Schönebeck l Plötzlich war Ruhe im Saal. Als die beiden Herrschaften aus einer rollenden Einkaufstasche einen schwarten Jüngling zogen und dazu eine Kugel mit Gestänge, da strahlten die Augen der beiden Gutachter aus Braunschweig. „So etwas Schönes“, entfuhr es dem Experten, der ehrfürchtig mit einer Hand über diese alte Präzisionsuhr strich.

Nach der ersten Sichtbegutachtung folgte das Nachfragen bei den Eigentümern. Sie ließen sich die Geschichte dieses historischen Chronometers schildern, was eine deutliche Zufriedenheit in die Gesichter der Gutachter zauberte. „Herzlichen Glückwunsch zu diesem Stück! Es ist wirklich top gepflegt“, so der Gutachter.

Erbstück von Wert

Bei dem Stück handelt es sich um eine alte Uhr, die Pendelvorrichtung hängt auf dem rechten Arm des Jünglings (siehe Foto). Anhand der Stäbe lässt sich die Laufzeit justieren. „Ich schätze, dass diese Uhr nur ein bis zwei Minuten in der Woche falsch geht?“, fragte der Experten. Die Besitzer nickten zustimmend.

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Die Gutachter gaben ihnen mit auf den Weg, eine Feder und eine Mutter bei einem geschickten Uhrmacher, der mit solchen Exponaten Erfahrung hat, reparieren zu lassen. Bei einer folgenden Versteigerung kann diese Präzisionsuhr ein Mindestgebot von 400 bis 500 Euro erreichen, wenn es sehr gut läuft sogar bis zu 1500 Euro. Genau das wollten die Besitzer hören, dass das alte Erbstück auch von Wert ist.

Diese Nachricht hatten die Schätzer an den drei verschiedenen Tischen zu unterschiedlichen Themengebieten nicht immer. Reinhard Banse und ein Edelmetall-Experte mussten einer Familie schonungslos die Wahrheit übermitteln. „Da sind Sie ganz schön übers Ohr gehauen worden“, so Reinhard Banse.

Rarität in Gold?

„Rarität in Gold“ stand in dicken Buchstaben über die entsprechenden Zertifikate, die der Vater der Erben für seine Nachkommen nicht nur sammelte, sondern dafür auch einen Haufen Geld ausgab. Doch die Prüfung der Experten ließ kein gutes Haar gegenüber der Firma aufkommen, die die Medaillen überteuert an den Mann brachte. „Das sieht alles schön aus, hat aber keinen Wert“, so der Edelmetall-Experte. Er konnte erkennen, dass es sich nicht um einen Goldschatz handelte, sondern um lausige Kupfermedaillen, die dünn versilbert waren. Vermutlich war die Schatulle mehr wert als die Münzen. „Sie müssen eigentlich nur wissen, dass diese Dinger nur hergestellt werden, um damit Geld zu verdienen“, so der Schönebecker Reinhard Banse, der die Veranstaltung „Plunder oder Rarität“ zweimal im Jahr im Salzlandmuseum organisiert.

Unablässig und jedes halbe Jahr wandern aber doch immer wieder kleine Schätze aus Böden, Kellern und Schränken auf die Expertentische. So wie eine schmucke Vase, die auf dem Boden keinen Nachweis trug. Die Besitzer konnten aber glaubhaft vermitteln, dass Vorfahren davon berichteten, dass das Stück aus dem Jahr 1880 stammt – der Blick des Besitzers macht so manches Stück eben auch wertvoll.