Schönebeck l Dr. Ulrich Plaga ist sauer. So richtig. Durch Zufall hat er von dem Vor-Ort-Termin von Kreis und Volksstimme erfahren. Er als Leiter des Dr.-Carl-Hermann-Gymnasiums. Und es geht um die Sporthalle, in der seine Schüler täglich Sport treiben. Mehr oder weniger eingeschränkt, je nachdem, ob es wieder durchs Dach tropft oder nicht.

Plaga beschwert sich beim Kreis und erhält kurze Zeit später eine offizielle Info über den Termin. Er wird ihn nicht wahrnehmen, weil er an diesem Tag nicht im Gymnasium ist. Doch es geht ihm ums Prinzip. „Klar, dass nicht gewollt ist, dass wir von dem Termin wissen sollten. Damit wir uns nicht vorbereiten und unsere Probleme ausführlich darstellen können“, ist er sich sicher. Der Kreis wolle beschwichtigen. Immerhin habe er sich bemüht, hat Dacharbeiten – erfolglos – ausgeschrieben.

Altes Problem

Den Schulleiter ärgert nicht, dass das Dach undicht ist. So etwas passiert. Es sei auch verständlich, dass man erst einmal das Leck suchen muss. Wenn also ein Jahr ins Land geht, bis alles repariert ist – okay, so Ulrich Plaga. „Aber gut 15 Jahre und man kriegt die Halle einfach nicht dicht“, fragt er kopfschüttelnd. Er sei seit 2010 dort Schulleiter. Ältere Kollegen erzählen, dass das Problem schon wenige Jahre nach der Inbetriebnahme aufgetreten sei.

Warum nicht viel eher schon gehandelt worden sei, zum Beispiel in Sachen Gewährleistungspflicht? Da muss Plaga passen, er kenne nur die Aussagen der Kollegen, und die Halle kenne er nur so.

Hinweise an Salzlandkreis

Er habe den Kreis immer wieder darauf hingewiesen, wenn das Problem – mal mehr, mal weniger stark – aufgetreten ist. Es seien dann immer Reparaturarbeiten passiert. Die Situation habe sich auch gebessert, aber das Dach sei eben immer noch nicht komplett dicht.

Es sei ja nicht nur, dass Wasser von oben durchkommt. Es landet direkt auf dem Hallenfeld. Zwei Stellen seien immer wieder betroffen. Und diese seien nicht etwa irgendwo am Rand, sondern mitten auf dem Feld. „Wenn ich eine Pfütze sehe, stecke ich den Bereich sofort ab, damit die Kinder nicht ausrutschen“, erzählt Sportlehrer Kevin Tschisgale. Das wiederum verkleinere die nutzbare Fläche. Alles andere als günstig für den Unterricht.

Problem ist Herausforderung

Beim Vor-Ort-Termin gibt Detlef Büttner, Leiter des Sachgebietes Hochbau beim Salzlandkreis, zu, dass das Dach-Problem eine echte Herausforderung sei. „Wir sind bemüht, das Leck zu finden. Wir sind dran“, betont er immer wieder.

Das Gebäude sei eine Stahlkonstruktion, das Dach Aluminium-Sandwich-Paneele. Sprich Aluminium auf Aluminium und dazwischen ausgeschäumt, in der Mitte Oberlichter aus Polykarbonat-Eindeckung mit Drahtglasscheiben. Dazu Rauch- und Wärme-Abzugsanlagen, die sich automatisch öffnen, wenn die Halle verraucht oder durch Feuer überhitzt ist.

Gewährleistung für vier Jahre

Büttner ist beim Kreis, seit es den Salzlandkreis als solchen gibt. Also seit 2007. Das Dach-Problem sei nicht gleich Thema gewesen, aber sei immer wieder aufgekommen und habe sich in letzter Zeit verstärkt. Mehr könne er dazu nicht sagen. Auch nicht dazu, dass man die bauausführende Firma hätte – wenn denn das Problem wirklich zeitnah nach der Fertigstellung aufgetreten ist – doch in die Pflicht nehmen können und müssen. Denn Gewährleistung besteht für die ersten vier Jahre.

Um das Problem in den Griff zu bekommen, habe der Kreis Geld in die Hand nehmen wollen. Ursprünglich sei davon ausgegangen worden, dass sich die Undichtigkeiten auf den Bereich des Dachoberlichtes beschränken.

Erfolglose Ausschreibungen

2018 gab es drei bundesweite Ausschreibungen zur Erneuerung dieses Bereiches für etwa 250.000 Euro – erfolglos – alle drei.

