Schönebeck l „Reichsbahn I“ nennt sich die Anlage nach wie vor. Dass es das Bahnunternehmen in seiner alten Form längst nicht mehr gibt, scheint Nebensache. Die Parzellen an der Trasse nach Güsten und Erfurt unweit des Gradierwerks sind beliebt. „Zwar haben wir keine ellenlangen Wartelisten wie vor einigen Jahrzehnten, aber mit aktuell nur zwei frei-en Gärten können wir uns sehen lassen“, berichtet Vereinsvorsitzender Peter Laue mit einem sichtlich zufriedenen Lächeln.

Volksstimme und der Verband der Gartenfreunde Schönebeck und Umgebung e.V. besuchten im Rahmen der diesjährigen Gemeinschaftsaktion das Areal am Rand der Salzstadt. Vorgestellt werden dabei die Meisten der 16 Vereine, die sich am Ausscheid für den Bundeswettbewerb „Gärten im Städtebau“ beteiligen. Laue zählt gern die Besonderheiten seines Vereins auf. Rund 900 Meter erstrecken sich die grünen Oasen entlang der kleinen Zufahrtsstraße auf der einen Seite, auf der anderen bilden die Eisenbahnschienen die Grenze. Immer zwei von ihnen nutzen eine gemeinsame Eingangstür, die Gärten im Doppelpack kennen untereinander keine Zäune. Perspektivisch sollen von den insgesamt 49 Gärten – sie sind im Durchschnitt 650 Quadratmeter groß – 26 übrigbleiben, die anderen Flächen werden zurückgebaut. „Das geschieht nicht von heute auf morgen, denn wir wollen einige nach der Kündigung durch die jetzigen Pächter nicht mehr vergeben“, erläutert der Vereinschef.

Pächter dank dem Internet

„Reichsbahn I“ gibt sich modern. Im Internet stellt sich der Verein mit einer eigenen Webseite vor. „Das kommt an und wir konnten durch dieses moderne Medium bereits einige leerstehende Gärten vergeben“, erzählt Tino Jänsch, der sich um diese Präsentation kümmert.

Bilder

Ein Foto seiner Japanischen Pfingstrosen bildet den Hintergrund der Präsentation. Der junge Mann war mit seiner Idee im Vorstand auf offene Ohren gestoßen. Die vielen Klicks bestätigen die tolle Außenwirkung einer solchen Vorstellung.

Und wie sieht es mit den Geräuschen durch vorbeifahrende Züge aus? Alles halb so schlimm, irgendwann höre man das Rattern der Räder kaum noch, versichert Peter Laue. Das bestätigen auch Steffen Mutsch und dessen Sohn Tim. Die beiden haben sich im vergangenen Jahr für ein gemeinsames Hobby entschieden. Sie sind auf dem besten Weg die Imkerei mit all ihren Geheimnissen zu erlernen und natürlich auch zu betreiben. „Wir möchten der Natur ein wenig helfen. Das ist uns bei den vielen schlechten Nachrichten zu Insekten und anderen Lebewesen in freier Natur wichtig“, erklärt der 16-jährige Junior. Und dass der selbstgeerntete Blütenhonig der gegenwärtig drei Bienenvölker lecker schmeckt, scheint eine Selbstverständlichkeit. Freunde und Bekannte freuen sich, wenn sie ab und an davon ein Gläschen als Geschenk bekommen.

Pavillon zum Verweilen

Es geht also putzmunter im Verein zu, der einst Reichsbahnern vorbehalten war. Diese Hürde besteht schon lange nicht mehr. Die Freizeitgärtner sind ein offenes Völkchen. Spaziergänger und Wanderer können problemlos über den Gartenzaun schauen. Zudem lädt ein kleiner Pavillon zum Verweilen ein. „Einer unserer früheren Pächter nahm den nach der Kündigung nicht mit, und so haben wir ihn schließlich auf einer freien Fläche aufgebaut“, erläutert Peter Laue. Als Feuerholz sei der zu schade gewesen.