Calbe l Sie machen nicht viel Aufhebens um sich und ihr Wirken. Aber sie leisten doch seit nunmehr 60 Jahren einen kulturellen und repräsentativen Beitrag für die Rolandstadt am Saalebogen. Die Rede ist von den Calbenser Reitern, die am Wochenende gebührend mit einem Reitertag ihr Jubiläum begangen haben.

Der Reitsport sei eine fordernde Freizeitbeschäftigung, findet Markus Löbert. Seit 1978 - also seit knapp 40 Jahren - gehört der Calbenser gewissermaßen zu den Stammreitern. Beim hiesigen Reitverein zähle der Spaß an der Sache, mit dem jeder einzelne dabei ist. Zum Leben erweckt wurde diese Freude durch Löberts Vater, der selbst Pferde besaß und Kutsche fuhr. Verletzungen und Unfälle, wie sie den Akteuren auch bei jeder anderen Sportart widerfahren können, haben ihn das Interesse daran längst nicht verlieren lassen. „Passiert etwas, steigt man wieder auf“, formuliert er salopp mit Blick auf eine Wagonette. Dabei handelt es sich um eine Kutsche, mit welcher der 49-Jährige im Gespann oder mit einem Pferd Hindernisse umfährt.

 „Man muss wirklich sagen, dass das ein sehr zeit- und kostenintensives Hobby ist“, erzählt der Reiter. In den zwei Jahren, in denen er das Kutschenfahren bereits betreibt, sei es auch schon zu Unfällen gekommen. Etwa bei einer Übungsfahrt durch das Gelände. „Ich habe die falsche Bremse getreten, und deshalb bin ich mit der Kutsche seitlich weggerutscht“, erinnert sich Löbert zurück. Doch nichtsdestotrotz will er sich im kommenden Jahr erneut auf Kreisebene an Reiter- und Kutschenwettbewerben beteiligen. Sein zweiter Platz beim Hinternisfahren zum Reitertag in Calbe hat ihn darin abermals bestätigt. Dafür aber müsse er gut im Training stehen, das in diesem Jahr aus diversen Gründen zurückgesteckt wurde.

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Treue auch nach Unfällen

Neben Löberts Pferden streichelt die 13-jährige Emily Zietz ihrer Daflora sacht durch die Mähne. Das Mädchen aus Neugattersleben ist Mitglied bei den Calbenern, weil sie unter anderem die großzügige Reitanlage und die individuelle wie auch rührige Unterstützung durch Vereinsmitglieder - beispielsweise bei der Vorbereitung auf Wettebwerbe - schätze. Dreimal hat Zietz bereits den Titel der Kreismeisterin im Dressurreiten der Einsteiger- und Anfänger-Klasse ergattert. Für sie ist der Pferdesport eine wichtige und willkommene Abwechslung zum schulischen Alltag. Emily ist dem sportlichen Metier seit acht Jahren treu ergeben.

Ans Aufhören oder Wechseln denkt auch sie nicht, wenngleich ihr ein Unfall vor mehreren Monaten noch als Schock in den Gliedern sitzt. Bei einem Springturnier sei ihre Hannoveranerstute zu früh abgesprungen. Der Sturz folgte. „Ich lag zwei Tage mit einer Gehirnerschütterung im Krankenhaus“, erzählt das Mädchen. In der Konsequenz müsse sich nun erst einmal das Vertrauen zwischen Mensch und Tier wieder stärken. „Und dafür sind diese Veranstaltungen wirklich gut“, liegt ein Lächeln auf ihrem Gesicht.

Erfolgserlebnisse schaffen ohne das Gefühl knallharten Konkurrenzdruckes: Das spiegelt das Credo des Calbenser Reitertrüppchens wider, findet die Vorsitzende der derzeit 37 Vereinsmitglieder, Elisabeth Heyer. Unter diesen finden sich zahlreiche Helfer, die den organisierten kleinen wie großen Reitertag zu einem Erfolg werden lassen. Das ist genauso wenig selbstverständlich wie die Bereitschaft der Reitfreunde, andere Mitglieder - meist Kinder und Jugendliche - auf ihren eigenen Pferden reiten und trainieren zu lassen. Wichtig ist das vor allem für Reitanfänger, die beispielsweise auch nur einmal in den Pferdesport hineinschnuppern und sich dafür nicht extra ein Pferd anschaffen wollen. Andere Reitvereine kompensieren dies mit dem Halten von Vereinspferden, doch bei den Calbensern gibt es die nicht. Genauso wenig wie eine Reithalle. Die - so Heyer - würde auch nicht benötigt.