Angeln

Landesverband der Angler veranstaltet Jugendcamp an See bei Wespen bei Schönebeck: Tino Sorge, Markus Bauer und Bert Knoblauch stehen Rede und Antwort

Das Jugendcamp des Landesanglerverbandes (LAV) an einem See in der Nähe von Schönebeck war ein voller Erfolg. Die 110 Teilnehmer und ihre Betreuer vertieften dabei nicht nur ihre Kenntnisse im Angelsport, sondern blickten auch über den berühmten Tellerrand hinaus.

Von Andre Schneider
Jugendcamp des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt in Barby-Wespen, Landrat Markus Bauer (hinten, v. li.), Bert Knoblauch, Tino Sorge, Daniel Hardtke, Uwe Bülau; sowie vorn: Wyatt Steube und Niklas Schreiber
Jugendcamp des Landesanglerverbandes Sachsen-Anhalt in Barby-Wespen, Landrat Markus Bauer (hinten, v. li.), Bert Knoblauch, Tino Sorge, Daniel Hardtke, Uwe Bülau; sowie vorn: Wyatt Steube und Niklas Schreiber Foto: Andre Schneider

Schönebeck/Wespen - Wer meint, Angler halten nur Köder ins Wasser und versuchen möglichst viel Fisch aus heimischen Gewässern zu holen, liegt falsch. Das bewiesen die Teilnehmer des landesweiten Jugendcamps des Landesanglerverbandes. Beim vom Schönebecker Angelverein ausgerichteten Camp stellten sich heimische Politiker den teils kniffligen Fragen der jungen Angelsportler.

Als einen der Höhepunkte bezeichnete Landesverbands-Geschäftsführerin Anja van der Molen-Stolze die Gesprächsrunde mit den Politikern. Landrat Markus Bauer (SPD), Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch, Bundestagsmitglied Tino Sorge und das Barbyer Stadtratsmitglied Daniel Hardtke (alle CDU) waren am Sonnabend an dem idyllischen Seegelände des Kreisanglerverbandes Schönebeck zu Gast.

Angeln mit persönlichen Emotionen

Die beiden 14-jährigen Moderatoren Wyatt Steube und Niklas Schreiber reichten das Mikrofon ins Publikum. Die Fragen reichten bei der etwa 30-minütigen Talkrunde von persönlichen Themen bis hin zu Politischem. Tino Sorge offenbarte etwa seine „Definition“ vom Angeln: „Angeln ist für mich abends bei einem Getränk am See sitzen und leise unterhalten.“ Landrat Bauer erinnerte sich an Eisangeln in Russland und Schönebecks Stadtoberhaupt Bert Knoblauch pflegt ohnehin eine besondere Beziehung zum Angeln. Selbst passionierter Angler – bezeichnet er das Hobby als „schöne Gelegenheit, run-terzukommen“. Ihm gefällt der Einklang mit der Natur, seien es Begegnungen mit Seeadlern, Ringelnatter und Co. oder seine eigenen größten Fangerfolge.

Doch einige Techniken der Angler werden von Außenstehenden durchaus kritisch beäugt – wie das „Catch and release“. Das bezeichnet das (bewusste) Fangen von Fischen für Fotos, ehe sie wieder ausgesetzt werden. Im Fischereigesetz ist geregelt, in welchen Fällen Fänge wieder zurückgeführt werden sollten. Zum einen könne dies der Fall sein, wenn die Fische für den Verzehr ungeeignet, noch zu klein oder elementar wichtig für das ökologische Gleichgewicht im jeweiligen Gewässer sind. Auch sogenannter Beifang könne in bestimmten Gründen zurückgeführt werden. Angler müssen im Rahmen von umfangreichen Prüfungen Sach- und Fachkundenachweise erbringen.

Meinung: Catch and Release

„Innerhalb der normalen Regeln befürworte ich dieses Verfahren“, sagte Knoblauch. Eine ähnliche Meinung vertrat auch Parteikollege Tino Sorge. „Im Zweifel sollte man für den Fisch entscheiden. Angeln ist allerdings auch Sport.“ Der Vorsitzende des Landesangelverbandes, Uwe Bülau, appellierte an die Verantwortung der Angler. „Ihr habt eine Ausbildung gemacht und könnt nach diesen Kriterien entscheiden“, sagt er bei der Podiumsdiskussion. Die Möglichkeit, einen Fang zurückzusetzen, sei ein Vorteil gegenüber der Jagd. „Jäger haben ein sehr vorbildliches Nachwuchskonzept“, sagte Anja van der Molen-Stolze. „Der Verzehr von Wild ist außerdem sehr gesund und natürlich.“ Die Angler sind ebenfalls um gute Nachwuchsarbeit und den Blick über den Tellerrand bemüht. Daher waren bei dem Camp nicht nur Stände von passionierten Anglern vertreten, die als Experten in ihren Spezialdisziplinen gelten, sondern auch Vertreter anderer Verbände. Der Jäger zum Beispiel. Aber auch Falkner aus der näheren Umgebung präsentierten sich. Der Einsatz der Vögel gilt bereits als immaterielles Weltkulturerbe der Unesco – ein Status, den man auch gern erlangen möchte. Die Gründe dafür liegen laut van der Molen-Stolze auf der Hand: Angeln stünde für eine sinnvolle und abwechslungsreiche Freizeitgestaltung, Entfaltungsmöglichkeiten von Individualität und Kreativität sowie ein Naturerlebnis an der frischen Luft und ökologische Bildung. „Ein wichtiger Stützpfeiler der Gesellschaft.“

Kommentar

Fische zu fangen, um sie dann wieder einzusetzen, wird immer wieder kontrovers diskutiert. Tierschutz ist wichtig, gerade beim Fischfang. Ein Tier nur für ein Foto zu fangen, sollte es nicht geben (Fotos zusätzlich zum Verzehrzweck oder vor dem umweltverträglichen Einsetzen halte ich indes für unbedenklich). Bei der ganzen Diskussion sollte nicht vergessen werden, welche Funktion Angler übernehmen. Sie pflegen Gewässer, gehen ressourcenschonend mit der Natur um und schulen Kinder und Jugendliche im verantwortungsbewussten Umgang mit der Umwelt. Tierschutz und Angeln sind keine Disziplinen, die sich ausschließen, sondern sogar ergänzen – verantwortungsvoller Umgang vorausgesetzt.