Hobby

In Welsleben: Amerikansiche Autos in der Kaufhalle

Von Robert Gruhne
Jahrelang stand die Kaufhalle leer. Dann räumte Tommes Heil von der ?Cars and Vintage Crew? die Regale raus und machte Platz für seine Fahrzeuge ? vor allem US-Pick-ups.
Jahrelang stand die Kaufhalle leer. Dann räumte Tommes Heil von der ?Cars and Vintage Crew? die Regale raus und machte Platz für seine Fahrzeuge ? vor allem US-Pick-ups. Fotos: Robert Gruhne

Welsleben

„Hier war das Gemüse!“ Der Ortsbürgermeister von Welsleben, Hans-Jürgen Korn, geht staunend durch die ehemalige Kaufhalle des Ortes. Doch wo früher die Gurken lagen, sind heute Auspuffrohre, Reifen und allerlei andere Autoteile zu finden.

An den Wänden hängen noch ein paar Reklameschilder für Zeitschriften, aber ansonsten ist das Geschäft, in dem bis 2009 der Edeka Mieruch und danach noch kurz ein anderer Lebensmittelhandel war, nicht wiederzuerkennen. Die auffälligste Veränderung: Der ganze Laden steht voller Autos und Motorräder, darunter mehrere US-amerikanische Pick-ups.

„Ich musste die Tür verbreitern, damit die reinpassen“, sagt Tommes Heil. Er ist seit 2019 Eigentümer der Halle und hat einiges verändert. Drei Monate lang riss er Altes ein und baute Neues auf. Dabei wusste er anfangs noch gar nicht, was er mit der Halle machen wollte. Fest stand bloß, dass er einen Platz brauchte für seine Fahrzeuge.

Die Faszination der großen Motoren

Amerikanische Autos und Motorräder sind seit seiner Jugend Heils Hobby. „Mein Vater war in Kaiserslautern Barkeeper und war mit einem Soldaten aus den USA befreundet“, erzählt Heil. Die Bilder und Videos, die der nach Deutschland schickte, prägten den damals jungen Schönebecker. Die Faszination war geboren. Aber was genau begeistert ihn an den Fahrzeugen? „Dafür muss man ihn anmachen“, meint Heil und springt auf den Fahrersitz seines 1976er Ford F600, ein ehemaliger Heuwagen, der vor der Halle steht. Er tritt aufs Gas, der Motor heult auf. Das charakteristische „Blubbern“, ausgelöst durch den großen Hubraum, ertönt und Heil ist in seinem Element.

In Welsleben will der 55-Jährige nun beruflich amerikanische Fahrzeuge aufbereiten. Eigentlich ist er Fleischermeister und hatte eine eigene Fleischerei – die Wursttheke der Kaufhalle hat er auch drinnen gelassen. „Danach habe ich viele andere Sachen gemacht, Weihnachtsbäume verkauft, mit Schrott gehandelt, Umzüge ...“, zählt Heil auf. Auch als Bodybuilder war er eine Zeit lang erfolgreich. Jetzt will er sein langjähriges Hobby zum Beruf machen.

Wenn man amerikanische Autos aufbereitet, müsse man sich Heil zufolge gut auskennen: „Das sind noch Autos, wo man wissen muss, wie man sie einstellt.“ Oft muss man Teile gar nicht auswechseln, sondern einfach wissen, wie es geht, zum Beispiel beim Vergaser. Kleinere Arbeiten und die Pflege der Autos übernimmt Heil ab Juli. Außerdem verkauft er Ersatzteile und ab und an Fahrzeuge, Reparaturen vermittelt er. Auf dem Gelände ist zudem Platz zur Überwinterung der Fahrzeuge. Dafür ist die Halle gut gelegen, nur drei Minuten von der A14 entfernt.

Zweimal jährlich „Amerika in Welsleben“

Seine Kunden kommen aus ganz Deutschland. „In der Szene sind alle relaxed“, sagt Heil – und gesellig. Wenn es wieder möglich ist, möchte er ein bis zwei Mal im Jahr ein „Amitreffen“ in Welsleben veranstalten.

Einen Vorgeschmack darauf bekamen die Welsleber zur Einweihungsfeier 2019. „Da war Welsleben halb Amerika“, erinnert sich Heil. Aus dem Dorf seien viele zum Mitfeiern und Grillen gekommen. So möchte Heil es auch in Zukunft handhaben. Ortsbürgermeister Hans-Jürgen Korn freut sich, dass wieder Leben in die Kaufhalle kommt. Letzte Woche begrüßte er Heil nun offiziell mit einem Welsleber Kalender.

Dass auch Heil um ein gutes Zusammenleben mit der Dorfgemeinschaft gelegen ist, zeigte er bei der Eröffnung, auf der er ein Auto versteigerte und den Erlös an die Welsleber Kindertagesstätte spendete. Die „Kleinen Welse“ dankten es ihm mit einer Karte. Heil weiß darum, dass seine großen Maschinen einem auch mal einen Schrecken einjagen können und versichert: „Vorm Kindergarten gebe ich kein Gas!“