Felgeleben l Es ist der ultimative Beweis dafür, dass ein Freitag der 13. nicht immer mit Pech verbunden sein muss. Zumindest nicht für Remo Kannegießer. Ihm wird der morgige Freitag, 13. Oktober, mit Sicherheit als Glückstag in Erinnerung bleiben. Denn für den Vorstandsvorsitzenden des Vereins „Nestwärme“ – der Verein ist seit 1997 Träger der Felgeleber Kita „Am Gänsewinkel“ – markiert dieser Tag ab sofort das Ende einer Odyssee. Einer Zeit, in der er zusammen mit Einwohnern des Ortsteils Felgeleben, mit Stadträten und Kita-Mitarbeitern gekämpft, gehofft und gewartet hat.

„Die alten Räumlichkeiten der Kita sind jenseits von Gut und Böse“, nennt Kannegießer das Übel beim Namen. Der Bau aus DDR-Zeiten habe schon seit langem nicht mehr den Ansprüchen der heutigen Zeit genügt, schon gar nicht für eine zertifizierte Kneipp-Kita.

Neubau ist eingeschossig

Das alte Gebäude ist zweigeschossig und voll unterkellert. Der Neubau soll nun eingeschossig und somit barrierefrei sein, jede Gruppe wird über einen eigenen Sanitärbereich verfügen. Neben dem Mehrzweckraum und verschiedenen Funktionsräumen gibt es im Neubau drei Gruppenräume für den Kita-Bereich sowie zwei für den Krippen-Bereich.

Gleichzeitig soll die Kindertagesstätte mit dem Neubau um einige Plätze erweitert werden. Derzeit werden hier 84 Kinder betreut. Im Neubau soll für insgesamt 100 Kinder (40 in der Krippe, 60 im Kitabereich) Platz zur Verfügung stehen.

Von dem langen, inzwischen zehnjährigen Weg dorthin kann neben Kannegießer, den Felgelebern und Kita-Mitarbeitern auch die Stadtverwaltung ein Liedchen singen.

2012 kurz vorm Start

Hierfür ein kleiner Exkurs in die Vergangenheit. Das Problem, das jahrelang nicht gelöst werden konnte: Aus eigener Kraft war es für die Stadt nicht möglich, den Neubau nicht stemmen. „2012 waren wir kurz davor“, blickt Bert Knoblauch auf jenes Jahr zurück, als die Hoffnung auf eine Finanzierung durch Gelder aus dem Förderprogramm Stark III lag.

Doch am Ende wurde die Felgeleber Kita doch nicht berücksichtig – obwohl sie ganz oben auf der Prioritätenliste des Salzlandkreises gestanden hatte. Dann die gute Nachricht im Februar diesen Jahres: Die Kosten werden durch Stark V, das von Bund und Land finanziert wird, übernommen. Stadt und „Nestwärme“ müssen keinen Eigenanteil erbringen.

Und um den Neubau nicht noch einmal zu gefährden, entschied sich die Stadt, nun die energetische Fassaden- und Dachsanierung des Verwaltungsobjektes Breiteweg 11 streichen. Hier waren aus dem Stark-V-Förderfonds 325.917 Euro geplant.

Kosten: 2,4 Millionen Euro

Dieses Geld wurde nun zu Gunsten des Kita-Neubaus umgeschichtet. Somit stehen für das Projekt 2,4 Millionen Euro zur Verfügung, statt der vormals geplanten 2,1 Millionen Euro. Mit der Fertigstellung des Neubaus ist jetzt bereits im Herbst 2018 zu rechnen.

Spricht Remo Kannegießer von dem Einsatz der Stadtverwaltung sowie einiger Stadträte – hier fällt insbesondere der Name von Werner Grundmann –, wird er emotional. Er spricht dann von unendlicher Dankbarkeit. („So einen Einsatz habe ich in meiner Karriere noch nicht erlebt.“) Aber da ist für ihn auch das Engagement der Eltern, die sich, obwohl ihre Kinder längst die Kita verlassen haben, unermüdlich für den Neubau eingesetzt haben. „Da sind Menschen in Felgeleben, die angefangen haben, für die Kita zu kämpfen, obwohl sie daraus keinerlei Vorteil zogen“, blickt er auf die vergangenen zehn Jahre zurück.

Aus all diesen Gründen kann Remo Kannegießer die Frage, was der Neubau der Felgeleber Kita für ihn bedeutet, auch mit einem Wort beantworten: „alles“. Und da für den morgigenFreitag doch – zumindest ein kleines bisschen – Aberglaube mitschwingt, hat sich Remo Kannegießer überlegt, wie er spielerisch das Unglück in Glück umwandelt. Was das sein wird, will er erst am Freitag verraten.