt René Nagel, der gemeinsam mit seinen Kollegen die Geschwindigkeitskontrollen im Stadtgebiet beaufsichtigt. Und wie immer treffen bei diesem Thema zwei Welten aufeinander: Die einen, die meinen, die Stadt würde nur „abzocken“, auf der anderen Seite jene, die sich tatsächlich von zu schnell fahrenden Autos und Motorrädern gefährdet fühlen. Einer dieser Gruppe ist Mario Keller. Der Rollstuhlfahrer begrüßt ausdrücklich, dass auf dem Marktplatz und anderswo Kontrollen durchgeführt werden.

Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) verteidigt die Kontrollen ebenfalls. „In meinen Sprechstunden sind immer häufiger Bürger gekommen, die sich teilweise sehr massiv beschwert haben“, so Knoblauch auf Anfrage der Volksstimme. Auch auf dem „Melder“ der Homepage der Stadt wünschten sich Bürger mehr Kontrollen.

Da die Polizei mit anderen Aufgaben beschäftigt ist, entschloss sich die Stadt, das Projekt „Geschwindigkeitskontrollen“ anzupacken. Anders als in anderen Kommunen, hat die Verwaltung der Elbestadt den Messwagen nicht gekauft, sondern lediglich geleast. Die Firma, die die Fahrzeuge stellt, tauscht diese auch immer wieder aus, so dass Autofahrer sich gar nicht erst Typ, Farbe oder Kennzeichen des Messwagens merken müssen. Das kann morgen schon ein anderes Auto sein.

Neben der Stadt sind auch Polizisten aus Bernburg mit Messungen aktiv. Mindestens jeden zweiten Tag haben sie ihren Messwagen in der Stadt aufgestellt. „Wo wir dann aktiv werden, das planen wir gemeinsam“, so René Nagel. Dabei stehen verschiedene Prioritäten im Vordergrund, wie berichtet wurde. So steht der Messwagen unter anderem dort, wo es entsprechende Beschwerden aus der Bevölkerung gibt, wo Gefährdungslagen bestehen oder wo es Unfallschwerpunkte gibt.

„Gemeinsam mit der Bernburger Gruppe wollen wir den Kontrolldruck erhöhen. Leider ist es ja so, dass nur über das Geld zu schnelle Autofahrer zu reglementieren sind“, so der Oberbürgermeister zur Volksstimme. Über erste Erfolge können Bert Knoblauch und René Nagel schon berichten. Als das Team am frühen Morgen mal wieder auf dem Markt, wo Schrittgeschwindigkeit gilt, die Messtechnik aufgebaut hatte, kam ein Anwohner aus seiner Wohnung herunter und erzählte, dass er an diesem Tag unverhofft länger schlafen konnte – weil der Verkehr leiser war und die Autos nicht so rasten.

Auch an Zahlen lässt sich der Erfolg festmachen. War zu Beginn rund jedes vierte oder fünfte Fahrzeug zu schnell, sinkt die Rate inzwischen auf unter zehn Prozent.

Ob die Stadtverwaltung dauerhaft Geschwindigkeitskontrollen durchführen wird, steht noch nicht fest. Das Projekt läuft zunächst ein Jahr. Danach wird neu entschieden.