Gnadau (tli) l Einen besonderen Grund zum Feiern gab es vor wenigen Tagen im Altenpflegeheim Maria-Heyde-Haus in Gnadau. Er hatte mit dem Jahr 1920 etwas zu tun ...

Das Jahr 1920, zwei Jahre nach Ende des Ersten Weltkrieges, war alles andere als friedlich: Bei Protesten gegen die Verabschiedung des Betriebsrätegesetzes wurden am 13. Januar vor dem Berliner Reichstagsgebäude 42 Demonstranten von der Sicherheitswehr erschossen und 105 verwundet. Wenig später wird die NSDAP gegründet. Die Bekanntgabe der Umbenennung erfolgte am 24. Februar im Münchener Hofbräuhaus. Dabei präsentierte Adolf Hitler auch das unter anderem auf die Schaffung eines totalitären großdeutschen Reiches, den Ausschluss von Juden aus der Gesellschaft und Pressezensur abzielende 25-Punkte-Programm. In jenem Jahr erblickte Margarete Kabatt in Dresden das Licht der Welt.

100 Jahre später lebt die rüstige Seniorin im Pflegeheim Maria-Heyde-Haus Gnadau, wo sie am 13. August ihren Geburtstag feierte. Ihre lachenden Augen und das gesamte körperliche Erscheinungbild lassen in punkto Alter eher eine 80-Jährige vermuten.

Die Jubilarin wuchs in Dresden gemeinsam mit zwei Geschwistern auf. Nach ihrem Volksschulabschluss machte sie eine Ausbildung zur Schreibkraft. Noch wenige Jahre zuvor gingen die Mädchen „in Stellung“. Das heißt, sie lernten keinen Beruf, sondern nur die Grundlagen der Hauswirtschaft. 1955 heiratete Margarete ihren Mann nach arbeitsreichen Jahren. Beide lebten mittlerweile kinderlos in Berlin. Nach dem Tod ihres Ehemannes zog sie allein nach Magdeburg. Seit September 2019 verbringt die fröhliche und gesellige Bewohnerin ihre Lebenszeit in Gnadau.

Postkartengrüße mit Erinnerungen

An ihrem 100.Geburtstag wurde der schwippen Dame gebührend gratuliert. In einem kleinen Kreis kamen ihre Angehörigen aus Barby, Magdeburg und Berlin zusammen. „An einer festlich gedeckten Kaffeetafel mit schönen Blumen, Kartengrüßen, vielen Geschenken und einem Frankfurter Kranz genossen die Jubilarin und ihre Gäste den Ehrentag. Mit Fotos aus vergangener Zeit schwelgten sie gemeinsam in guter Erinnerung“, berichtet Anika Mothes, die sich um die Öffentlichkeitsarbeit im Maria-Heyde-Haus kümmert. Auch die Mitarbeiter der Einrichtung ließen es sich nicht nehmen, die Jubilarin mit dem Ständchen „Geh aus mein Herz” hochleben zu lassen.