Tourismus

Fähren in Barby bleiben an Wochenenden am Ufer

Von Thomas Linßner
Es sind besonders die Radtouristen, die von der Wochenendruhe der drei Fähren betroffen sind. Nach jetzigem Stand der Dinge pendeln ?Barby?, ?Breitenhagen? und ?Groß Rosenburg? nur von montags bis freitags. Archivfoto: Thomas Linßner

Barby/Breitenhagen/Groß Rosenburg

Bürgermeister Torsten Reinharz zuckt mit den Schultern. In diesem Jahr sieht es mit einem Regelfährbetrieb, wie er in den vergangenen Jahren stattfand, schlecht aus.

Ganz schlecht.

Denn die Einheitsgemeinde hat zu wenig Fährpersonal. „Wir haben für drei Fähren nur sechs Leute“, winkt der Bürgermeister ab. Mit dieser Anzahl könne gerade mal der Betrieb von Montag bis Freitag abgesichert werden. Das heißt: Wenn nicht ein Wunder geschieht, und danach sieht es beileibe nicht aus, bleiben die drei Gierfähren an den Wochenenden am Ufer. Ein trauriges Signal für den Tourismus. Denn ab Mai machen sich die Radler auf, um an Elbe und Saale entlang zu strampeln. Es ist besonders für die Individual-Touristen hart, die infolge Corona eine Natur-Tour vorhaben. Was im Barbyer Fall noch halbwegs funktioniert, weil man hier über die Eisenbahnbrücke schieben kann. In Groß Rosenburg und Breitenhagen stehen jegliche potenzielle Fährkunden vor verschlossener Kette.

Arbeitsamt weiß bescheid

„Wir haben alles versucht“, sagt Reinharz, „seit einem dreiviertel Jahr sind die Stellen auf der Stadt-Internetseite ausgeschrieben.“ Auch das Arbeitsamt Bernburg wisse Bescheid. Doch der Erfolg sei mehr als mäßig. „Als Fährführer hätte ein Binnenschiffer die erforderliche Qualifikation. Doch die Leute haben andere Pläne“, sagt der Bürgermeister, der in seiner Zeit als Berufsschullehrer selbst Binnenschiffer in Schönebeck ausbildete. Es gebe die Chance, ältere Schiffer zu erwärmen, die vom unsteten Leben auf dem Kahn die Nase voll haben und lieber wieder in häuslicher Nähe arbeiten wollen. Aber das seien Ausnahmefälle.

Plan B sind die Seiteneinsteiger. Mit einer halbjährigen Ausbildung könnten die plus verschiedener Sonderpatente für Funk und den jeweiligem Fluss fit gemacht werden. Aber das dauert. Wie Torsten Reinharz sagt, sei man guter Hoffnung. Im Zuge der Ausschreibung hätten sich fünf Männer gemeldet, von denen drei in die engere Auswahl kamen und zu einem Gespräch in das Rathaus eingeladen wurden. „Für einen haben wir uns bereits entschieden, über die beiden anderen beraten wir noch.“

Gibt es eine Alternative?

Gibt es wirklich keine weitere Alternative? „Doch“, sagt der Bürgermeister, „wir könnten eine Fähre still legen. Dann würde die Personalstärke ausreichen.“ Er unterstreicht aber sofort, dass dieses Gedankenspiel „nicht in Frage kommt“. Denn wenn eine Fähre am Ufer bleiben müsste, dann wäre es die mit der geringsten Frequenz: die Elbfähre Breitenhagen.

Beim Personaleinsatz habe die Barbyer Fähre Priorität. Hier bestehe die größte Nachfrage. Sie erwirtschafte ihre eigenen Kosten. Das funktioniere in Breitenhagen nicht, die Fähre sei auch die erste, die nicht pendelt, wenn Personal fehlt.

Verlässliche Fährzeiten sind das A und O, findet auch Walternienburgs Ortsbürgermeister Jörg Hausmann. Das sei besonders bei der Barbyer Fähre wichtig. Weil nicht zuletzt der Tourismus davon profitiere. Walternienburg soll keine Sackgasse sein, so Hausmann. Dabei hat er besonders den Wohnmobil-Stellplatz an der historischen Wasserburg im Hinterkopf.