Plötzky l Das städtische Naherholungsgebiet östlich der Elbe ist wunderschön. Das finden zumindest Angelika Neumann und ihr Partner Martin Kütz. Doch das großflächige Areal in Plötzky könnte, so die beiden, noch viel schöner sein. „Hier passiert einfach zu wenig“, meint Angelika Neumann. Sie hat sich in einem Schreiben an die Volksstimme gewandt. Bei einem Ortstermin erklärten sie und ihr Partner Kütz, der auch für die Sozialdemokratische Partei (SPD) im Stadtrat sitzt, worum es ihnen geht. Die beiden gehen über einen Schleichweg hinter dem Sportplatz zu dem Camping-Areal, das von Seen umgeben ist. „Diesen Weg kennt jeder, früher wurde er gepflegt, aber die Mitarbeiter haben dafür keine Kapazitäten mehr“, erklärt Kütz. Das Gelände, was durch ihn erreicht wird, „gehört zu 100 Prozent der Stadt“. Doch passiert, findet seine Lebensgefährtin Angelika Neumann, „ist hier bisher wenig“.

Zu kurze Öffnungszeiten

Dabei gebe es von Seiten der Stadt durchaus Möglichkeiten, das Gebiet aufzuwerten. Die Elbauen-Naherholungsförderungsgesellschaft mbH kümmert sich um die Pflege und Instandhaltung des Gebietes. Sie betreibt auch die Rezeption am Campingplatz – allerdings mit sehr eingeschränkten Öffnungszeiten, wie die beiden Plötzkyer finden. Nur an einem Tag in der Woche, so verrät es das Schild am Eingang, ist die Rezeption bis in die frühen Abendstunden geöffnet. „Zu wenig“, wie Neumann findet.

Weiter geht es zu einem idyllischen Spielplatz am Edersee. Schon beim ersten Blick wird deutlich, dass hier in der Vergangenheit einiges passiert ist. „Ein paar Spielgeräte wurden angeschafft“, erinnert sich Neumann und fügt hinzu: „Man könnte ihn noch mehr beleben.“

Wenig Resonanz trotz Corona

Gerade jetzt, zu Corona-Zeiten, hätten die beiden vermutet, dass der Campingplatz am Kolumbussee gut besucht sei. Aber es habe noch immer viele freie Plätze gegeben – ganz im Gegensatz zum kommerziell betriebenen Platz am Kleinen Waldsee.

Tourismuskonzept in Arbeit

Ideen und Initiativen, das Gebiet zu beleben habe es in der Vergangenheit durchaus gegeben. Zur Zeit bearbeitet die Stadt ein vom Rat in Auftrag gegebenes Tourismuskonzept. Eine Anfrage nach dem aktuellen Stand solle in nächster Zeit im Stadtrat folgen. Ob darin auch eine der zentralsten Forderung von Marin Kütz und Angelika Neumann aufgegriffen wird? „Die Naherholungsförderungsgesellschaft braucht einen Geschäftsführer, der sich nur mit dem Tourismus beschäftigt. Jemanden, der dafür brennt“, so die beiden. „Es braucht jemanden, der ein Zukunftskonzept entwickelt“, fügt Kütz hinzu.

Bisher keine Hinweise

Bei der Stadt tut man indes, was man kann, wie Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) und der Leiter der Stabsstelle Wirtschaftsförderung Sven Ellert bei einem Pressegespräch erklärten. Die Verwaltung kümmere sich momentan um etwa 600 Parzellen. „Dabei gibt es eine Gemengelage zwischen privaten, Vereins- und öffentlichen Flächen“, wie Knoblauch sagt. Gespräche mit den Ortsbürgermeistern, darunter auch Martin Kütz, hätte es durchaus gegeben. „Bis jetzt wurden noch keine konkreten Hinweise oder Vorschläge an mich herangetragen “, so Knoblauch.

Bei der Frage nach einem eigenen Geschäftsführer antworteten die Stadtvertreter mit dem Kostendruck. „Die Naherholungsförderungsgesellschaft ist eine Tochter der Beschäftigungsförderungs-, Qualifizierungs- und Innovationsgesellschaft (BQI). Der Geschäftsführer erhält kein extra Geld dafür“, erklärte der Oberbürgermeister.

Finanzielle Mittel fehlen

Natürlich hätte man deutlich mehr tun können, doch dafür fehle es an finanziellen Mitteln. Die Umsetzung eines vor drei Jahren erstellten Konzeptes zur Zukunft von Camping in der Naherholung durch einen Experten, hätte, so Knoblauch, eine Million Euro verschlungen – zu viel für die städtische Haushaltslage.

Dennoch blieb die Stadt nicht untätig. Für das vom Rat in Auftrag gegebene Tourismuskonzept wurden Fördermittel beantragt und auch bewilligt. Die Ausschreibung für die Erstellung eines Konzeptes habe bereits stattgefunden. „Darauf haben sich vier Unternehmen beworben“, so Sven Ellert. Die Vergabe solle Ende September erfolgen. „In einem mehrstufigen Verfahren sollen Stärken und Schwächen analysiert werden. Auf dieser Grundlage wird dann ein konkretes Konzept für Maßnahmen erstellt.“ Die Fertigstellungen eines solchen Konzeptes, schätzt Ellert, wird etwa ein Jahr lang dauern. Eines, das weiß man bei der Stadt. Sven Ellert: „Wir wissen, wo die Schwächen liegen.“

Darin dürfte Einigkeit zwischen Anwohnern und der Verwaltung herrschen. Viel Potenzial gibt es auf der idyllischen Fläche also gewiss.