Barby l Es liegt leicht der Geruch von Desinfektionsmitteln in der Luft. Die Mundschutzmasken liegen bereits parat. Ute Rust fängt an, ihren Laden für die Eröffnung vorzubereiten. „Ich muss noch etwas umräumen. Statt sechs Arbeitsplätze werden wir dann höchstens vier haben“, sagt Rust und misst dabei noch mal den Abstand zwischen den Stühlen aus. „Zwei Meter. Das passt“, sagt die Friseurin.

Friseurbetriebe hat die Corona-Krise hart getroffen, denn es handelt sich meist um kleinere Geschäfte mit zwei oder drei Angestellten. Gehälter, Miete, die laufenden Kosten für das Geschäft und natürlich die eigenen Lebenshaltungskosten müssen ohne Einkommen bestritten werden.

Bisher noch kein Zuschuss

„Existenzängste hatte ich schon. Wir haben Kurzarbeitergeld und einen Zuschuss beantragt – den haben wir allerdings bisher nicht erhalten. Ich habe nun eigene Mittel eingebracht“, so Rust.

Insgesamt freue sich die Friseurin aber, dass sie das Geschäft bald wieder eröffnen darf. Angst vor Ansteckung? Das habe sie nicht. „Wir haben das meiste an Schutzausrüstung bereits da. Allerdings müssen auch noch ein paar Dinge angeschafft werden, da muss man dann mal schauen, wo man alles herbekommt“, sagt Rust. Wo sie Schutzmasken, Desinfektionsmittel und Co. in dieser Situation kaufen kann, das weiß auch Christiane Richter noch nicht genau. „Das Einhalten der Maßnahmen wird nicht einfach. Wir müssen in unserem Laden dann auch etwas umbauen“, sagt Richter, ehemalige Innungs-Obermeisterin.

Schutzplan für Angestellte und Kunden

Sie habe bereits einen Schutzplan für ihre Mitarbeiterinnen und die Kunden erstellt. Wichtig sei ihr erst mal, dass sie wieder arbeiten kann, so Richter. „Ich habe damals schon mit der Schließung gerechnet. Und war fast schon erleichtert, dass mir die Entscheidung abgenommen wurde“, sagt Christiane Richter.

Ihren Optimismus hat sich Richter allerdings beibehalten: „Es wird immer weitergehen.“

Wenn es für Ute Rust und ihre Angestellten weitergeht, ist erst mal nichts so, wie es vor der Krise war. „Wir werden dann in Schichtbetrieb arbeiten. Außerdem sollen Kunden aus der Risikogruppe zu bestimmten Zeiten den Laden besuchen. Entweder früh am Morgen oder auch abends, das wird sich dann zeigen“ sagt Rust.

Tipps bekommt die Friseurin von ihrem Partnerunternehmen „La Biosthetique“. „Es war schon beruhigend, dass man nicht alleine gelassen wurde. Von dem Unternehmen wird auch ein Hygieneplan erstellt. Da soll es dann auch einige Anweisungen geben. Es ist sehr schade, dass wir bisher keine richtige Auskunft vom Staat haben“, sagt Rust.

Das bestätigt auch Burghard Grupe, Geschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg. „Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales hat am 16. April Arbeitsschutzstandards herausgegeben, die allerdings die Situation im Friseurgeschäft nicht explizit behandeln. Für die Unternehmen ist es wichtig, hier schnellstmöglich Klarheit zu bekommen“, teilt Grube mit. Grube habe außerdem festgestellt, dass die Grundstimmung bei den Friseurbetrieben positiv sei: „Die Friseurbetriebe sind froh, ab dem 4. Mai durch eigene Hände Arbeit wieder Geld verdienen zu können.“

Insbesondere sei dies vor dem Hintergrund zu betrachten, dass die – aus dem sogenannten Soforthilfepaket versprochenen – Zuschüsse bisher nur schleppend ausgezahlt worden seien. Außerdem beziehe dies keinerlei Hilfen für den Lebensunterhalt ein, sondern nur betriebliche Kosten, so Grube weiter.

Auch die Handswerkskammer begrüße die geplante Öffnungsmöglichkeit. Grube gibt dabei außerdem zu bedenken: „Friseurbetriebe arbeiten in aller Regel mit Terminen und nur bei wenigen Friseurgeschäften existieren Wartebereiche für mehrere Personen. Die Kunden sind in der Regel mit ihren Kontaktdaten erfasst. Die Ansteckungsgefahr ist eher als gering einzuschätzen.“