Die Infektionszahlen mit dem Coronavirus steigen. Während die Regierung einen härteren Lockdown plant, entsteht in Staßfurt ein Impfzentrum, auch mobile Teams soll es geben. Das Hausarztteam um den Schönebecker Mediziner Dr. Robin John, das bereits die hiesige Fieberambulanz betreibt, hat sich bereit erklärt, diese Teams personell zu unterstützen, erklärt er im Interview mit Redakteurin Bianca Oldekamp.

Volksstimme: Die Infektionszahlen steigen. Am Donnerstag vermeldete der Salzlandkreis 69 Neuinfektionen. Das sind so viele wie noch nie innerhalb eines Tages. Woran liegt das Ihrer Meinung nach?

Dr. Robin John: Was das angeht, kann ich aus der Schönebecker Fieberambulanz berichten, dass die Positiv-Ergebnisse ungefähr gleich geblieben sind. Von den rund 300 bis maximal 350 Personen, die in Schönebeck wöchentlich getestet werden, sind rund 20 Prozent mit dem Virus infiziert – manchmal auch weniger. Trotzdem ist es wichtig, in Anbetracht der gemeldeten Infektionszahlen im Landkreis die AHA-Regeln einzuhalten – auch in Betrieben.

Warum gerade in Betrieben?

Gefühlt schwingt die „Sommer-Corona-Mentalität“ nach. In dieser Zeit lagen die Infektionszahlen auf einem vergleichbar niedrigem Niveau. Erst wenn in Betrieben wirklich ein Fall auftritt, wird die derzeitige Situation ernster genommen. Homeoffice-Möglichkeiten sollten genutzt werden.

Wie sehen Sie denn die jetzige Lage im Vergleich zum Anfang der Pandemie?

Das, was zu Anfang des Jahres war, ist mit der jetzigen Situation nicht mehr zu vergleichen. Wir sind erst jetzt richtig in der Pandemie angekommen.

Halten Sie die aktuellen Maßnahmen der Landesregierung entsprechend für angemessen?

Ich bin zwar kein Epidemiologe, aber ich denke, dass es in vielen Bereichen des Landes ohne die Maßnahmen zur Überlastung des Gesundheitssystems kommen kann. Da ein Lockdown im Moment die einzig effektive Maßnahme gegen ansteigende Infektionszahlen zu sein scheint, halte ich die geplanten Maßnahmen für schmerzhaft, aber angemessen. Wie genau ein Lockdown gestaltet wird und wie lange er anhält ist in einer repräsentativen Demokratie letztlich eine politische Frage.

Schon seit einigen Wochen gibt es ja wieder die Möglichkeit der telefonischen Krankschreibung. Wird diese verstärkt genutzt?

Diese Art der Krankschreibung wird wieder genutzt. Da aber die meisten Patienten, die anrufen und Coronasymptome schildern dann ohnehin in die Fieberambulamz zum Test kommen, werden sie auch dort krankgeschrieben und nicht zwangsläufig direkt am Telefon.

Die Eröffnung des Impf- und Logistikzentrums des Salzlandkreises in Staßfurt rückt näher. Es soll auch mobile Impfteams geben. Sie betreiben ja nun schon das Schönebecker Fieberzentrum. Werden Sie auch impfen?

Impfzentren werden vor allem errichtet, um die wenigen Impfdosen, die bisher zur Verfügung stehen, effektiv zu nutzen. Es ist also leider nicht so, dass jetzt alle zum Impfzentrum gehen und sich eine Spritze abholen können. Zunächst wird Bewohnern im Pflegeheim und deren Personal eine Impfung angeboten, da hier zur Zeit die größte Gefährdung besteht. Die Impfung ist selbstverständlich freiwillig. Bis ein Impfstoff in der Flächenversorgung in den ambulanten Arztpraxen ankommt, wird es noch einige Zeit dauern. Tatsächlich wurden Ärzte vom Land angefragt, ob Sie bereit sind, in mobilen Impfteams mitzuarbeiten. Wir als Hausarztteam Schönebeck können uns vorstellen im Auftrag des Landes mit Ärzten und Schwestern Teil solcher Impfteams zu werden und haben diese Bereitschaft auch bereits mitgeteilt. Wie genau das dann ablaufen soll und ob wir wirklich eingesetzt werden, wissen wir allerdings noch nicht. Das wird dann alles etwas spontan laufen.

Wie stehen Sie dem Thema Impfen selbst grundsätzlich gegenüber?

Ich bin zwar kein Impfexperte, finde den Biontech-Impfstoff aber gut. Klar, der Impfstoff ist schnell entstanden und teils ja schon zugelassen worden, aber letztlich war der Zulassungsprozess, bei dem nicht nur die Wirksamkeit, sondern auch die Sicherheit geprüft wird, wie bei jedem anderen Impfstoff – nur eben viel schneller. Ich persönlich würde mich impfen lassen.