Schönebeck l Einst war er der künstlerischer Leiter der Mittelsächsischen Philharmonie – nun wird er Chefdirigent der Mitteldeutschen Kammerphilharmonie in Schönebeck. Die Rede ist von Jan Michael Horstmann, der ab kommender Spielzeit die Leitung des Schönebecker Klangkörpers übernehmen wird. Am Mittwoch soll der 50-Jährige bei einer Pressekonferenz erstmals vorgestellt werden. Der Volksstimme bestätigte Jan Michael Horstmann allerdings bereits exklusiv vorab: „Ja, ich komme nach Schönebeck. Die Verträge sind bereits unterschrieben.“

Lange Jahre in Magdebug

Jan Michael Horstmann war zuletzt Operndirektor das Landesbühnen Sachsen in Radebeul bei Dresden. Das Multitalent ist sowohl Dirigent, Cembalist, Pianist, Moderator, Regisseur und Chansonnier und arbeitete bereits in verschiedenen Häusern in Deutschland. Gastspiele führten ihn zudem nach Spanien, Schottland, Japan, Brasilien sowie den Niederlanden.

In der Region ist Jan Michael Horstmann vor allem durch seine Tätigkeit am Theater Magdeburg bekannt, wo er von 1996 bis 2004 stellvertretender Generalmusikdirektor war. Die Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt kennt er daher sehr gut. Zudem dirigiert er regelmäßig das Abschlusskonzert der Händel-Festspiele in der Galgenbergschlucht in Halle mit der Staatskapelle Halle.

Geboren wurde Jan Michael Horstmann in Frankfurt am Main als Sohn eines Schauspielers und einer Tänzerin. Sein Dirigierstudium absolvierte an der Hochschule für Musik und Theater Hamburg bei Klauspeter Seibel. Nach dem Studium arbeitete er zunächst am Tanztheater in Wuppertal.

Jüngster Dirigent des Rosenkavalier

Die Volksstimme berichtet bereits vor mehr als 20 Jahren über Jan Michael Horstmann, als er im Juni 1998 am Großen Haus in Magdeburg die musikalische Inszenierung der Uraufführung des Balletts „Effi Briest“ von Irene Schneiderleitete. „Die Partitur räumt dem Orchester sehr viele Freiräume ein. Der Dirigent entscheidet über das Klangbild gemeinsam mit den Musikern“, erläuterte den Besuchern das Werk damals im Rahmen einer Matinee. Jan Michael Horstmann galt seinerzeit im deutschsprachigen Raum als der jüngste Dirigent, der Richard Strauss‘ „Rosenkavalier“ jemals dirigierte. Auch das Musical „Hair“ leitete er damals in Magdeburg.

Über seine Erfahrungen sagte er der Volksstimme im Januar 2000: „Das Wuppertaler Tanztheater hat mich geprägt, meine besondere Liebe zum modernen Tanztheater hat Pina Bausch geweckt“, erklärt Jan Michael Horstmann seine besondere Vorliebe für moderne, hochexpressive Choreografien, die Irene Schneider in den letzten Jahren gemeinsam mit ihm in Magdeburg kreiert hat.

Horstmann spielt Cembalo und veranstaltet regelmäßig Abende mit Chansons, die er als „Poesie der Straße“ bezeichnet. In den kommenden Monaten dirigiert er die Operette „Der Vetter aus Dingsda“ von Eduard Künneke an verschiedenen Bühnen in Sachsen.