Plötzky l So, wie die kommissarische Stadtwehrleitung um Daniel Schürmann (Stadtteilwehrleiter Felgeleben) und Gunnar Ulrich (Ortswehrleiter Ranies) sowie Ronald Mühlsiegel (Ortswehrleiter Elbenau und Mitarbeiter „Brandschutz“ im Sicherheits- und Ordnungsamt) am Donnerstagabend beim Ortschaftsrat informieren, ist es bloß noch eine Frage der Zeit, bis die Plötzkyer Wehr endgültig aus dem Schönebecker Ortsteil mit seinen rund 1000 Einwohnern verschwunden ist.

Ein kurzer Rückblick: Bereits Anfang des vergangenen Jahres hatten der damalige Ortswehrleiter und sein Stellvertreter aus persönlichen Gründen das Ehrenamt niedergelegt. Die Fehlende Nachfolge ist zum Teil ein hausgemachtes Problem, denn eine Jugendwehr gibt es hier schon lange nicht mehr. Der Nachwuchs fehlt, die langen Ausbildungszeiten für angehende Führungskräfte in den Reihen der noch wenigen Ehrenämtler tun ihr Übriges. Im Gespräch mit der Volksstimme hatte der Pretziener Ortswehrleiter im März erklärt, dass eine eigene Wehrleitung für die Plötzyker durchaus erst in fünf bis sechs Jahren realistisch wäre. Gesetz dem Fall, dass sich die Aktiven bereit erklären und gewillt sind, das Ehrenamt zu bekleiden.

Projekt Pretzien/Plötzky

Wie bei der Sitzung im Bürgerhaus nun deutlich wird, rückt dieses Ziel in weite Ferne – die Fusion dafür immer näher. Ronald Mühlsiegel erklärt, dass es jüngst jeweils in den eigenen Reihen der Wehren eine Mitgliederversammlung stattgefunden habe, bei der über die Fusion abgestimmt worden ist. Dabei seien von den zwölf geladenen Feuerwehrleuten in Plötzky gerade einmal fünf erschienen. Von diesen Fünfen hätten sich drei für eine Fusion ausgesprochen und Zwei dagegen. In Pretzien seien von 25 geladenen Kameraden alle erschienen, zudem stimmten sie geschlossen für die Fusion. Auf dem Papier ist die Sachlage also eindeutig: Beide Wehren werden zusammengelegt. Klar ist damit auch: Die Freiwillige Feuerwehr Plötzky als reine Wehr ist dann Geschichte.

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Wie das gemeinsame Projekt Pretzien/Plötzky dann zukünftig heißen wird, ist nicht klar. Aber bis dahin, bleibt auch noch genügend Zeit. Die weitere Abfolge wird sich eine Weile hinziehen, denn alle Seiten müssen das Vorhaben absegnen: Nachdem der Stadtrat die Fusion beschlossen hat, muss der Salzlandkreis darüber befinden. Folgend muss das Landesverwaltungsamt seine Empfehlung geben, damit der Antrag letztendlich im Ministerium für Inneres und Sport bei Holger Stahlknecht auf dem Tisch liegt, führt Roland Mühlsiegel aus. Man rechnet frühestens mit einer faktischen Fusion der Wehren in ein bis anderthalb Jahren.

Zwei Möglichkeiten

Ortsbürgermeister Martin Kütz will von den anwesenden Feuerwehrleuten wissen, was bei der Fusion mit dem Gerätehaus und der Technik in Plötzky passieren werde. Für das Gerätehaus würden zwei Möglichkeiten überprüft, macht der anwesende Oberbügermeister Bert Knoblauch deutlich – eine andere Nutzung oder der Verkauf. Auch das bedürfe einen Beschluss. Der Planansatz sehe erstmal einen Verkauf vor. Und die Technik? „Die werden wir nach ihrem Zustand beurteilen und schauen, wo sie gebraucht wird“, erklärt der kommissarische Stadtwehrleiter Daniel Schürmann. Die Ortswehr in Plötzky besitzt ein modernes Gruppenlöschfahrzeug mit einem Schlauchtransportanhänger, was technisch ausreichend ist, um eine Staffel von sechs Aktiven Feuerwehrleuten ausrücken zu lassen.

Der Felgleber findet an diesem Abend auch deutliche Worte zum Verlust des Plötzkyer Feuerwehrstandortes: „Schade, dass es über die Jahre nicht möglich war, Leute zu finden, die hier mitmachen wollen. Das ist traurig für so eine Ortschaft“. Von einem Bürger kommt ein Zwischenruf: „Wenn du arbeiten gehst, kannst du nun einmal nicht weg“. Der Kommentar bleibt unbeantwortet, Ortsbürgermeister Martin Kütz verweist darauf, dass es dazu keine Diskussionen geben soll. Der Ortschaftsrat stimmt mit zwei Ja-Stimmen und einer Enthaltung für die Beschlussvorlage.

Wehr gibt es seit 106 Jahren

Organisatorisch und praktisch wird sich mit der Fusion kaum etwas ändern. Die Pretziener Kameraden sind nah genug an der ostelbischen Ortschaft, um den Brandschutz zu gewährleisten. Und praktisch arbeiten beide Wehren ohnehin schon miteinander zusammen. „Es hatte sich ja angedeutet“, sagt der Pretziener und kommissarische Plötzkyer Ortswehrleiter Michael Vorwerk, der zu seiner eigenen Verwunderung nicht zur Ortschafstrat gealden war, gestern auf Nachfrage der Volksstimme. Man habe zwar jüngst sogar noch einen Kameraden in Plötzky dazugewinnen können, aber der sei noch nicht ausgebildet. Trotzdem schaut er optimistisch in die Zukunft. Das Verhältnis der Pretziener und Plötzkyer sei super. Dennoch findet es auch Michael Vorwerk schade, dass es so kommen musste – auch im Sinne der Tradition.

Denn die Plötzkyer Wehr existiert seit 106 Jahren. Die ehrenamtlichen Brandbekämpfer waren wie in vielen Orten nicht nur Helfer, sondern auch Organisatoren für Feste und Veranstaltungen. Michael Vorwerk will dieses kulturelle Erbe nicht ganz sterben lassen. „Wir bleiben in Plötzky dran“, versichert er.