Barby l Ortstermin Kirchplatz Barby. Die Sonne scheint, die Mitarbeiter des Gartenbaubetriebes stehen mit Spaten und Wasserkannen „Gewehr bei Fuß“, Ortschaftsräte, Stadträte und ein paar Vertreter der evangelischen Kirchengemeinde sind gekommen. Bürgermeister Torsten Reinharz würdigt den Moment mit warmen Worten. Nun trage mit Pflanzung einer Luther-Eiche auch Barby seinen Teil zum Reformationsjubiläum bei.

In der Elbestadt bemerkte man bisher in dieser Beziehung noch nicht viel. Luther war zwar nicht in Barby, hatte das Grafenhaus aber schnell auf seiner Seite. Auf Vermittlung des Reformators erhielt Pfarrer Werner Steinhausen 1545 eine Anstellung als Hofprediger und Superintendent. Die Eiche wurde auf kirchlichem Grund gepflanzt. Zuvor hatten Mitglieder des Gemeindekirchenrates akribisch Karten im Stadtarchiv gewälzt, um den richtigen Standort zu bestimmen. Denn früher war der Kirchplatz keine so große Freifläche wie heute, sondern dicht bebaut. Der Baum würde es übel nehmen, wenn er ausgerechnet auf unterirdische Fundamente gesetzt würde, die unter der Rasennarbe schlummern.

Zustimmung war nicht überall

Der Ortschaftsrat hatte zuvor einstimmig dieser Pflanzaktion zugestimmt. Doch nicht jeder konnte sich dafür erwärmen.

So bat Otto Bleich vom Tourismusverein „Grafschaft Barby“ an die Mitglieder des Ortschaftsrates gewandt, keine Luther-Eiche an dieser Stelle zu pflanzen. „Wir würden es für sinnvoller erachten, diese Eiche in die Neupflanzungen auf dem stark geschädigten Altbestand von Eichen auf dem Elbwerder zu integrieren. Dies habe zum Fortbestehen dieses erhaltenswürdigen Altbestandes bereits etliche Barbyer Bürger getan“, schreibt Bleich.

Der Vereins-Vize führt als Argument an: „Unser Verein wollte in Verbindung mit der Firma Cargill anlässlich der 1050-Jahrfeier von Barby (2011) eine Eiche auf dem Kirchplatz pflanzen.“ Das sei vom damaligen Bürgermeister Strube und dem Stadtrat abgelehnt worden. „Dies dürfte den jetzt handelnden Personen, die bereits zu diesem Zeitpunkt politische Verantwortung trugen, bekannt sein“, grollt Otto Bleich.

Es ging um eine Fichte

„Ich erinnere mich, dass wir damals dieser Auffassung waren“, sagt Jens Strube auf Anfrage. Es sei zudem um eine Fichte gegangen, die man alle Jahre wieder als Weihnachtsbaum schmücken wollte. Strube sei auch heute noch der Auffassung, dass der Kirchplatz nicht mit Bäumen bepflanzt werden sollte.

Ortsbürgermeister Ernst Neugebauer, der die Idee zur Pflanzung einer Luther-Eiche hatte, hält dagegen. Die Eiche solle auf jeden Fall den Status eines Solitärbaums haben. Erstens müsse der Blick auf das Ensemble der Marienkirche aus städtebaulicher Sicht weitestgehend frei bleiben, und zweites seien 500 Jahre Reformation ein markantes Datum. Eine weitere Bepflanzung lehnt Neugebauer an dieser Stelle strikt ab. Aber warum - und darum ging es Otto Bleich in erster Linie - wurden die Bemühungen seines Vereins vor sechs Jahren abgeschmettert? Gilt nicht der Grundsatz „Gleiches Recht für Alle“?

„Ja, für Vereine untereinander schon“, kontert Ernst Neugebauer. „Wenn der Stadtrat das einem Verein genehmigt, müsste er es allen anderen Vereinen auch gestatten.“ Und dann bestünde die Gefahr, dass demnächst immer wieder Bäume auf dem Kirchplatz in den Boden kämen. So war es eine reine Aktion des Ortschaftsrates, der schließlich das Mandat der Bürger habe, ein Verein nicht.

Schule will Pflege übernehmen

Axel Tönnies, Lehrer an der christlichen Sekundarschule Barby, bietet an, dass eine Klasse die Pflege der Luther-Eiche übernehmen würde. Vor allem in den ersten Jahren ist es wichtig, dass der Baum reichlich gewässert wird. Tönnies verlagert auch alle Jahre wieder eine Geschichtsstunde auf den Barbyer Friedhof, wo sich das Grab von Werner Steinhausen befindet.

Die Pflanzung von Bäumen zu besonderen geschichtlichen Anlässen hat in Barby Tradition. Nach dem deutsch-französischen Krieg (1870/71) wurde auf dem Kirchplatz am Kriegerdenkmal eine Friedenseiche gepflanzt; zum Luthergedenktag 1933 kam hinter dem Rathaus eine Linde hinzu. Der Baum entwickelte sich prächtig und steht heute zwischen Salinen-Apotheke und dem 2005 aufgestellten Denkmal für die „Opfer von Krieg, Vertreibung und Gewalt“.

Am 9. November 1990 setzten die Bürgermeister von Barby und Schöppenstedt auf dem damaligen „Platz des Friedens“ (heute wieder Lindenplatz) eine „Friedenslinde“ in den Boden. Die Klasse 4a der damaligen Engelsschule übernahm die Pflegepatenschaft.