Schönebeck l Der Blick in die Region macht doch schon etwas neidisch. Wenngleich die Kicker von Union 1861 Schönebeck anständige Rasenballplätze haben – der Hartplatz in der Barbarastraße ist nicht unbedingt ein Aushängeschild. Andere Sportvereine in anderen Städten in kleineren Größenordnungen haben längst einen großen Kunstrasenplatz. Nur eben Schönebeck nicht, nur eben Union nicht – der an Mitgliedern siebentstärkste Sportverein Sachsen-Anhalts.

Schon Jahre vor der Fusion gibt es in den damals noch getrennten Vereinen SSC und SSV Bestrebungen, einen Rasenplatz mit künstlichem Grün anzulegen. Es scheitern jedoch alle Überlegungen an den finanziellen Mitteln. „Wir hatten uns schon im Jahr 2013 damit beschäftigt und Preise nachgefragt“, berichtet Frank Rüchardt, einer der beiden Präsidenten des größten Schönebecker Sportvereines.

Eine perfekte Vorlage

Zwei Jahre und einen Zufall später rückt der Wunsch nach einem Kunstrasenplatz wieder in greifbare Nähe. SSC und SSV wagen nach einem gescheiterten Versuch zur Fusion einen zweiten Anlauf. Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Stahlknecht (CDU) besucht im Rahmen seiner Sommertour die Elbestadt und will sich die energetische Sanierung eines Gebäudes in der Barbarastraße ansehen. „Na das war doch eine perfekte Vorlage, dem Minister den schlechtesten Platz des Vereines zu zeigen“, erinnert sich Frank Rüchardt. Es ist ein dunkler, kühler verregneter Tag gewesen, der den düsteren Anblick des Schotterfeldes noch um einiges verstärkt.

Nach diesem Besuch und der Fusion der Grünen und der Roten zu Union kommt – um im Bild zu bleiben – der Ball ins Rollen. Der neue Kunstrasenplatz, für den nun im August Baubeginn ist, ist die bislang größte Investition im sportlichen Bereich der Stadt. Die Zahlen, die Birgit Zellmer, Sachgebietsleiterin Kultur und Sport der Stadt Schönebeck, nennt, sind immens: Die Gesamtkosten belaufen sich auf 845.000 Euro. Diese Summe teilen sich das Land Sachsen-Anhalt (445.400 Euro), die Stadt Schönebeck (336.000 Euro), Lotto-Toto (52.000 Euro) und Union (11.600 Euro).

Schon vor einiger Zeit haben die Mitglieder der Stadtrates dieser Investitionen für die rund 2000 Sportler des Vereines als Aushängeschild der Region zugestimmt. Einstimmig im Übrigen. „Dieses Votum hat mich echt vom Stuhl gehauen“, freut sich Frank Rüchardt noch immer.

Wie wird Kunstrasen "angesät"?

Freude herrscht bei den Geldgebern zudem darüber, dass die Planungen für das Projekt in der Region geblieben sind. Ein Ingenieurbüro aus Calbe hat den Auftrag bekommen. Planer Tobias F. Maasberg berichtet auf Nachfrage über den Bauablauf und wie ein Kunstrasenplatz „angesät“ wird: „Das neue Spielfeld wird sich in die vorhandene Fläche einpassen und 100 mal 65 Meter groß sein. Auf dem südlichen Spielfeld zur Sachsenlandstraße wird ein Kleinfeldplatz 60 mal 30 Meter in das Großfeld integriert.“

Bevor aber der Platz sein Grün bekommt, muss das zukünftige Areal rund 35 Zentimeter tief ausgehoben werden. In diesem Raum wird eine mehrteilige Tragschicht eingebracht, darauf eine Nivellier- und Elastschicht. Erst zum Schluss kommt der moderne Kunstrasen darauf.

Der, so berichtet Tobias F. Maasberg, ist wie ein Teppich gewebt und nicht vergleich-bar mit Kunstrasenplätzen, die schon vor rund 20 Jahren gebaut wurden. „Die Verletzungsgefahr auf einem Kunstrasenplatz ist nicht größer als auf einem normalen Rasen. Aber erst recht kein Vergleich zum Hartplatz von heute“, so der Präsident von Union auf eine Nachfrage der Volksstimme.

Kein Plastik, sondern Granulat

Die Kunststoffrasenfläche ist in der Regel wasserdurchlässig. Diese Eigenschaft verbessert zum einen die Sport- und Schutzfunktion, zum anderen wird der Boden nicht versiegelt, so dass Niederschlagswasser an die unteren Schichten abgegeben werden kann. Und nicht nur der Rasen ist Grün, sondern auch eine weitere Intension: Wenngleich eine entsprechende EU-Verordnung noch nicht in Kraft ist, wollen die Schönebecker Vorreiter sein und setzen auf Nachhaltigkeit: Auf den fertigen Rasen wird Quarzsand und nicht zusätzlich noch Plastikgranulat gestreut, sondern Kork. „Darauf haben wir von Anfang an Wert gelegt“, so Frank Rüchardt.

Die Pflege eines Kunstrasenplatzes ist in der Regel genauso aufwendig wird ein normaler Rasenplatz. Regelmäßig muss Granulat nachgefüllt und verteilt werden.Wenn die Spielwiese der Fußballer fertig ist, kann sie sofort genutzt werden. Das ist nach bisherigen Planungen ab Ende Oktober der Fall. Darauf freuen sich die 16 Kinder- und Jugendteams und der vier Erwachsenenmannschaften. Vielleicht aber auch nicht alle Kicker: In Zukunft wird ein gewohntes Ausweichen im kalten Winter in eine warme Halle nicht unbedingt nötig sein.