Barby-Monplaisir l „Das Wasser hat den Steinen seine Spuren eingekerbt ...“, heißt es in einem Refrain der Barbyer Rockgruppe Mixed Pickles über die Elbe. Dabei ließ sich der Texter von einer Buhne inspirieren, die aus unterschiedlichen Decksteinen besteht: Granit und Sandstein. Die Strömung schliff eineinhalb Jahrhunderte regelrechte Kerben in den weichen Sandstein, derweil der Granit aussieht, wie am ersten Tag seiner Verlegung.

Unterhalb dieser Buhne ist jetzt infolge des Niedrigwasser noch etwas Bemerkenswertes zum Vorschein gekommen. Es ist eine etwa 25 Quadratmeter große Fläche bestehend aus übereinander gestapelten Faschinen aus Schwarzdorn und Eiche. Deren Mächtigkeit beträgt etwa knapp einen halben Meter. Darauf liegen zur Beschwerung Steine.

Konstruktion aus Holz und Steinen

Die Stelle befindet sich unterhalb der markant gekerbten Buhne flussabwärts. Die Konstruktion bestehend aus Holz und Steinen ist relativ gut erhalten. Lange Zeit war sie von Wasser, Schlamm und Sand bedeckt, was vermutlich zur Konservierung beitrug.

Bilder

Über die Funktion kann man nur spekulieren.

Vermutung 1: Der Breitenhagener Heinz Armin Sixdorf beschäftigt sich seit langem mit historischem Hochwasserschutz und Wasserbauten: „Das erinnert mich an eine Baumaßnahme, die russische Kriegsgefangene 1944 bei Breitenhagen vornehmen mussten.“ An der Alten Elbe sei auf ähnliche Weise ein Kolk gesichert worden. (Ein Kolk ist eine Erosionserscheinung im Flussbett in Form einer Vertiefung. Auslöser können Unregelmäßigkeiten in der Festigkeit des Untergrundes sein oder Fließhindernisse wie Steine in Sand- und Schotterbetten. In jedem Fall ist eine Strömung erforderlich.)

Vermutung 2: Auf der gegenüber liegenden Elbseite von Monplaisir lag der Bauernhof Hoplake auf einer leichten Anhöhe. Zwischen beiden Orten pendelte eine Kahnfähre. Hatte man die Faschinen aufgestapelt und mit Steinen belegt, damit der Kahn besser anlegen konnte?

Vermutung 3: Die ist mit Sicherheit die abenteuerlichste. Im Volksglauben kursiert immer mal wieder eine Geschichte, dass hier Truppen Napoleons über die Elbe setzten.

Eine Schiffsmühle?

Christian Jung, ehemaliger Flussbereichsleiter des Landesbetriebes für Hochwasserschutz, hält von all diesen Theorien nichts. „Eine derartige Kolksicherung macht jedenfalls keinen Sinn. Ebenso braucht ein Handfährkahn keine Rampe, um an- und abzulegen“, schreibt Jung auf Volksstimme-Anfrage, der sich gerade in Ungarn aufhält. Dabei legt er aber eine Spur, die es zu verfolgen gilt: „Eine Schiffsmühle mit Mühlenhaus wäre möglich.“

In einem der ersten Reiseführer über die Elbe spricht der Autor Professor Münnich 1845 von „sieben Wind- und drei Schiffsmühlen“, die es im Umfeld von Barby gab. Walter Schüler greift in der Glinder Chronik (1992) diesen Umstand auf: „Dann waren da aber auch noch die Schiffsmühlen, auch bei Glinde lag eine verankert, die zusätzlich Schwierigkeiten verursachten. Die Leinen verwickelten sich häufig in den großen Rädern und es kostete Zeit, bis man alles wieder getrennt hatte.“

Leser werden ins Boot geholt

Dass es in diesem Flussabschnitt Schiffsmühlen gab, ist urkundlich belegbar. So gibt es ein schlichtes Aquarell aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Sein Titel „Schiffsmühle nördlich von Barby, elbabwärts in Richtung Glinde“. Sollte es sich um jene handeln, dessen mutmaßlicher Anleger bei Monplaisir aus dem Sand ragt? Die Perspektive würde stimmen, wenn auch die Stadtsilhouette von Barby recht nahe erscheint. Aber künstlerische Freiheiten „strafften“ zuweilen gerne derartige Darstellungen. Man denke nur an die Kompositionen des Malers Caspar David Friedrich. (Viele Bilder stellten eine künstlerische Wirklichkeit dar, die eine Komposition subjektiver Stimmungen wiedergab.)

Da es sich um Vermutungen handelt, wären wir dankbar, wenn jemand von unseren Lesern eine andere Theorie hätte: Telefon (0177) 2 33 73 67.