Schönebeck l Von einem Trauerspiel hat die Volksstimme am 8. Januar 1993 geschrieben, als es um den neuen Besitzer des einstigen Kulturhauses in der Schönebecker Maxim-Gorki-Straße ging. Trauerspiel deshalb, weil mit dem Wechsel des Gebäudes vom VEB Sprengstoffwerk Schönebeck an die Kreishandwerkerschaft gleichzeitig der Pachtvertrag für die Gaststätte und den dazugehörigen Festsaal gekündigt wurde. Das war ein Einschnitt, der heute noch immer nicht überwunden wurde. Denn das Kulturhaus, in dem regelmäßig Tanzveranstaltungen organisiert worden waren, hat nie mehr seinen Charme von einst wiedererlangt. Vielmehr gerät dieses Haus immer mehr in Vergessenheit.

Das ist ein Umstand, der Diane Sommer, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft Elbe-Börde, wohl weißlich bekannt ist. „Wir sind massiv auf der Suche nach einem neuen Pächter“, sagt sie im Volksstimme-Gespräch. Derzeit werden die Räume noch von der bisherigen Pächterin genutzt - aber nur sporadisch auf Kundennachfrage. Ein regulärer Betrieb rechne sich für die Frau nicht, berichtet Diane Sommer. Damit will sie sich aber nicht zufrieden geben. In Zukunft sollen in die Gaststätte inklusive Festsaal wieder richtig Leben einkehren. Nur woher den Pächter mit dem passenden Konzept nehmen? Ein glückliches Händchen hat die Kreishandwerkerschaft mit der Hausübernahme seit der Wende nicht gehabt. Vier Pächter haben ihr Glück an der Maxim-Gorki-Straße versucht. Sie hielten sich jeweils nur ein bis drei Jahre lang.

Am Haus selbst kann es laut Diane Sommer nicht liegen. „Die Gaststätte ist super toll und ansehnlich“, sagt sie. Trotzdem scheint sich das bereits 1993 betitelte Trauerspiel auszuweiten. Denn neben dem Restaurant gehören noch einige Büroeinheiten zu dem Objekt - auch hier haben die Mieter immerzu gewechselt.

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1000 Innungsbetriebe

„Wir sind die einzige Konstante“, sagt die Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft dazu. Der Hausbesitzer hält selbst ein Büro in dem Gebäude vor. Denn in der Tradition der Kreishandwerkerschaften soll es eine Art „Rathaus“ für die Innungsmitglieder geben. Dabei ist das Schönebecker Maxim-Haus nicht das einzige „Rathaus“ im Besitz der Kreishandwerkerschaft Elbe-Börde. Denn in dieser Form mit ihren mehr als 1000 Innungsbetrieben besteht sie seit dem Jahr 2010. Damals fusionierten die Kreishandwerkerschaften aus Schönebeck, Magdeburg, Jerichower Land, Oschersleben und Haldensleben. Die Eigentumsverhältnisse bei den sogenannten Handwerker-Rathäusern seien in den einzelnen Orten verschieden und reichen von Mieter über Miteigentümer bis zum alleinigen Eigentümer wie in Schönebeck, erklärt Diane Sommer.

Wenngleich sich das Haus in Schönebeck bisher schwerlich vermieten lässt, so will die Kreishandwerkerschaft weiter daran festhalten. „Die Kosten belasten aber unseren Haushalt“, gibt sie zu. Deshalb sei eine Vermietung aus betriebswirtschaftlicher Sicht unumgänglich. Dass die Kreishandwerkerschaft den Gaststättenbereich selbst übernimmt, steht für Diane Sommer außer Frage. „Man muss so etwas mit Know-how betreiben, wir sind keine Gastronomen“, sagt sie.

Die Kreishandwerkerschaft ist ein Verbund, der auf Freiwilligkeit basiert. Die insgesamt 105 Betriebe mit ihren 495 Beschäftigten, die in der Kreishandwerkerschaft Elbe-Börde Mitglied sind, arbeiten in den Bereichen Metall, Friseur, Kfz, Ofenbau, Maler, Tischler, Bau und Sanitär/Heizung/Klima. Sie organisieren sich in Form von Innungen.