Elbenau l Mit seinen gerade einmal drei Jahren weiß Ludwig Thiel schon ganz genau, was Mamas Ponys und Pferde unter anderem zu fressen bekommen: „Heu“, ruft der Junge. Und dass er ohne Mama Franziska Thiel nicht zu den Ponys und Pferden darf, weiß er auch ganz genau, hilft aber immer eifrig mit, die Heuraufe der Tiere zu füllen. „Im Sommer ist Ludwig immer dabei. Im Winter immer dann, wenn es nicht gerade total matschig ist und ich ihn, nachdem wir hier waren, erst mal grundreinigen muss“, schmunzelt Franziska Thiel.

Mitten in Elbenau auf einer Wiese zwischen Plötzkyer Straße und Neue Straße stehen sie: die Tiere von Franziska Thiel. Darunter nicht nur die Pferde und Ponys – nicht alle gehören der 36-Jährigen –, sondern auch Schafe und Ziegen.

Schon als Kind viele Tiere gehabt

Ihre Leidenschaft für Tiere begleitet die Elbenauerin eigentlich schon ihr ganzes Leben. Sie habe immer Tiere gehabt, berichtet sie. Und immer, wenn in der Umgebung ein verletztes Tier gefunden wurde, habe man es schon damals eben zu ihr und ihren Eltern gebracht. „Da gab es einen Steinmarder, eine verletzte Ringeltaube und Katzen“, erinnert sich Franziska Thiel. „Und eine Stockente“, ergänzt sie. Kein Wunder also, dass ihr im vergangenen Jahr auch ein kleiner Rehbock gebracht wurde, den Franziska Thiel dann mit der Flasche aufgezogen hat. Der handzahme „Flutschi“, so der Name des Rehbocks, bewohnt die Elbenauer Tierwiese ebenfalls.

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Gekauft hatte die Familie das Grundstück in Elbenau, das vor rund hundert Jahren noch eine Müllhalde war und auf dem sich über Jahre ein Schmiedebetrieb befand, vor fünf Jahren, berichtet Franziska Thiel. Kein Wunder also, dass die 36-Jährige mitunter noch immer alte Gegenstände wie Flaschen, Leder oder Lumpen auf dem Gelände findet, die sie und auch ihre „Reitmädels“, wie sie die Mädchen, die regelmäßig zum reiten und helfen kommen, nennt, dann natürlich einsammeln. „Die Tiere sollen sich ja nicht verletzen“, sagt Franziska Thiel. Abgesucht hat sie das Gelände bereits mehrfach, aber irgendwie taucht das ein oder andere Teil trotzdem noch auf – auch Hufeisen. Relikte aus der Zeit des Schmiedebetriebes.

Erste Wiesen-Tiere waren Schafe

Kurz nachdem die Familie das Grundstück erworben hatte, zogen die ersten Tiere ein – und das waren nicht die Pferde. „Ich wollte immer schon Schafe haben“, sagt die Elbenauerin. Und seit fünf Jahren ist sie nun Besitzerin von Schafen. Vier Schafe und ein Bock, wenn Nachwuchs da ist – und das ist aktuell der Fall –, dann sind es auch mal mehr Tiere. Ihre Wahl war damals auf die Hausschafrasse Dorperschaf gefallen. „Weil sie nicht geschoren werden müssen und gut verkäuflich sind“, erklärt die Elbenauerin, die Mitglied im Landesschafzuchtverband Sachsen-Anhalt ist, aber kein eigenes Tier der Schlachtung zuführt. „Das kann ich einfach nicht.“

In der Box neben den Schafen sind zudem Ziegen untergebracht – Anglo-Nubische Ziegen. Zwei weibliche Tiere, ein Bock, deren Nachwuchs und ein Mönch (kastrierter Ziegenbock). „Den wollten die Kinder unbedingt behalten“, sagt Franziska Thiel. Was sie mit der Ziegenmilch mache? „Zu Käse verarbeiten natürlich.“ Im vergangenen Jahr sei die allerdings für die Flaschenaufzucht von Rehbock Flutschi draufgegangen.

Mehrfach am Tag bei den Tieren

Oft ist die Elbenauerin mehrmals am Tag bei den Tieren. Bei der anfallenden Arbeit unterstützt sie aber nicht nur Sohnemann Ludwig tatkräftig, sondern auch die Reitmädels, die Stalldienste übernehmen. Doch grundsätzlich findet sie: „Ein Pferd ist der schönste Grund, nie Zeit zu haben und immer pleite zu sein.“

Ein Glück also, dass auch ihr Mann das Pferdehobby teilt. Beide hatten sich durch das gemeinsame Hobby auch kennengelernt. Bis vor zwei Jahren stand Franziska Thiels Pferd, ein Anglo-Araber, noch auf einem Hof in Wahlitz. Noch heute reite sie gern von Elbenau in den Ortsteil der Stadt Gommern, um mit Freunden von dort mitunter bis nach Nedlitz zu reiten. Das Tinker-Pferd und die Mini-Shettys kamen erst später dazu. Eines der Shettys gehört einer Freundin von Franziska Thiel, ein weiteres Pferd einem der Reitmädels. „Die Shettys kommen regelmäßig vor die Kutsche“, erzählt Franziska Thiel.

Seele baumeln lassen auf der Wiese

Zurzeit ist die 36-Jährige noch häufiger als sonst auf der Wiese anzutreffen. Bedingt durch den Lockdown kann sie ihrem Job als Köchin im Partyservice der Eltern nicht nachgehen. Und so bleibt mehr Zeit für die Tiere – und die Betreuung der Kinder. Denn nicht nur Ludwig kann die Kita derzeit nicht besuchen, sondern auch seine große Schwester ist daheim – Homeschooling ist angesagt.

Manchmal komme sie aber auch nur zu der Wiese mitten in Elbenau, um einfach mal die Seele baumeln zu lassen, erzählt Franziska Thiel. „Dann stehe ich einfach da und beobachte die Tiere.“ Sie findet: „Wenn man sowas nicht liebt, dann bringt das mit den Tieren auch nichts.“ Und sagt über sich selbst: „Klar, ich könnte auch einfach mal auf der Couch sitzen, aber dafür bin ich nicht der Typ.“

Und wenn Franziska Thiel sich dann von ihren Wiesen-Tieren lösen kann, erwartet sie zu Hause nicht nur eine Couch – sondern noch mehr Tiere. „Wir haben Bienen“, erzählt sie, „und ich züchte Katzen.“ Und zwar Singapuras, die die kleinste Rassekatze sind. Doch das ist eine andere Geschichte.