Landtagswahl 2021

Gunnar Schellenberger (CDU) holt bei Landtagswahl Sachsen-Anhalt Wahlkreis 20 (Schönebeck, Barby, Bördeland, Calbe)

Christdemokrat setzt sich deutlich vor den Konkurrenten der AfD, Linke, SPD, Grüne, Freie Wähler, FDP und Die Basis durch

Von Olaf Koch, Andre Schneider, Paul Schulz, Jan Dahms, Thomas Höfs, Robert Gruhne
Landtagswahl 2021, Dr. Gunnar Schellenberger (CDU) konnte den Wahlkreis 20, Schönebeck, für sich entscheiden.
Landtagswahl 2021, Dr. Gunnar Schellenberger (CDU) konnte den Wahlkreis 20, Schönebeck, für sich entscheiden.
Foto: Andre Schneider

Gunnar Schellenberger wirkt gestern Abend entspannt. Er sitzt mit ein paar Mitstreitern im Garten seines schmucken Anwesens in Biere. Von den ersten Hochrechnungen erfährt er nach eigenen Angaben erst beim Anruf der Volksstimme gegen 19 Uhr.

„Für mich ist es die fünfte Kandidatur und ich freue mich, dass ich den Wahlkreis wieder verteidigen kann“, sagt Schellenberger. „Wir haben über die Jahre Präsenz gezeigt und uns den Themen gestellt. Das ist, was die Leute von uns wollen.“ Das Ergebnis gibt dem Christdemokraten Recht. Er verbessert sein Wahlergebnis aus dem Jahr 2016 um fast vier Prozentpunkte und setzt sich mit 34,52 Prozent der Stimmen deutlich vor seinen Konkurrenten. „Wir haben mit Fachthemen gepunktet“, kommentiert Schellenberger. Diese gilt es nun weiter anzugehen.

Tobias Rausch (AfD) schafft über 20 Prozent

Dass er 22,58 Prozent der Stimmen auf sich vereinen kann, wertet Tobias Rausch als Erfolg und grundsätzlich gutes Ergebnis. Der AfD-Mann hat um 0,8 Prozentpunkte im Vergleich zur Wahl 2016 zugelegt. „Damit haben wir uns gefestigt und gezeigt, dass die vergangene Wahl keine einmalige Sache war“, sagt Rausch. Zudem habe die Wahl gezeigt, dass sich die Mehrheit der Wähler eine konservative Regierung wünsche, so Tobias Rausch.

Petra Grimm-Benne (SPD) liefert sich mit Linken-Spitzenkandidatin Eva von Angern ein Kopf-an-Kopf-Rennen um Platz drei. Untergeordnete Rollen im Wahlkreis 20 spielten Holger Goldschmidt (FDP), Robert Leubeling (Grüne), Maria Mittelstrass (Freie Wähler) und Gordon Schüler (Die Basis).

Enttäuschung bei Linke und SPD

Eva von Angern, die Spitzenkandidatin der Linken, ist enttäuscht. „Das ist eine herbe Niederlage, sowohl in Schönebeck als auch im Land“, erklärt sie. Der Grund für die Niederlage läge an der Wählerwanderung, mutmaßt von Angern. Demnach habe Die Linke viele Stimmen an die CDU verloren. Aufgrund ihres Listenplatzes sitzt die Politikerin trotz des nicht errungenen Direktmandates auch im nächsten Landtag. „Ich werde Schönebeck treu bleiben“, kündigt sie an.

Eine Partei könnte in der Magdeburger Landesregierung das „Zünglein an der Waage“ werden, wie es der Schönebecker FDP-Direktkandidat Holger Goldschmidt (7,77 Prozent) beschreibt. „Ich bin mit meinem Ergebnis sehr zufrieden“, kommentiert der Schönebecker.

Für eine mögliche Koalition steht laut Petra Grimm-Benne auch die SPD zur Verfügung. Sie ist über das Ergebnis, auch im Wahlkreis enttäuscht. „Natürlich hätte ich mir mehr erhofft.“

Mittelstraß: Gar nicht so schlecht

„Für das erste Mal gar nicht so schlecht“, meint Maria Mittelstrass zu ihrem Abschneiden bei der Landtagswahl. Sie mache nun seit zwei Jahren ehrenamtlich Politik und spreche damit auch Menschen an, zieht sie ein positives Fazit ihrer ersten Kandidatur für den Landtag.

Robert Leubeling (Grüne, 3,14 Prozent) äußert sich über das Ergebnis seiner Partei wenig zufrieden: „Nach den Umfragen hatte ich andere Erwartungen.“ Leubeling sieht jedoch positiv, dass er während des Wahlkampfs mit der Gründung einer Ortsgruppe vorankam. Das starke Abschneiden der CDU sei inhaltlich nicht vielversprechend: „Es bleibt bei einem Auf-der-Stelle-treten.“

Für Gordon Schüler (Die Basis) sind die knapp über ein Prozent trotzdem ein gutes Ergebnis, auch wenn er damit am wenigsten Stimmen gewonnen hat. „Dass ich den Wahlkreis gewinne oder fünf Prozent erringe, habe ich auch nicht erwartet“, so Schüler.

Die Wahlbeteiligung im Wahlkreis ging gegenüber der Wahl 2016 nochmals zurück. Lag sie vor fünf Jahren noch bei 58 Prozent, waren es gestern lediglich 55,25 Prozent.

Kommentar von Olaf Koch

Wissen Sie, was der FC Bayern und Gunnar Schellenberger gemeinsam haben? Sie sind Dauergewinner. Der CDU-Mann hat nicht nur zum fünften Mal in Folge seinen Wahlkreis geholt, sondern im Vergleich zur vorangegangen Wahl auch vier Prozentpunkte zugelegt. Wie in der Bundesliga ist die meiste Spannung im Keller. Sowohl der Liberale Goldschmidt als auch die Freie Wählerin Mittelstrass können ihr Ergebnis als Erfolg verbuchen. Vor allem letztere holte aus dem Stand 4,69 Prozent. Verlierer des Abends ist der Grüne Robert Leubeling mit nur 3,14 Prozent. Grüne Themen scheinen die Menschen nur geringfügig zu tangieren. Doch der absolute „Absteiger“ von gestern ist ein anderer: Wir alle! Denn lediglich gut die Hälfte aller Wähler nahm ihr Wahlrecht in Anspruch. Dafür gibt’s die Rote Karte – an alle Nichtwähler.