Calbe l Die Kirche entdeckt und nutzt das Internet in der Corona-Pandemie. Weil Gottesdienste mit vielen Menschen an einem Ort untersagt sind, damit sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann, hat der Calbenser Pfarrer Jürgen Kohtz am Sonntag auf die moderne Technik zurück gegriffen, um die rund 650 Mitglieder starke Gemeinde zu erreichen.

Auf dem Video, was an diesem Sonntagvormittag aus einem Haus im verschönerungsweg in das weltweite Internet geschickt wird, sieht es so aus, als stehe der Pfarrer in Sankt Stephanie. Dabei steht er in einem Raum in einem Einfamilienhaus am Stadtrand vor einen blauen Tuch. Die einheitliche Farbe ist wichtig, damit der Computer den Hintergrund in das Bild bauen kann.

Student hilt bei Umsetzung

Simon Berner, ein Student der Informatik und Mitglied der Gemeinde, hat sich um die technischen Fragen gekümmert. Über eine kleine Internetkamera nimmt er den Gottesdienst auf und sendet ihn in das Netz. „Etwa 40 Menschen haben sich den Livestream angesehen“, sagt er, als der Pfarrer den Gottesdienst beendet hat. Gut eine halbe Stunde später haben bereits mehr als 100 Menschen den Gottesdienst angesehen, der als Video auf der Internetseite der Gemeinde abrufbar ist.

Das ist mehr als sonst in der Kirche versammelt sind, wenn Jürgen Kohtz vor die Gemeinde tritt, meint Bärbel Berner, die aufmerksam verfolgt, wie die Übertragung zustande kommt. Die Corona-Pandemie ist es auch, mit der sich der Pfarrer in dem Gottesdienst beschäftigt. Jürgen Kohtz macht den Mitgliedern der Gemeinde Mut, die Pandemie und die Situation besonnen zu überstehen. Es gebe noch andere Orte auf der Welt, wo es den Menschen bedeutend schlechter gehe, erinnert er auch an Kriegsflüchtlinge. Hier seien es die Kinder, die unter dem Krieg, der Flucht zu leiden haben, erklärt er. Dagegen seien die Beschwerlichkeiten des öffentlichen Lebens in Deutschland vergleichbar gering, auch wenn die Menschen Zukunftsängste plagen.

Die Botschaft kommt in der Gemeinde gut an, schildert er anschließend. Manche melden sich und schicken eine Nachricht an den Pfarrer. Darin bedanken sie sich dafür, dass sie Halt und Trost gefunden haben, schildert er.

Situation für Pfarrer neu

Die aktuelle Situation ist nicht nur für Jürgen Kohtz neu. Die ganze Gesellschaft muss sich daran gewöhnen. Noch weiß niemand, wie lange die Menschen auf die Kontakte untereinander verzichten müssen, wie lange die Isolation notwendig ist, um die Pandemie einzugrenzen. Erst in den kommenden Tagen wird sich anhand der Zahlen über die Zunahme der Erkrankten zeigen, ob die Einschränkungen etwas bewirkt haben. Denn das System reagiert sehr träge, und es dauert einige Tage, bis sich Erfolge einstellen oder Misserfolge sichtbar werden. Doch wird es einen weiteren Gottesdienst am kommenden Sonntag im Internet geben? Darauf werde zu gegebener Zeit eine Antwort kommen, sagt der Pfarrer. Er wolle sich noch nicht festlegen.

Mit großer Wahrscheinlichkeit wird der Livestream auch in sechs Tagen die einzige Möglichkeit sein, mit den Mitgliedern der Kirchengemeinde in Kontakt zu treten. Die moderne Technik sei dafür gut geeignet, schwärmt er. Aktuell prasseln auch auf den Pfarrer viele Nachrichten, Hinweise und Dienstanweisungen ein, schildert er.

Unklar sei noch, wie Ostern gefeiert werden soll. „Da habe ich eine Taufe. Vielleicht können wir das auch mit wenigen Personen im Internet machen, damit die Taufe nicht ausfallen muss“, denkt er laut nach. Aber da wolle er sich noch nicht festlegen, schiebt er nach. Bis Ostern ist ja noch etwas Zeit, die genutzt werden könne.