Frohse l Richtige Stimmung kommt am Freitagabend nicht auf. Die Hälfte der Stühle im Sitzungsraum der Stadtteilfeuerwehr Frohse bleibt leer, was nicht nur der Corona-Pandemie geschuldet ist. Viel mehr macht sich unter den Frohser Kameraden eine gewisse Resig- nation breit: Ihre Feuerwehr soll abgewickelt werden. Am Freitagabend wird zur letzten Jahreshauptversammlung eingeladen. Nach 95 Jahren wird sie das Ende der Feuerwehr im Dorf besiegeln. Ob die Kameraden das Angebot annehmen, sich der Stadtteilfeuerwehr in der Tischlerstraße anzugliedern, bleibt abzuwarten.

Mit dem Ende ihrer Wehr stehen die Kameraden im Altkreis Schönebeck nicht alleine da. Erst Zens (Bördeland), dann Plötzky, jetzt Frohse – es ist nicht übertrieben, von einem langsamen Feuerwehrsterben zu sprechen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Auch in Frohse werden sie während der letzten Sitzung laut benannt. „Wir hatten zuletzt ein Personalproblem“, macht der Leiter der Feuerwehr Frohse, Michael Pohle, deutlich.

Desinteresse der Menschen?

Wenngleich die Kameraden seit Monaten für ihre ehrenamtliche Arbeit werben, bleibt das „Desinteresse der Menschen“, wie es Pohle formuliert. Es meldet sich kein Nachwuchs, kein Interessent. „Ich glaube, die Menschen haben Angst vor Veränderung“, sagt der Wehrleiter. Sich freiwillig zu engagieren, sei heute keine Selbstverständlichkeit mehr, mahnt Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU).

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Zuletzt gibt es in der Frohser Stadteilfeuerwehr noch sechs Aktive, die gleiche Anzahl in der Alters- und Ehrenabteilung, einige Fördermitglieder und passive Mitstreiter. Zudem hat Pohle angekündigt, nicht mehr als Wehrleiter zur Verfügung zu stehen. „Schade, dass es zu Ende geht“, sagt er.

Die Fusion mit der Feuerwehr in der Tischlerstraße hat am Freitagabend nicht zum ersten Mal zur Folge, dass es eine Art Werbeveranstaltung gibt. Der dortige Wehrleiter Maik Häring, Stadtwehrleiter Daniel Schürmann und Oberbürgermeister Bert Knoblauch strecken ihre Hände aus. Sie wünschen sich, dass die Frohser Kameraden bei der Feuerwehr bleiben.

Zu wenig Personal ist das Problem

Vor allem Maik Häring kämpft. „Glaubt mir, wir haben in der Tischlerstraße die gleichen Problem wie ihr“, sagt der Wehrleiter und spielt damit das dramatische Personalproblem an. Häring kann jeden gut ausgebildeten Mann gebrauchen. Er kommt den Frohsern auch mit den Dienstabenden und anderen Dingen entgegen. „Wir sind offen für eure Vorschläge“, sagt er. Ob die Kameraden die Offerte annehmen, wird die Zeit zeigen.

Um 19.27 Uhr beendet Wehrleiter Michael Pohle die Sitzung. „So, das war‘s dann.“ Wenige Stunden später um Mitternacht wird die Frohser Feuerwehr bei der Rettungsleitstelle abgemeldet sein. 95 Jahre Feuerwehr Frohse sind damit zu Ende.