Barby l „Es ist mindestens zehn Jahre her, dass wir mal einen Feuerwehrball gemacht haben. Es wurde einfach mal wieder Zeit“, begründete Ortswehrleiter Nico Drobek die Veranstaltung im Rautenkranz. Deshalb sei man „mit lieben Gästen“ zum 135. Geburtstag zusammen gekommen. „Es ist gewiss nur ein kleiner Ausgleich für die vielen harten Mühen, die Einsätze bei Gefahren: Aber es ist auch ein Ausgleich, der für die Kameradschaft sehr wichtig ist“, unterstrich Nico Drobek.

Aus gegebenen Anlass blickte der Ortswehrleiter in die Geschichte zurück. Ab 1870 versuchte man in Barby eine Feuerwehr zu gründen, um endlich den Schutz der Bürger und ihr Hab und Gut vor dem Element Feuer zu gewährleisten. „Es sollte nicht wieder so eine Tragödie, wie die großen Brände von 1791 und 1798 über unsere Stadt hereinbrechen, bei denen große Teile der Innenstadt abbrannten und ein sehr hoher Sachschaden entstand“, sagte Drobek.

Laut Chronik brannten damals 68 Wohnhäuser mit den dazugehörigen Nebengebäuden ab. 87 Familien, zusammen 368 Personen wurden obdachlos. Begünstigt wurde das Feuer dadurch, dass fast alle Gebäude mit Stroh gedeckt waren und der Brand rasch um sich greifen konnte. Zur damaligen Zeit wurde nur mit Holzeimern gelöscht. „Aufgrund dieser geschichtlichen Ereignisse gaben es die damaligen Stadtväter nicht auf, eine Feuerwehr zu gründen“, unterstrich Nico Drobek.

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Gründung 1884

Nach dem Gründungsversuche 1874 und 1881 scheiterten, wurde es schließlich 1884 doch vollbracht. Der damalige Bürgermeister Reußner rief die Aktiven des Männerturnvereins Barby auf, sich für die Gründung einer freiwilligen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen. In einem Bericht zum 25. Gründungstag 1909 heißt es in der Barbyer Zeitung: „Mit edler Begeisterung wurde die Anregung unserer Stadtbehörde an den Männerturnverein, sich in den Dienst der guten Sache zu stellen, aufgenommen und aktive und passive Mitglieder, der Jüngling wie der bereits im Silberhaar und Bart stehende. Sie waren für die gute Sache und traten an, wie es echten deutschen Turnern geziemte.“

Das war der Anfang der Freiwilligen Feuerwehr Barby, die sich damals noch Turnerfeuerwehr nannte. Nach der offiziellen Gründung wurden die Kosten für die Anschaffung von Ausrüstung und Uniformen durch die Stadtverordneten bewilligt, damals 1340 Goldmark.

Nach Seminar- und Schülerfeuerwehr, die besonders im Ersten und Zweiten Weltkrieg die dezimierten Reihen der Wehr ausglichen, ging Nico Drobek auf eine weitere Besonderheit ein: 1968 wurde die Frauengruppe gegründet, die hauptsächlich im vorbeugenden Brandschutz tätig war.

Junge Brandschutzhelfer

Viel Augenmerk sei schon immer auf die Gewinnung des nötigen Nachwuchses gelegt worden. 1966 erfolgte die Bildung der „Jungen Brandschutzhelfer“, die nach der Wende zur Jugendfeuerwehr wurde.

„Unsere Jugendabteilung ist somit schon 53 Jahre alt. Durchschnittlich 15 Jungen und Mädchen bereiten sich intensiv auf den Eintritt in die Reihen der freiwilligen Feuerwehr vor“, erklärte der Ortswehrleiter. „Gern erinnere ich mich an meine Zeit bei den Jungen Brandschutzhelfern beziehungsweise in der Jugendfeuerwehr zurück, die 1985 begann.“

Zehn Jahre liegt die Gründung der Kinderfeuerwehr „Barbyer Löschbiber“ zurück. „Wir unterbreiten somit den Kindern ab sechs Jahren, die nicht nur aus dem Ortsteil Barby kommen, eine sinnvolle Freizeitbeschäftigung“, so Drobek. Dazu gehöre auch das gemeinsame Zeltlager, das seit sechs Jahren durchgeführt werde.

Solider Bestand

„Wir verfügen heute über einen soliden Bestand an Einsatzfahrzeugen. Unser schönstes Geburtstagsgeschenk – der Fördermittelbescheid für ein neues Tanklöschfahrzeug - liegt bei der Stadtverwaltung vor. Wir sind somit eine von fünf Städten in Sachsen-Anhalt, die einen positiven Bescheid erhalten haben“, freute sich Nico Drobek.

Stadtwehrleiter Detlev August, der zu den Grußrednern gehörte, dämpfte eine allzugroße Euphorie. Der Bescheid sei zwar da, das Tanklöschfahrzeug müsse aber noch gebaut werden. Die Auslieferung werde nach seinen Erfahrungen 2020, vielleicht aber auch erst 2021 erfolgen.

Drobek ging noch auf ein anderes Thema ein: Durch die persönliche Digital-Alarmierung habe sich die Einsatzbereitschaft erhöht und die Ausrückzeit auf drei bis vier Minuten gesenkt. „Eine freiwillige Feuerwehr lebt von Idealismus, Begeisterung und dem damit verbundenen Dienst am Nächsten. Ihr lebt diese Werte vorbildlich. Deutlich wird das durch die vielen Stunden, welche ihr in Einsätze, Übungen, Schulungen, Fortbildungen, Wartungsarbeiten, gesellschaftlichen Veranstaltungen sowie Kinder- und Jugendarbeit investiert habt“, bedankte sich der Ortswehrleiter bei seinen Mitstreitern.