Würde man die Sandwich-Paneele auswechseln, müsste locker noch einmal mit dieser Summe gerechnet werden. Grob geschätzt würde ein neues Dach rund 600.000 Euro kosten, so der Fachmann vom Kreis. Und eine andere Dachkonstruktion? „Die der Industriebauten sind schon die günstigsten.“

Eigene Mitarbeiter eingesetzt

Als sich keine Fachfirma gefunden hat, habe der Kreis mit eigenen Mitarbeitern und vertretbaren finanziellen Aufwand versucht, das Problem anzugehen.

Der Sachgebietsleiter zählt auf: Die Hausmeister haben alle Schraubenköpfe, die sich auf der Dachfläche befinden und der Befestigung der Paneele dienen, mittels Butylband – ein selbstklebendes Dichtungsband – abgeklebt. Ebenso die Bereiche vom Übergang Dachfläche zum Oberlicht. Hätte es daran gelegen, hätte man eine dahingehende grundsätzliche Sanierung eintakten können, so Büttner. Die Abdeckbleche der Firste sind erneuert. Eine Begasung mit farbigen Gas sollte die undichte Stelle aufzeigen – nichts zu sehen. Und auch Dachdeckerfirmen seien schon um Rat gefragt worden, meinten aber, dass alles gut aussehe.

Keine dauerhafte Lösung

All die Maßnahmen hätten das Problem zwar minimiert, aber eben nicht komplett beseitigt. Es tropft immer weiter durch. Mal direkt, wenn es regnet. Mal erst mit ein, zwei Tagen Verzögerung. „Das Problem ist einfach nicht greifbar“, sagt Detlef Büttner schon leicht verzweifelt.

Nun sieht er nur noch eine Möglichkeit, um das Leck zu finden: Wenn es regnet, soll in der Halle an einer kritischen Stelle ein Gerüstturm aufgebaut werden. Dann könne genau in dem Moment jemand schauen, wo das Wasser langläuft und somit das Leck finden – so seine Hoffnung.

Schneller Aufbau

So einen Aluminium-Turm hält die Kreisverwaltung selbst vor. In den nächsten zwei Wochen will Büttner diesen zum Gymnasium bringen lassen. Dann seien die Teile da, um an einem Regentag mit wenigen Handgriffen aufgebaut zu werden.

Und wenn auch dieser Einsatz kein Ergebnis bringt? Dann müsste ein Sachverständiger hinzugezogen werden, der eine größere Öffnung der Decke vornimmt und schaut. „Wenn wir alles gemacht haben, was geht und nichts finden ... Dann wird wohl das ganze Dach runter müssen“, so der Sachgebietsleiter, doch an diese Variante will er derzeit noch nicht denken.

Neues Dach

Für Schulleiter Dr. Ulrich Plaga ist sie hingegen nicht so weit weg. „Wenn angeblich alles gemacht worden ist, was man machen kann und das Problem aber weiter besteht, dann muss notfalls eben eine neue Dachkonstruktion her, würde ich als Laie sagen“, sagt er im Vorfeld des Vor-Ort-Termins zur Volksstimme.

Als Detlef Büttner in der Sporthalle steht, schüttelt er immer wieder den Kopf. Der Kreis betreue als Träger 26 Schulen und Turnhallen. Nur bei dieser in Schönebeck sei das Dach mit Aluminium-Paneelen versehen, nur hier gebe es diese Probleme. Dabei seien diese Paneele eigentlich nicht schlecht.

Abzugsanlagen frei lassen

Bei aller Ernsthaftigkeit des Problems, schmunzelten Detlef Büttner und Kevin Tschisgale am Ende des Gespräches. Als nämlich klar wurde, dass beide Seiten auch schon drüber nachgedacht hätten, einfach eine große Plane über das Dach zu legen. In Anlehnung an den Verhüllungskünstler Christo hätte das dann auch noch einen kulturellen Effekt. „Aber Spaß beiseite“, sagt Büttner, „die Rauch- und Wärme- Abzugsanlagen müssen frei sein.“

Nun noch einmal zurück zum Vor-Ort-Termin. Die Volksstimme fragt beim Kreis nach. „Wir bedauern es sehr, dass sich Dr. Ulrich Plaga nicht ausreichend beteiligt fühlt. Das lag uns fern jeder Absicht einer kurzfristigen Terminvereinbarung und sollte auf keinen Fall die vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Schule und Landkreis belasten“, heißt es von Seiten der Pressestelle des Salzlandkreises.