Schönebeck l Die wichtigste Information hätte Bert Knoblauch (CDU) fast vergessen. Als der Tagesordnungspunkt zur Abstimmung eines Antrages zum Freibad aufgerufen war, referierte der Oberbürgermeister ausführlich über das Für und Wider, äußerte Standpunkt und Bedenken. Dann bedankte er sich für die Aufmerksamkeit und ging zu seinem Platz zurück. Auf halber Strecke fiel ihm aber ein, dass ihm ein Fakt dann noch entfallen war: Schon am Mittwoch habe die Stadt einen Fördermittelantrag beim Bundesinnenministerium fristwahrend eingereicht. „Mal sehen, was da rauskommt“, so der Oberbürgermeister.

Diese Szene war ein wenig sinnbildlich. Sie erweckte bei so manchem Zuschauer das Gefühl, dass die Verwaltung vielleicht doch nicht zu 100 Prozent hinter diesem Antrag steht, der erst nach Druck von Außen zustande kam. Das machte eine Anfrage des Stadtrates Philipp Körner (SPD) deutlich, der nur zwei Fragen kurz beantwortet haben wollte: Seit wann kannte die Stadt die Möglichkeit dieses Bundesförderprogrammes zur Sanierung kommunaler Einrichtungen? Und wann ist die Stadt zur Überzeugung gekommen, den Antrag doch noch zu stellen?

Keine Aussicht auf Erfolg?

Oberbürgermeister Knoblauch erklärte, dass er das erste Mal davon bei einem Treffen mit dem Städte- und Gemeindebund hörte. „Wann, so genau kann ich das gar nicht sagen. Das muss vor etwa zwei Wochen gewesen sein“, so der Rathauschef. Er sah gemeinsam mit seinen Mitarbeitern aber keine Veranlassung, sich an dem Förderprogramm zu beteiligen, weil seiner Meinung nach keine Aussicht auf Erfolg sei. Erst nach der Sitzung des Hauptausschusses am Montagabend, so die Beantwortung der Frage 2 von Philipp Körner, reifte dann in den Rathausfluren noch der Sinneswandel.

Die Debatte am Donnerstagabend machte auf beiden Seite ein gewisses Misstrauen deutlich. Das ist sicherlich das Ergebnis des Agierens der vergangenen Jahre. Der derzeitige Graben zwischen Verwaltung und Stadträten in der Frage des Freibades ist so tief wie das große Becken der Schwimmanlage. Rolf Wiswede (Die Linke) äußerte seinen Eindruck, der immer wieder mal mitschwingt: „Das Freibad will man nicht“, sagte er. Mit „man“ war die Stadtverwaltung gemeint. Dem widersprach der Oberbürgermeister.

Doch das Empfinden von Rolf Wiswede kommt nicht von ungefähr. In den vergangenen Monaten und Jahren hat die Stadt mehr dafür getan, das Freibad zu schließen, als an deren Rettung zu arbeiten. Dies erkannte auch Sabine Dirlich (Die Linke). „Der Oberbürgermeister versucht immer wieder, mit den Zahlen die Schließung zu begründen, wir wollen damit die Nichtschließung erreichen“, so Dirlich.

Kombibad erst in 10 Jahren?

Auch vor dem Hintergrund, dass das Kombinationsbad – bestehend aus Schwimmhalle und Freibad – im Moment nur auf dem Papier und in den Träumen existiert. Der Stadtrat hat bisher lediglich den Standort festgelegt, mehr nicht. Vor diesem Hintergrund glaubt Stadtrat Mark Kowolik (parteilos) vorerst nicht, dass das Kombi-Bad so schnell kommen wird. „Die nächsten Jahre nicht, ich rechne erst damit für die Jahre 2027 bis 2029. Da macht es aus heutiger Sicht durchaus Sinn, das Freibad noch mehrere Jahre zu betreiben“, argumentierte Kowolik.

Im weiteren Verlauf wurde folgendes Papier – eingereicht von SPD, Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Rettet die Altstadt und dem parteilosen Mark Kowolik – beschlossen:

1. Erstellung einer fachlich fundierten Ist-Analyse und einem daraus resultierenden Handlungskonzept mit dem Ziel der Wiedereröffnung des Freibades im Jahre 2019. In der Analyse sollen aufgelistet sein: alle Mängel, die einem Weiterbetrieb entgegenstehen; eine belastbare Aufstellung zur Behebung der genannten Mängel und die zusätzlichen Kosten für eine solare Wassererwärmung.

2. Es ist zu recherchieren, welche Fördermöglichkeiten es für die Sanierung des Schönebeck Freibades gibt.

3. Es ist ein Konto einzurichten, auf dem zweckgebundene Spenden zur Sanierung des Freibades eingehen können und

4. Es sind Verhandlungen mit dem Landesverband der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft aufzunehmen, um Rahmenbedingungen für einen Dienstleistungsauftrag zur zukünftigen Betreibung des Freibades auszuloten. Dabei soll eine Verlängerung der Öffnungszeit von Mai bis September berücksichtigt werden.

Dieses schlüssige Handlungskonzept soll mit Terminen und Verantwortlichkeiten bis Ende Oktober vorliegen. In der Sitzung im Dezember möchte der Stadtrat darüber beraten.