Calbe/Gottesgnaden l Fast könnte man dieser Tage denken, ein Katzensprung reicht, um von Calbe hinüber auf die Saaleinsel zu gelangen. Derzeit liegt der Wasserstand am Unterpegel der Saale bei 3,02 Meter. Das sind nur 14 Zentimeter mehr, als der niedrigste bekannte Wasserstand, der dort am 25. September 1947 gemessen wurde. Die Fähre hat bei diesem Wasserstand nur wenige Meter bis zur gegenüberliegenden Seite zurückzulegen.

„Aktuell beschäftigen wir dort noch zwei städtische Angestellte“, sagt Bürgermeister Sven Hause. „Das ist mit Blick auf die Personalkosten wirtschaftlich in keinster Weise tragbar.“ Rückblick: Die Fähre war bislang durch das zuständige Wasserschifffahrtsamt als Wagengierseilfähre mit einer Tragkraft von 6,75 Tonnen und 31 Fahrgästen eingestuft. Seit diesem Jahr musste sie aber in dieser Kategorie mit einem Fährmann und einem zusätzlichen sogenannten Fährjungen betrieben werden.

Der Grund lag in der vorgeschriebenen Revision Anfang des Jahres. In diesem Zusammenhang musste eine ergänzende technische Einrichtung an dem Wasserfahrzeug vorgenommen werden, welche die Befestigung am jeweiligen Ufer automatisch aktiviert, ohne dass der Fährmann sein Schiff verlässt. Doch da sah die graue Theorie wieder einmal anders aus, als die Praxis. Sven Hause erklärt: „Aufgrund der lokal unterschiedlichen Bauweisen der Anlandungsbereiche und stets variierender Wasserstände ist diese Funktionalität nicht gegeben. Vor gleicher Problematik stehen auch die Betreiber anderer Gierseilfähren hierzulande.“

Wagen-Gierseilfähre Vergangenheit?

Demnach konnte in Calbe die Anlandung eine Person wegen der baulichen Begebenheiten bei verschiedenen Wasserständen nicht mehr vorschriftsmäßig allein ausführen. Ein zweiter Mann musste her. Grundlage ist wie immer ein Gesetz, in diesem Fall mit dem sperrigen Namen der Binnenschifffahrtsuntersuchungsordnung (BinSchUO).

„Für die Zeit der Straßen- und Brückensperrungen war der Betrieb mit zwei Mann jederzeit erforderlich und gerechtfertigt “, meint Hause. Da habe die Auslastung gestimmt. Als die Sperrungen aufgehoben wurden, habe sich die Situation geändert. „Im Zeitraum vom 1. bis 11. September haben insgesamt 13 Autos mit der Fähre übergesetzt“, sagt Hause mit Verweis auf eine Erhebung. Dabei handelte es sich ausschließlich um Fahrzeuge der zur Zeit in Gottesgnaden tätigen Baufirmen und um Fahrzeuge des Wasserschifffahrtsamtes. Soll heißen: Gottesgnadener, Schwarzer und Trabitzer fahren generell über die Saalebrücke.

Mit einer Neueinstufung der Fähre durch das Wasserschifffahrtsamt als reine Personengierfähre für 30 Personen, ohne festgelegte maximale Tragfähigkeit, sei der Einsatz „nur“ mit einem Fährführer wieder möglich, erklärt Hause weiter. Ab dem kommenden Sonnabend soll die neue Regelung gelten. Allerdings dürfen dann auch keine Autos und Transporter mehr über die Saale befördert werden. Krafträder dürfen lediglich geschoben werden. Eine Dauerlösung? „Ganz im Gegenteil“, meint Hause. .

Sollte aus irgendwelchen Gründen die Fähre für die Autonutzung gebraucht werden, wird ein zweiter Mann wieder hinzugezogen. Außerdem stehe im kommenden Jahr die Sanierung des Anlandungsbereiches der Fähre auf der Agenda, nachdem in diesem Jahr der Weg vom Rathaus bis zur Silberbrücke grundhaft ausgebaut und asphaltiert wurde. Mit der Neugestaltung wird generell auch wieder die Befahrbarkeit der Fähre mit einem Fährführer und ohne Fährjungen ermöglicht - und Autos könnten generell wieder übersetzen