Fabrikenhof

Fabrikenhof in Barby ist verkauft - Zuschlag an Firma aus Magdeburg

Paukenschlag in Barby: Der Stadtrat stimmt gegen den Willen eines Ortschaftsrates ab!

Von Thomas Linßner
Der Fabrikenhof stand zum Verkauf.
Der Fabrikenhof stand zum Verkauf. Foto: Linßner

Barby - Es dürfte eine hitzige Debatte gewesen sein, die quasi hinter verschlossenen Türen, weil im nichtöffentlichen Teil der Stadtratssitzung, stattfand. Es ging darum, wer den Zuschlag zur Bebauung des innerstädtischen Areals des Fabrikenhofes bekommt. Zuvor hatten sich drei Unternehmen im Barbyer Ortschaftsrat vorgestellt, von denen zwei in die engere Wahl kamen. Der Ortschaftsrat empfahl Anfang Mai das Projekt der Firma Aktuell Bau. Es trägt die Handschrift des Architekten Matthias Hilbig. Der Barbyer kennt das Areal „seit 44 Jahren“, wie er sagte, legte damals noch einen zweiten Plan auf das Angebot: Auf einem verwilderten Fleck am Damm könnten zwei schicke „Stadtvillen“ stehen. Das Gelände gehört der Stadt, ist aber ein anderes Grundstück. Doch diese vermutlich gut gemeinte Hilbig-Zugabe stieß einigen Stadträten auf. Suggestiv würde sie das Aktuell-Bau-Angebot aufwerten. Die anderen Anbieter hatten dieses „Filet-Grundstück“ am Damm nicht auf dem Schirm, als sie sich für den Fabrikenhof bewarben. Doch die Stadt stellt klar: Das sind zwei unterschiedliche Grundstücke, für deren Bebauung unterschiedliche Angebote angegeben werden können.

Ronny Scharschmidt, Geschäftsführer der Firma BBS aus Magdeburg dazu im Stadtrat: „Wenn es gewünscht wird, geben wir für dieses Gelände auch ein Angebot ab.“

Doch das nur nebenbei.

Köpfe rauchen nicht-öffentlich

Im nicht öffentlichen Teil rauchten die Köpfe, um zu einem Abstimmungsergebnis zu kommen. An wen sollte der Fabrikenhof verkauft werden? An BBS (Scharschmidt) oder Aktuell-Bau (Hilbig)! Das Rennen machte am Ende Bauen-Betreiben-Service (BBS) aus Magdeburg. Der Grund: Die „Klarheit der Projektstruktur ist gut fokussiert auf den Fabrikenhof“.

Nur drei Stadträte stimmten für Aktuell-Bau. Darunter auch Bürgermeister Torsten Reinharz. Für ihn habe das Votum des Ortschaftsrates Gewicht, begründete er seine Abstimmungsverhalten. „Für mich ist wichtig, dass hier überhaupt was passiert“, relativierte der Bürgermeister. (Denn der Fabrikenhof dümpelte seit rund 20 Jahren wie Sauerbier vor sich hin, potenzielle Investoren kamen und gingen.)

Bemerkenswertes Ereignis

Bemerkenswert: Zum zweiten Mal in der Nachwende-Geschichte stimmte der Stadtrat damit gegen die Empfehlung eines Ortschaftsrates. Beim ersten Mal war es in Glinde der Fall. Die Gemeindevertreter wollten die Akademie Kannenberg nicht, der Stadtrat stimmte dafür.

Jetzt hat das Unternehmen BBS vertragsgebunden fünf Jahre Zeit, auf dem Areal zwischen Elbdamm und Schloßstraße Nägel mit Köpfen zu machen. Ein Teil der alten Gebäude muss noch abgerissen, ein Bebauungsplan entwickelt werden. Wer hier wohnen möchte, könne aber schon mal Signal geben. Entstehen sollen fünf Doppel- und ein Mehrfamilienhaus.