Bernburg l Es ist ein bisschen wie bei der Geschichte vom Hase und vom Igel. Wenn die Polizei vor der neuesten Betrugsmasche warnt, denken sich die Kriminellen schon wieder neue Methoden aus. „Der klassische Enkeltrick wird eher selten verwendet“, sagt Marco Kopitz, Sprecher vom Polizeirevier Salzlandkreis. „Stattdessen gibt es immer neuere Varianten.“

Im vergangenen Jahr waren es etwa sogenannte falsche Polizisten, die vor allem im Raum Könnern ihr Unwesen trieben. „Die Straftäter rufen bei den Bürgern an oder klingeln bei ihnen und geben sich als Polizeibeamte aus“, so Polizeisprecher Kopitz. Dann erzählen sie den Betroffenen, dass ihr Name auf einer Liste stehen würde, die bei Einbrechern sichergestellt wurde. Sie sollten daher ihre Wertsachen bei den falschen Polizisten abgeben. Dabei würden die Verbrecher auch falsche Telefonnummern verwenden, die auf „110“ enden und so eine vermeintliche Polizeinummer vortäuschen. „Wir rufen aber nie von einer Notrufnummer an. Leider gibt es trotz aller Warnungen immer wieder Leute, die darauf hereinfallen. Die Polizei würde natürlich niemals Geld oder Wertsachen abholen“, sagt Kopitz. Die falschen Polizisten vorschwinden mit den Wertsachen und werden selten ermittelt.

Keine Erklärung für anstieg

Im Gegensatz zur Gesamtkriminalität hat die Zahl der Betrugsfälle im Salzlandkreis laut der Polizeilich Kriminalitätsstatistik (PSK) im vergangenen Jahr wieder deutlich zugenommen. So erhöhte sich die Zahl von Betrügereien zwischen 2017 und 2018 von 1213 auf 1677 um ein Drittel. Keine andere Deliktgruppe verzeichnete einen derartig starken Anstieg. Denn insgesamt erhöhte sich die Zahl der Straftaten im Salzlandkreis im selben Zeitraum nur leicht von 11.154 auf 11.787 Fälle – wohingegen die Kriminalität auf Landesebene leicht zurückgegangen ist. Eine Erklärung für den Anstieg haben die Beamten aber nicht. Je nach Schwerpunkt der Prävention erstatten die Bürger aber auch häufiger Anzeige.

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Bei den klassischen Betrugsmaschen zählen häufig ältere Menschen zu den Geschädigten. „Senioren sind noch anders erzogen worden und vertrauen den Menschen eher“, sagt Kopitz. Straftäter suchen daher häufig nach älteren Opfern, etwa nach altmodischen Namen. Wobei die Täter inzwischen längst nicht nur ins Telefonbuch schauen, sondern riesige Datensätze mit Namen, Telefonnummern und Adressen illegal im Internet kaufen. Inzwischen soll es sogar regelrechte Callcenter von Kriminellen im außereuropäischen Ausland geben, die bei arglosen Bürgern in Deutschland anrufen und es mit dem Enkeltrick probieren. Dabei gibt sich der Anrufer als der Enkel in Not aus, der Geld braucht und es von einem Bekannten bei den Großeltern abholen lässt.

Doch auch bei jüngeren Menschen sind Betrüger immer wieder erfolgreich. „Vor allem im Internet wird Ware verkauft, die aber nicht geliefert wird“, sagt Kopitz. Vor wenigen Wochen hatte etwa ein Schönebecker einen Staubsauger im Internet für 300 Euro bestellt. Die Seite stellte sich jedoch als Fälschung heraus. Die Ware wurde nie geliefert und das Geld ist weg.

Bestellen ohne zu bezahlen

Manche Übeltäter lassen sich auch Ware liefern, ohne sie zu bezahlen. „Die Betrüger melden sich unter einem fremden Namen und Adresse bei einem Versandhaus an. Wenn die Ware dann geliefert wird, lungern sie vor dem Haus herum und nehmen sie direkt vom Boten in Empfang“, sagt Marco Kopitz. Manchmal befestigen die Täter den Namen sogar am Klingelschild, um den Lieferanten zu überzeugen. Wenn also plötzlich ein Aufkleber mit einem neuen Namen an der Klingel auftaucht, könnte das ein Hinweis auf einen bevorstehenden Betrug sein.

Für die Polizei ist der ständige Kampf gegen die Betrüger relativ frustrierend. „Mittlerweile durchschauen mehr als die Hälfte der Betrugsopfer die Maschen, aber das ist noch immer zu wenig“, sagt Polizeisprecher Marco Kopitz. Gerade, weil die Beamten viel Arbeit in die Prävention und Warnungen an die Bevölkerung stecken. Zudem schätzt die Polizei, dass die Dunkelziffer relativ hoch ist, weil sich viele geschädigte aus Scham gar nicht melden würden. „Wir können nur immer wieder raten, vorsichtig zu sein“, sagt Marco Kopitz. Man sollte sich gerade von Fremden niemals zu etwas überreden oder drängen lassen. Und wenn den Bürgern etwas merkwürdig vorkommt, dann sollten sie immer lieber noch eine zweite Meinung von Freunden, der Familie oder der Polizei einholen. Lieber einmal zu vorsichtig sein, sagt der Polizeisprecher, als sich hinterher zu ärgern.