Zuchau l Pfarrer Ulf Rödiger ist ein Mann Gottes, der Worte und auch der Taten - aber Breakdance macht er nun wirklich nicht.

Warum? Weil dieses Foto zum Artikel den Eindruck erwecken könnte, das ihn mit einem sogenannten Ghettoblaster zeigt. Rödiger verlässt mit dem Riesen-Recorder gerade die Zuchauer Kirche nach einem Gottesdienst.

Hip Hop in der Kirche

Nun wurden ebenda schon die alternativsten Dinge angestellt: Mitte der 1970er Jahre spielte dort eine Kirchenrockband, später gab es Vorträge zu Sühnekreuzen und Hexenverfolgung, auch ein armenischer Gottesdienst wurde abgehalten. Aber Hip Hop, den gab es in Zuchau noch nicht. Jedenfalls nicht in der Kirche.

Der Rosenburger Seelsorger, der auch für Zuchau zuständig ist, spielt bei Gottesdiensten kirchliches Liedgut und klassische Musik vom Ghettoblaster ab. Das macht er nicht, um junges Volk anzulocken, sondern aus ganz pragmatischem Grund: Die Orgel der Zuchauer Kirche ist nämlich schon lange kaputt. Bei Recordersound sitzen heute die Gottesdienstbesucher artig in den Bänken und singen Gott zur Ehr’ nach CD-Musik. Sozusagen Playback. Wie - was jetzt ein bisschen blasphemisch klingt – bei einer Karaoke-Show. Das klingt gar nicht schlecht und es besteht auch keine Gefahr, dass sich der Laien-Organist verspielt.

Ein Relikt der Armen

Die Geschichte des Ghettoblasters begann übrigens 1978 in den USA. Beim Sprayen, Chillen oder sogar beim Breakdancen – überall galt er als das Mittel, um musikalisch die Straßen zu erobern. Auch der Hip Hop nahm in den Armenvierteln von New York Fahrt auf, um damit auf soziale Probleme in den Ghettos aufmerksam zu machen. Deswegen der Name: Ghettoblaster.