Plötzky l Entlang der gesamten Gartenstraße verläuft sie, die hohe Wand aus Aluminium. Einige Bewohner schauen neugierig aus den Fenstern und beobachten, was in ihrer Straße passiert. Doch Grund zur Aufregung gibt es nicht – im Gegenteil.

Denn die silbernen Wände, die den Bewohnern heute ihren Ausblick auf das Elbufer versperren, sind nur das Ergebnis einer Übung für den Extremfall. Es handelt sich um eine mobile Hochwasserschutzwand, die vorübergehend auf die stationäre Schutzwand aus Beton aufgebaut wird. „Die dauerhafte Wand schützt dann, wenn das Bemessungshochwasser (BHW) 100 eintritt“, erklärt Projektverantwortlicher Ulf Reimherr vom Landesbetrieb für Hochwasserschutz (LHW). Hierbei handele es sich um einen statistischen Wert, der etwa alle 100 Jahre zutrifft. Ist das Hochwasser höher als erwartet oder kommen witterungsbedingt etwa Wellenschlag oder Eis hinzu, soll laut Reimherr der mobile Hochwasserschutz eingesetzt werden.

So stark wie schwächstes Glied

Damit im Extremfall alles reibungslos funktioniert, wurde gestern in Plötzky die mobile Hochwasserschutzwand durch die beauftragte Baufirma und die Schönebecker Wasserwehr aufgebaut. „Es muss einmal geprüft werden, ob alle Einzelteile zusammenpassen oder ob etwas fehlt“, so Reimherr. Denn so eine Wand sei laut des Spezialisten nur so stark, wie ihr schwächstes Glied. „Jede Schraube muss sitzen, an keiner noch so kleinen Stelle darf das Wasser durch die Wand dringen“, erklärt Reimherr weiter.

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Damit die mobilen Wand-elemente und der Betonschutz komplett aufeinander abschließen, ist an dem unteren Teil der mobilen Wand jeweils eine Dichtung aus Moosgummi als Abdichtungselement befestigt. Mithilfe eines Klemmbügels wird die Wand – und somit auch das Gummi – nach unten auf die Betonmauer gepresst. Das Moosgummi füllt jegliche Lücken inklusive der in die Betonwand eingebauten Dehnungsfugen komplett aus.

Gartenstraße hat leichtes Gefälle

Insgesamt 190 Meter ist die Wasserschutzmauer an der Plötzkyer Gartenstraße lang. Die Betonelemente sind zwischen 0,5 und 1,8 Metern hoch, die mobile Anlage misst zusätzlich zwischen 0,5 und einem Meter. „Die unterschiedlichen Höhen erklären sich dadurch, dass die Gartenstraße eine leichtes Gefälle hat“, so Reimherr. Kostenpunkt für die mobile Anlage ist in Plötzky etwa 160.000 Euro, die zuvor gebaute stationäre Schutzwand, die auf bis zu 7,5 Meter hohen Bohrpfählen errichtet wurde, hat 750.000 Euro gekostet.

Doch wie wird überhaupt entschieden, wo eine mobile Wasserschutzwand aufgebaut wird? Reimherr erklärt: „Mitten in Plötzky können wir natürlich keinen Deich bauen, da ist eine mobile Wand eine gute Alternative.“ Diese Variante hat einen großen Vorteil für die Bewohner der Straße: Ihre Sicht wird nicht permanent durch eine hohe Mauer versperrt, trotzdem wissen sie auch bei einem größeren Hochwasser ihre Häuser geschützt. Der Übungsaufbau hat sich in Plötzky übrigens gelohnt: Denn einige Einzelteile fehlen noch und müssen nachgeliefert werden, ein paar Klemmbügel passen noch nicht und müssen angepasst werden.

Die Elemente der mobilen Wand werden ab sofort bei der Feuerwehr in der Tischlerstraße gelagert. Dort stehen bereits Container mit mobilen Hochwasserschutzelementen anderer Schönebecker Anlagenstandorte – die sich etwa in der Müllerstraße, am Salzblumenplatz, am Elbweg oder beim Weltrad befinden.

„Wenn wir 2020 mit den Arbeiten an weiteren Standorten (siehe Infokasten) fertig sind, werden es insgesamt etwa 30 Container sein, die im Feuerwehrgebäude in der Tischlerstraße lagern“ so Reimherr. Das nächste Mal ausgepackt werden sollen die mobilen Elemente jedoch im Idealfall bereits wieder im kommenden Jahr. Und zwar hoffentlich nicht für ein tatsächliches Hochwasser, sondern für eine Übung der Wasserwehr. Denn, so Ulf Reimherr: „Es wäre schön, wenn diese zukünftig jedes Jahr in Eigenregie realisiert wird.“