Schönebeck l Gegen vermeintliche Umweltbelastungen durch das Chemiewerk der vormaligen Schirm AG will die neugegründete Bürgerinitiative „Schönebeck ohne Gift- und Geruchsbelästigung“ informieren. Die drei Initiatoren Petra Kieser, Siegward Geistlinger und Renate Fiedler zeigten sich zufrieden mit dem Gründungstreffen des nicht eingetragenen Vereins, zu dem 18 interessierte Bürger erschienen seien.

Die Mitglieder der Bürgerinitiative wollen unter anderem klären, warum die Geruchsbelästigung und der Lärm nach einigen Jahren der Ruhe wieder zugenommen haben. Anwohnerin Petra Kieser hat daher angefangen, wieder ein Geruchstagebuch zu führen. In den vergangenen Monaten habe es etwa ein- bis zweimal im Monat in der Nachbarschaft des Chemiewerks gestunken. Im September notierte sie bisher einen Vorfall, bei dem auch die Belüftungsschächte des Werkes laut geklappert hätten.

Die Initiatoren der Bürgerinitiative geben sich ziemlich unversöhnlich. Im Prinzip fordern sie die Einstellung der Produktion. Sie bezweifeln, dass das Unternehmen über die notwendigen Genehmigungen verfüge, legten bisher jedoch keine Beweise für diese schweren Anschuldigungen vor. Unternehmen und Stadt versicherten hingegen, dass alle Genehmigungen vorhanden seien. Die Mitglieder versuchen, sich mit der komplizierten Materie auseinanderzusetzen. Es geht unter anderem um Umweltverträglichkeitsstudien, Bürgerbeteiligung und Bestandsschutz des traditionsreichen Chemiestandortes. Keine leichte Kost. Oft haben die Mitglieder daher mehr Fragen als Antworten. Doch die wollen sie haben.

Schirm lässt abblitzen

Nach einem ziemlich lauten Auftritt im Stadtrat haben sie zuletzt im Hauptausschuss sehr ungehalten ihre Fragen und Forderungen vorgetragen. Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) reagierte entsprechend genervt und wollte eigentlich ein Gespräch mit den Bürgern und Vertretern von Schirm vermitteln. Doch das Unternehmen sagte den Termin kurzfristig ab.

Die Bürgerinitiative war davon erwartungsgemäß wenig begeistert. „Das Gespräch mit dem Oberbürgermeister Herrn Knoblauch war sehr ernüchternd für uns“, teilten die Mitglieder mit. Fragen seien nicht beantwortet worden. Mittlerweile stellt die Bürgerinitiative alles, was das Unternehmen sagt oder tut, infrage.

Zudem kommen von den Mitgliedern immer wieder unbewiesene Behauptungen über angebliche Umweltverschmutzung. Eine Gewässerprobe, die die Mitglieder der Bürgerinitiative aus der Elbe entnommen hatten, wird derzeit in einem Labor ausgewertet. Ungeklärt ist die Frage, welche Chemikalien möglicherweise auf dem Gelände hergestellt oder gelagert werden. Dazu macht das Unternehmen auch auf Anfrage der Volksstimme keine Angaben. Eine Unternehmenssprecherin versicherte, dass der umstrittene Wirkstoff Glyphosat nicht in Schönebeck produziert wird.

Frist zu kurz?

Hinterfragt wird die Einhaltung der Hilfsfrist durch die Feuerwehr bei einer Havarie. Bei dem Werk muss sie demnach von den üblichen zwölf Minuten auf nur noch sieben Minuten gesenkt werden. Die Mitglieder bezweifeln, dass eine ehrenamtliche Feuerwehr dies leisten könne. Nötig seien daher hauptamtliche Kräfte oder eine Werkfeuerwehr.

Beflügelt von dem Interesse an ihrer Gründungsveranstaltung planen die Mitglieder demnächst eine weitere Informationsveranstaltung für alle Bürger. Mittlerweile werden bereits Flugblätter in der Nachbarschaft um das Chemiewerk verteilt. Weitere Aktionen sollen geplant werden. Termin ist Mittwoch, 17 Uhr, bei Familie Geistlinger, Geschwister-Scholl-Straße 130.