Kirche

"Judensau"-Debatte stagniert

Wie es mit den Plastiken an der Stephanikirche in Calbe weitergeht ist immer noch unklar.

Von Thomas Höfs

Calbe l Die Diskussion über die Zukunft der Chimären an der Stephanikirche im vergangenen Jahr ist inhaltlich kaum von der Stelle gekommen. Dieses Fazit zieht auch Bürgermeister Sven Hause, der über das Programm Demokratie Leben ein Projekt initiiert hatte, welches sich mit der „Judensau“ an der Kirche und dem heutigen Umgang damit beschäftigen soll.

Bislang stehen sich zwei Lager in der Saalestadt gegenüber. Pfarrer Jürgen Kohtz, der inzwischen im Ruhestand ist, hatte sich dafür eingesetzt, die Plastik, die zum Ende des Mittelalters an die Kirche kam, abzunehmen. Er begründete dies damit, dass die Plastik auch heute noch die Menschen jüdischen Glaubens verletzte. Auf der anderen Seite halten vor allem die Mitglieder des Heimatvereins wenig von der Abnahme der Plastik von der Kirche. Die Bilderstürmerei sei nicht die Lösung, meinen sie. Vielmehr müssten die Chimären, die in der Zahl mehr als ein Dutzend betragen, erklärt werden. In einer Zeit, als die Kirche die Deutungshoheit über viele Dinge hatte, die meisten Menschen nicht lesen und schreiben konnten, wirkten die Chimären anders. Sie machten den Menschen klar, was nicht der Ansicht der Kirche entsprach. Die Chimären sind ein Teil der Kirchengeschichte, meinen die Heimatfreunde in der saalestadt.

Bislang ist die umstrittene Figur zwar restauriert und wieder an der Kirche angebracht. Die Plastik ist allerdings verhüllt worden. Die Verhüllung soll nur vorübergehend sein, bis eine abschließende Lösung gefunden ist.

Beschäftigt haben sich die Calbenser bereits mit der Lösung der Wittenberger Kirchengemeinde, die eine ähnliche Plastik an der Kirche besitzt. Auch dort gab es eine breite Debatte über die Zukunft der Chimäre. Auf einer Tafel wird die Bedeutung der Plastik erklärt. Das könnte sich auch die Calbenser aus dem Heimatverein vorstellen. Allerdings sollte die Erklärung dabei nicht nur auf die „Judensau“ beschränkt werden, meint der Heimatforscher Dieter Horst Steinmetz. Auch die Bedeutung der anderen Figuren sollte erklärt werden. Welche Bedeutung sie in der damaligen Zeit hatten und was sie den Menschen sagen sollten müsse heute dargestellt werden, weil es kaum noch bekannt sei, meint er. Die Debatte soll in diesem Jahr fortgesetzt werden.